Ein Kind wiegt seinen Kopf – ein Affe ebenfalls. Dieses Video über die verheerenden Folgen einer lieblosen Erziehung ist 38 Jahre alt – die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ) aber hält sich immer noch merkwürdig bedeckt, wenn es um das Thema katholische Kinderheime geht. Der AGJ-Fachausschuss “Sozialpädagogische Dienste, erzieherische Hilfen” sei über den Stand der Dinge im Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages informiert, aber “eine Positionierung hierzu bzw. weitergehende Befassungen mit der Thematik gibt es bislang nicht”. Schreibt die Referentin Tanja Grümer.
Gerechtes Aufwachsen
Alle vier Jahre organisiert diese Arbeitsgemeinschaft, die 100 Mitglieder hat, den Deutschen Kinder- und Jugendhilfetag, der nächste findet vom 18. bis 20. Juni in Essen statt. Die Grußworte stammen von Karl Kardinal Lehmann, Bischof von Mainz, Professor Dr. Gesine Schwan, Präsidentin der Europa-Universität, und von Benjamin Bloch, Direktor der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland, das Motto lautet “Gerechtes Aufwachsen ermöglichen!”
“Wir konnten nicht begreifen, warum man uns gedemütigt, fallengelassen, bedroht, ausgelacht, wie Holz behandelt, mit uns wie mit Puppen gespielt oder uns blutig geschlagen hat oder abwechselnd beides. Mehr noch, wir durften nicht einmal merken, dass uns all dies geschieht, weil man uns alle Misshandlungen als zu unserem Wohl notwendige Maßnahmen angepriesen hat.” So beginnt das Buch “Gestohlene Kindheit” (1996) von Alexander Markus Homes, der als Kind einige Jahre in einem katholischen Kinderheim verbracht hat. Diese Veröffentlichung hat der katholischen Kirche missfallen. Sie schaltete Anwälte ein.
2006 veröffentlichte Homes “Heimerziehung: Lebenshilfe oder Beugehaft? Gewalt und Lust im Namen Gottes” bei Books on Demand (ISBN 3-8334-4780-X). Darin gibt es auch ein Interview mit einer Nonne, die schwere Kindermisshandlungen gesteht. Gott sei für sie ein Bestrafungsinstrument gewesen. Dazu der Autor: “Es waren insbesondere Nonnen – nicht alle -, die, wie zahlreiche Betroffenenberichte in diesem Buch aufzeigen, im Namen Gottes Heimkinder prügelten, malträtierten, quälten, erniedrigten und entwürdigten, um ihnen Disziplin, Gehorsam, Fleiß, Sauberkeit, Unterordnung und den Glauben an ihren Gott aufzuzwingen.”
Immer noch aktuell
Aktuell sei dieses Thema immer noch – und so ganz kommen auch die Organisatoren des Kinder- und Jugendhilfetages in Essen nicht an diesem Thema vorbei. Tanja Grümer teilt auf Anfrage mit: “Wie Sie aber bereits vermutet haben, wird das Thema auch im Rahmen des 13. Deutschen Kinder- und Jugendhilfetages aufgegriffen. Der Paritätische Wohlfahrtsverband bietet hierzu ein Fachforum an.”
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Die Schulbildung und Heimunterbringung von Jessica Müller empfinde ich nicht als „Gerechtes Aufwachsen“. Es ist eher der Folter angesiedelt.
Ihr Schriftbild der letzen Weihnachtskarte zeugt von großen Defiziten der letzen vier Jahre Heimerziehung. Warum sich diese Organisation Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ) nicht darum kümmert, wird wohl ein Geheimnis bleiben. Wer wächst denn da Gerecht. Sind es die Träger der Jugendhilfeeinrichtungen?
Noch mal, wie kann es sein, dass eine Jugendamtsmitarbeiterin die gerade mal 2100,- Euro verdient über 6000,- Euro Jugendhilfe, für eine zehnjährige entscheidet? Schluss damit. Wann kommt das Geld wieder in den Familien an? Jessica Müller gehört nach Hause zu ihren Eltern und ob dann die liebe Frau vom Jugendamt, immer noch so großzügig, das Checkbuch zückt, bleibt ebenfalls ein Geheimnis.