TITTENBONUS IST NICHT!

Punkrock ist so eine Sache. Da gibt’s Bands, deren Protagonisten in Großenhain die Monitorboxen zur Minna machen, nur weil sie straff wie die Ritter sind. Dann gibt’s Kapellen, die weinerlich im Emo baden. Aber glücklicherweise gibt’s hin und weder Formationen mit Anspruch und mit sympathischen Frontierern. Ich traf Susi Keil

vol1.jpgPunkrock ist so eine Sache. Da gibt’s Bands, deren Protagonisten in Großenhain die Monitorboxen zur Minna machen, nur weil sie straff wie die Ritter sind. Dann gibt’s Kapellen, die weinerlich im Emo baden. Aber glücklicherweise gibt’s hin und weder Formationen mit Anspruch und mit sympathischen Frontierern. Ich traf Susi Keil im Flower Power zu Leipzig zu einem kleinen Gespräch über ihren PINK PONY PARTY CLUB und das mittlerweile in den Startlöchern vibrierende TROUBLEKID.

Volly Tanner: Hallo Susi, Du bist ja die Frontfrau von Pink Pony Party Club. Was muss sich denn der unwissende Leser darunter vorstellen? Was sind denn Pink Ponys?
Susi Keil: Pink Pony Party Club ist eine Band, bestehend aus Krissi am Bass, Stelle am Schlagzeug und mir an Gesang und Gitarre. Wir machen, stell dir vor, seit zwei Jahren zusammen Musik. Das heißt dann Pink Pony Power Punk. Und Pink Ponys sind nichts anderes als wahr gewordene Mädchenträume. Schau mal in gängigen Spielzeugläden nach: fast alle Toyponies sind pink, kuschelig und haben große Kulleraugen. Welches Mädchen kann da widerstehen?

Volly Tanner: Aber die Zusammenstellung Eurer Band zielt doch auch auf Männerträumerein, oder? Wenn Ihr am Abgehen seid, bleibt ja auch kein Haupthaar ungeschüttelt. Habt Ihr schon außerhalb Leipzigs Lorbeeren gesammelt?
Susi Keil: Also ich mache keine Musik, um Männerfantasien zu bedienen. Auch unsere Schlagzeuger würde wohl bei dieser Frage heftig protestieren… Wenn du auf den so genannten Tittenbonus anspielst, kann ich nur passen. Meine 75B bleibt stets unterm T-Shirt. Rockbitch ist nicht unser Ding. Wenn den Leuten gefällt, was sie sehen, gut. Aber eigentlich soll sie doch die Musik ansprechen. Wir sind auch außerhalb von Leipzig unterwegs, klar. Der Radius liegt derzeit bei Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen – quasi im Ostblock – und wird stetig erweitert.

Volly Tanner: Und Festivals? Ich durfte Euch ja nun schon sehen und Ihr seid ja prädestiniert für große Feste. Gibt’s da schon was für diesen Sommer?
Susi Keil: Nein, ich bin den Sommer über in Shanghai. Außerdem ist Pink Pony Party Club eh “nur noch” unser zweites Steckenpferd. Wir haben Anfang des Jahres ein neues Projekt gestartet, Troublekid, und damit wollen wir uns erstmal einen Namen erspielen, Aufnahmen machen und so weiter und so fort. Da geht es wohl erst im Herbst wieder richtig zur Sache.

Volly Tanner: Der Stelle ist ja nun schon ein alter Recke im Rockandrollgeschäft und Ihr seid da doch eher kürzer dabei. Wie funktioniert denn da das Zusammenspiel, rein vom Entscheiden? Geht’s da diktatorisch oder demokratisch zur Sache?
Susi Keil: Ich bin Chef. Mein Wille ist Befehl.

“Es darum Spaß zu haben und nicht darum, besser oder erfolgreicher zu sein als andere.”

Volly Tanner: Echt? Und was denkt Stelle darüber? Mal ‘ne andere Frage. Ihr ackert ja im Bereich des Independent, gibt’s da in der Gegend hier Konkurrenz für Euch – oder Kontakte zu befreundeten Bands?
Susi Keil: Natürlich treffen wir Entscheidungen gemeinsam und es kommt auch mal vor, dass die Meinungen auseinander gehen und wir uns an die Kehle springen. Aber zu irgendeinem Kompromiss hat es meistens gereicht. Ich schalte dann auch gern mal auf stur, bis Stelle entnervt aufgibt. Ha ha. Oder andersrum. Zu unseren Lieblingskollegen zählen Möped und die Bla Bla Bla’s, beide auch aus Leipzig. Konkurrenz gibt es in sofern nicht, als dass wir einfach nur im Hobby-Amateurbereich unsere Mucke machen und fertig. Da geht’s darum Spaß zu haben und nicht darum, besser oder erfolgreicher zu sein als andere. Zumindest für mich nicht. Um ehrlich zu sein, sind mir die anderen scheißegal oder ich mag die Bands halt und gehe zu deren Konzerten.

Volly Tanner: Wenn Du schon vom Hobbyamateurbereich sprichst (was man Eurer Musik wirklich nicht anmerkt), womit macht Ihr denn Eure Kühlschränke voll? Studium, Job oder Arbeitsfreiheit?
Susi Keil: Danke für die Blumen. Ich fülle meinen Kühlschrank mit der Produktpalette von Lidl. Nein, im Ernst: Krissi studiert Medizin, ich studiere Journalistik und Stelle macht so dies und das. Er hatte ja lange die Rock’n'Roll Garage und nachdem sie abgerissen wurde, sucht er nun nach einer neuen Location. Mal schauen, was das wird. Wir dürfen gespannt sein.

“Im Endeffekt, kommt Troublekid von Herzen und Pink Pony Party Club aus dem Bauch.”

Volly Tanner: Und nach was klingt Troublekid?
Susi Keil: Troublekid ist die logische Konsequenz aus der Entwicklung von Pink Pony Party Club. Die Ponies haben ja als Spaßband angefangen. Das hat am Anfang keiner ernst gemeint. Wir hatten 2006 eine wahnsinnig durchgeknallte Festivalsaison hinter uns, waren alle voller Liebeskummer und wollten das mit einer Band kompensieren. Dann sind neben den Deutschpunk-Nummern auch, wie soll ich sagen, halt ernstere Lieder entstanden, englische Songs. Das ließ sich auf Dauer nicht mehr vereinbaren. Die Richtungen sind einfach zu verschieden. Da uns aber beides wichtig ist, haben wir Anfang des Jahres Troublekid gegründet. Die Musik ist rotziger, Rock’n'Roll-lastiger und wohl auch anspruchsvoller, vom spieltechnischen her. Die Texte sind emotionaler. Im Endeffekt, kommt Troublekid von Herzen und Pink Pony Party Club aus dem Bauch.

“Jeder ist doch selbst für das verantwortlich, was er liest und glaubt.”

Volly Tanner: Die Independentpresse jagt ja regelmäßig eine frische Sau durchs Dorf, alle viertel Jahre gibt’s den neuesten Hype und viele Magazine machen nur noch Hofberichterstattung für Labels – Du selber schreibst hin und wieder fürs MOLOKO PLUS. Was treibt Dich?
Susi Keil: Ich habe in dem ein oder anderen Musikmagazin oder Fanzine die Möglichkeit, mich Themen oder Künstlern zu widmen, die zu sehr Nische sind als dass sie in großen Blättern Platz finden. Außerdem besteht kein Zwang in Sachen Ausdruck, da kann man auch mal derber formulieren. Davon abgesehen geht es auch darum, seinen kleinen Teil zur Szene beizutragen. Die lebt nun mal zum Großteil von do it yourself. Seien es Veranstalter, Booker, Bands, Labels, Mailorder oder Fanzineschreiber und -macher – die allerwenigsten bestreiten davon ihren Lebensunterhalt. Das ist selbstloses Engagement und ohne das geht nun mal nichts. Jeder, der in Independentszene verkehrt, kann was dafür machen. Dass Hofberichterstattung und Hypes nicht ausbleiben, ist kaum verwunderlich. Schließlich muss auch das kleinste Magazin irgendwie Druck und Vertrieb bezahlen. Da appelliere ich an den Leser und dessen gesunden Menschenverstand: Jeder ist doch selbst für das verantwortlich, was er liest und glaubt.

Volly Tanner: Wo kann sich der interessierte Leser denn Eure Songs ziehen? – äääääh, oder kaufen natürlich – tss tss tss!
Susi Keil: Es wird gemunkelt, dass die alten Pink Pony Party Club Aufnahmen bei Emule zu haben sind… oder von der Homepage raubkopieren. Die aktuellen Sachen kann man sich bei MySpace anhören, wobei wir für die Ponies noch neue gediegene Aufnahmen machen wollen und demnächst mal ins Studio gehen. Da rumpeln derzeit nur ein paar Proberaumpics runter. Songs für Troublekid haben wir gerade produziert, gibt es ebenfalls auf MySpace und in einiger Zeit auch auf Konserve. In welcher Form ist noch nicht klar. Kann man dann aber auf jeden Fall bei unseren Gigs erwerben.

Volly Tanner: Danke, liebe Susi für das kurze Gespräch. Möchtest Du den geneigten LeserInnen noch eine Weisheit auf den Weg geben?
Susi Keil: Nö. Die sind doch alle alt genug.

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