“Niemals mehr Krieg. Niemals vergessen. Freundschaft…”

Es geschah zwischen dem 7. März und dem 12. April 1945: Gestapo und SS ermordeten im Dortmunder Rombergpark und der Bittermark etwa 300 politische Gefangene und Widerstandtskämpfer auf heimtückische und bestialische Weise. Sie stammten aus sieben Ländern. Unter ihnen befanden sich Menschen aus der Sowjetunion, Polen, Jugoslawien, Belgien, Frankreich und

CDS5.jpgEs geschah zwischen dem 7. März und dem 12. April 1945: Gestapo und SS ermordeten im Dortmunder Rombergpark und der Bittermark etwa 300 politische Gefangene und Widerstandtskämpfer auf heimtückische und bestialische Weise. Sie stammten aus sieben Ländern. Unter ihnen befanden sich Menschen aus der Sowjetunion, Polen, Jugoslawien, Belgien, Frankreich und auch aus Deutschland selbst. Am 13. April 1945 – also nur einen Tag nach den letzten Massakern – marschierten Truppen der US-Army in Dortmund ein. Die Ermordeten – mit Stacheldraht gefesselt, per Genickschuss niedergestreckt und in Bombentrichtern verschart – wurden gefunden. Seither wird ihrer alljährlich gedacht. Immer am Karfreitag.

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Auch gestern – 63 Jahre nach der Befreiung Deutschlands vom Faschismus gedachte man wieder jener geschundenen und ermordeten Menschen am ihnen, 1958 zum Gedenken errichteten, Mahnmal in der Dortmunder Bittermark. Trotz widriger Wetterverhältnisse – es war schneidend kalt und Schneegriesel ging immer wieder nieder – waren auch am Karfreitag 2008 wieder viele Menschen in die Bittermark gekommen.

Oberbürgermeister Dr. Langemeyer: Toleranz und Respekt sind Grundlage demokratischer Gesellschaften

Der Dortmunder Oberbürgermeister Dr. Gerhard Langemeyer (SPD) betonte in seiner Ansprache, wie wichtig es auch künftig sei, dieses schreckliche Ereignis nicht aus den Augen und den Sinn zu verlieren. Er machte darauf aufmerksam, dass auch heute wieder Rassenhetze und Faschismus-Verherrlichung in unserem Land um sich greifen. Schlimm und gefährlich daran sei, dass das unterdessen auf viel subtilere Weise geschähe, als es vor Jahren noch der Fall gewesen war. Langemeyer konnte allerdings darauf verweisen, dass seine Stadt mit gutem Beispiel vorangeht, wenn es darum geht, Gesicht gegen Faschismus, Gewalt, Fremdenhaß und Intoleranz. zu zeigen. Nicht zufällig, strich der Oberbürgermeister besonders heraus, stünde das Dortmunder Rathaus an einem Platz, welcher Friedensplatz heiße und auf dem eine mehrsprachig beschriftete Friedenssäule ihren Standort habe. Außerordentlich stolz ist Dr. Langemeyer auf diejenigen Dortmunder Kinder und Jugendliche, welche sich gegen Neofaschismus und Rassenhass engagieren. Dies habe sich erst letztens wieder deutlich gezeigt, als der “Zug der Erinnerung” in Dortmund Station gemacht habe. Da hätten sich die Schülerinnen und Schüler explizit auch mit den konkreten Schicksalen von 100 Dortmunder Kindern befaßt, welche die Nazis damals per Eisenbahn in den Tod geschickt hätten. Gerade solche konkreten Erlebnisse seien heute – eingedenk des Immer-weniger-Werdens von Zeitzeugen – viel wichtiger, als abstraktes Geschichtswissen. Und der OB dankte gestern in der Bittermark auch den Schülerinnen und Schülern noch einmal ausdrücklich, welche erst kürzlich eine Nazi-Provokation an ihrer Schule in Dortmund-Hombruch erfolgreich vereitelten. Dr. Langemeyer beschwor: Toleranz und Respekt seien die Grundlage demokratischer Gesellschaften. Fremde müssten Freunde sein.

Gisa Marschefski verlor bei den Dortmunder Massakern ihren Vater – sie fordert das Verbot der NPD

Gisa Marschefski haben die Gestapo- und SS-Schergen vor 63 Jahren den Vater ermordet. Die Exhumierung der Leichen zeigte, wie bestialisch die Menschen damals gequält worden waren, bevor sie mit Genickschüssen zu Tode gebracht wurden. In ihrer bewegenden Rede in der Bittermark mahnte Gisa Marschefski die heute Lebenden eindringlich, endlich etwas gegen die neuen Nazis zu unternehmen. Ihre Trauer um den ermordeten Vater wandele sich heute in Sorge um. Empört müsse sie feststellen, dass sich gegenwärtig leider wieder Menschen in Deutschland vermehrt am geistigen Erbe der Nationalsozialisten orientierten. Gräber von Nazi-Opfern würden geschändet und Nazischmierereien tauchten immer öfters auf. Gisa Marschefski, die Generalsekretärin des Internationalen Romberg-Komitees, forderte die staatlichen Stellen unter dem starken Beifall der Anwesenden zu einem unbedingten Verbot der NPD und aller ihrer Unterorgansiationen auf.

CDS2.jpg Zum Schluß der Gedenkveranstaltung sprach noch einmal Jean-Louis Forest, der Ehrenpräsident des Verbandes der französischen Zwangs- und Arbeitsdeportierten. Jean-Louis Forest kommt seit 1958 regelmäßig am Karfreitag nach Dortmund, um der Ermordeten zu gedenken. Damals waren ca. 30 000 Menschen erschienen, erinnerte sich Forest, als sei es gestern gewesen. Viele seiner einstigen Kameraden sind krank oder inzwischen verstorben. Jean-Louis Forest wird altersbedingt künftig jeden Karfreitag von zuhause aus mit seinen Gedanken und im Herzen beim Gedenken in der Dortmunder Bittermark sein. Forest gab den Versammelten- besonders den Jungen unter ihnen – zu bedenken und mit auf den Weg: Mit Hitler ist der Faschismus nicht gestorben! Man müsse stets wachsam bleiben. Mit fester Stimme rief Jean-Louis Forest den Gedenkenden in der der vor Kälte starrenden Bittermark unter dem grauen, wolkenverhangenen traurigen Himmel zu: “Bald wird es wieder dunkel sein über dieser Lichtung. Und die Seelen der Toten werden ihre Heimat suchen. Niemals mehr Krieg. Niemals vergessen. Freundschaft!”

Es waren eingehende Worte, die in den Menschen noch lange nachgeklungen haben dürften, als sie aus der an diesem Karfreitag äußerst unwirtlichen Dortmunder Bittermark wieder nach Hause in ihre warmen Stuben zurückstrebten. Manche von ihnen hatten sich einen Ostermarsch-Sticker (der Ostermarsch Ruhr endet am Ostermontag in Dortmund) an ihre Kleidung geheftet. Sie erinnerten auf bedrückende diese Weise daran, dass auch heute noch Kriege geführt werden. Dass man auch gegen sie kämpfen muss. Und zwar vehement. Leider ist auch 2008 der Friede auf dieser Welt entfernter denn je. Diese Erkenntnis machte den Dortmunder Karfreitag noch trauriger, als er ohnedies schon war…

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Photos(2): Stille; oben: OB Dr. G. Langemeyer,unten: Trotz schlechten Wetters waren viele Menschen gekommen; im grünen Lodenmantel Jean-Louis Forest (Mitte)

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