Nach fünf Minuten bereits intime Fotos getauscht

Ohne Internet geht heutzutage eigentlich fast nichts mehr. Eine fast schon unerschöpfliche Menge an Informationen hält es bereit. Ob wissenschaftliche Abhandlungen, Informationen für Schule und Beruf, Lexikonartikel, aktuelle Nachrichten aus aller Welt oder von direkt vor der eigenen Haustüre, die Preise des Lebensmittelmarktes um die Ecke oder ein wenig Unterhaltung

imme.jpgOhne Internet geht heutzutage eigentlich fast nichts mehr. Eine fast schon unerschöpfliche Menge an Informationen hält es bereit. Ob wissenschaftliche Abhandlungen, Informationen für Schule und Beruf, Lexikonartikel, aktuelle Nachrichten aus aller Welt oder von direkt vor der eigenen Haustüre, die Preise des Lebensmittelmarktes um die Ecke oder ein wenig Unterhaltung für triste Wintertage – alles ist nur wenige Mausklicks entfernt. So schön und praktisch das World-Wide-Web ist, so birgt es aber auch nicht zu unterschätzende Gefahren und Risiken. Gerade für Kinder.

Denn besonders beliebt sind bei den jüngsten Internetnutzern so genannte Chats, in denen man sich mit anderen Personen per Texteingabe am Computermonitor unterhalten kann. Und das auch relativ anonym, schließlich bedarf es oftmals nur eines fantasievollen Benutzernamens und einer eMail-Adresse, um an einer solchen Diskussion teilzunehmen. Auch wenn die Kinder und Jugendlichen dann einen Chat-Raum für ihre Altersklasse ansteuern, dann ist es in den meisten Fällen jedoch nicht ausgeschlossen, dass sie in Kontakt mit pädosexuellen Personen geraten können. Denn die Anonymität des Internets lässt sich gut nutzen, um sich leicht hinter anderen Identitäten zu verstecken und das Gegenüber zu täuschen.

Die 13-jährige “Susimaus” zum Beispiel, die wie gewünscht bei der Registrierung bei einem bekannten Chat-Anbieter aus Ettlingen diverse persönliche Daten in ihr Userprofil eingegeben hatte, wurde bei unseren Recherchen dann nämlich sogleich nach Betreten des “Unterhaltungsraumes” von einem gewissen “Frank” angesprochen, ob sie denn nicht ein bestimmtes Messenger-Programm, mit dem man online mit normalerweise Freunden und Bekannten direkt in Kontakt treten kann, und eine Webcam habe. Der Grund: Sie solle ihm zusehen – bei etwas, das “nicht ganz jugendfrei” sei, wie der unbekannte Chatter sogleich konkretisierte.

“Wirksame Kontrollen gibt es bei den Chatanbietern fast nie”

Dass solche Kontaktaufnahmen von Tätern, die aus allen sozialen Bereichen und Altersklassen stammen können, in einem Chatraum für Jugendliche möglich sind, dafür gibt es eine einfache Erklärung: “Wirksame Kontrollen gibt es bei den Chatanbietern fast nie”, weiß Kriminaloberkommissar Thomas Kittler vom Kommissariat Vorbeugung der Wuppertaler Polizei zu berichten. Denn auch wenn eben dieser Chat-Anbieter für seine jungen Nutzer einen Jugendschutz-Test anbietet, der nach zwei Stunden Chatten spielerisch auf die Gefahren hinweist, so mag dieser Zeitraum schon etwas zu lang sein: Die Kontaktaufnahme der Täter erfolgt meist schneller.

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Eine Identifizierung der Personen ist für die Chatter in den meisten Fällen nicht möglich, die Angaben in den Profilen der User zudem oftmals gefälscht. Auch können Moderatoren und Administratoren – sofern vorhanden – nur in den seltensten Fällen unmittelbar wirksam eingreifen und technisch gesehen ist eine Kontrolle und Überwachung der Gespräche kaum möglich. Der oberste Grundsatz sei daher: “Die eigenen persönlichen Daten gehören nicht ins Netz”, erklärt Kriminalhauptkommissarin Imme Dresbach. Und dazu gehören eben auch so simple aber überaus sensible Angaben wie Namen, Alter und Wohnort.

Denn wenn ein Kind diese preisgibt, so steigt die Chance, dass die meist erwachsenen und männlichen Täter auf dieses Profil besonders aufmerksam werden. So wie ein angeblich noch jugendlicher “Andy”, der der 13-jährigen “Susimaus” beim Chat-Test zum “Kennenlernen” einige teilweise sehr intime Fragen nach Alter, dem Aussehen und genauer (Unter-)Bekleidung stellte. Jedoch machen auch “jugendliche Exhibitionisten einen auffallend hohen Anteil” bei solchen Taten aus, weiß Dresbach zu berichten. Auch werden in solchen Fällen meist recht zügig Fotos über die gängigen Messenger-Programme ausgetauscht – mit dem Wunsch nach möglichst spärlicher Bekleidung. Bei den Recherchen auf der bei Teenagern besonders beliebten Internetseite dauerte es dabei teilweise nicht länger als gerade einmal fünf Minuten, bis solche deutlichen Aufforderungen von den unbekannten Gegenübern kamen.

“Man muss Ansprechpartner für sein Kind sein, ihm ein gesundes Misstrauen auf den Weg geben”

Der Rat der Polizei für die Eltern deshalb: “Man muss Ansprechpartner für sein Kind sein, ihm ein gesundes Misstrauen auf den Weg geben”, so Imme Dresbach. Das Kommissariat Vorbeugung der Wuppertaler Polizei wendet sich aus diesem Grund beispielsweise auch direkt an die Erziehungsberechtigten, wie zum Beispiel bei Info-Abenden an weiterführenden Schulen. Es gibt schließlich diverse Schutzmaßnahmen, damit die jungen Internetnutzer “relativ gefahrlos” surfen können: Dass Kinder unter 12 Jahren nicht alleine ins Internet gelassen, die Kindersicherung des Browsers sowie Filtersoftware genutzt und ein gewisses Vertrauen zu seinem Kind aufgebaut werden sollte, sind nur einige Maßnahmen, die mit gegenseitiger Rücksicht zu einem sichereren Umgang mit dem Word-Wide-Web beitragen könnten.

Und wenn sich das Kind dann doch einmal den Eltern offenbart, so solle man möglichst schnell Anzeige bei der Polizei erstatten und mit dem Kind reden, empfiehlt Imme Dresbach: “Viele Kinder sprechen nicht darüber aus Schuld, Scham und Angst”, so die Kriminalhauptkommissarin. Ein mögliches drohendes Internet-Verbot sei diesbezüglich überaus kontraproduktiv und erhöhe, so Dresbach, die “Besorgnis erregend hohe” Dunkelziffer an Fällen. Aber: “Das Anzeigenaufkommen ist äußerst gering”, bedauert Kriminaloberkommissar Thomas Kittler. Und das, obwohl solche Fälle tagtäglich zuhauf in den Chaträumen des Internets passieren, wie auch die erschreckenden Recherchen an nur einem Nachmittag bewiesen.

Ein empfehlenswerter Link-Tipp zu diesem Thema mit zahlreichen wichtigen Informationen für Kinder und Eltern: www.chatten-ohne-risiko.net.

Dieser Artikel erschien zuerst auf www.wupperguide.de.

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  1. Ich spiele gerne Backgammon, auch im Internet. Soweit, so harmlos. Aber leider sind die Spielebetreiber dazu übergegangen, am Rand ein Chatfeld einzurichten. Mein Spielername ist geschlechtsneutral, trotzdem werde ich im zunehmendem Maße nach ASL (Age Sex Location) und nach einer Verbindung mit IM-Funktion, eben einem Messenger, der Dateiübertragung und Video-Telefonie ermöglicht, gefragt, in einer Offenheit, die mich immer wieder schockiert und verblüfft. Ich habe dem Betreiber dieser Platform bereits einige Male Screenshots dieser Unterhaltungen geschickt, bislang ohne Ergebnis.

    Ausgewiesene Kinderseiten haben eine Chatfunktion, chatten ist die meistgenutzte Funktion der Kinder. Aber es kann doch nicht angehen, dass in Zeiten, wo jedes MobilePhone ne Kamera hat, Kinder unkontrolliert Bilder hochladen (einmal ins Netz gestellt, immer im Netz…), Adressen mit Unbekannten austauschen, damit Details preisgeben, wie es Kinder eben so tun. Man spricht nicht umsonst von Naivität, die man ja auch als Vertrauensseligkeit auslegen könnte, eine (in meinen Augen) sehr positive Eigenschaft wird hier eiskalt ausgenutzt, heute steigt der/die/das Böse übers Kinderzimmer in die Wohnung ein.

    Ein fiktiver Fall: Gesindel im Chat erfährt von Kind, dass Familie von – bis nach Italien auf Urlaub fahrt und die Tante Ilse einmal in der Woche die Blumen gießt, der Schlüssel liegt im Blumentopf….

    Und hier sind die Eltern in die Pflicht zu nehmen! Wer da als Elternteil nicht begleitend dabeisitzt, begeht eine schwere Unterlassung. Und ausnahmsweise (ich bin der Meinung, die Erziehung der Kinder obliegt NICHT den Schulen, sondern den Eltern) sind auch die Schulen in die Pflicht zu nehmen, denn die Schul-Computer sind oft schlecht gewartetete, absolut nicht kindergerechte Systeme mit freiem Zugang zum Netz.

    Eine der schwierigsten Aufgaben war und ist: die Kinder-Erziehung mit dem nötigen Fingerspitzengefühl…..