… dann beginnt in Jerusalem, Tel Aviv, Berlin und New York das große “Saufen”. Denn wie in jedem Jahr wird am 14./15. des Monats Adar (März/ April) traditionell der jüdische Karneval, das Fest Purim, gefeiert.
Das jüdische Fest Purim ist eines der jüdischen Feste, welches einen direkten Bezug zur Hebräischen Bibel hat, nämlich zum Buch Esther, welches als Symbol für die Errettung des jüdischen Volkes vor der geplanten Vernichtung durch den höchsten Regierungsbeamten des persischen Königs Haman, dasteht.
Biblischer Bezug
Im Buch Ester wird die Geschichte des jüdischen Volkes während seines Exils in Persien beschrieben. Die schöne Jüdin Esther spielt dabei eine der Schlüsselrollen des Buches. Sie wird vom persischen König Achaschwerosch (hebräisch: Xerxes I.) ausgesucht seine Frau zu werden und wird somit Teil der königlichen Gesellschaft. Haman, der Gegenpart, ist der höchste Regierungsbeamte des Königs. Er wird als selbstsüchtig charakterisiert und als Beamter, der sein Amt ausnutzt. So muss die königliche Dienerschaft sich zum Beispiel vor ihm niederknien. Esters Cousin und Adoptivvater Mordechai weigerte sich als Jude jedoch dieser Aufforderung Hamans, da für ihn niemand weiterer als Gott anzubeten sei. Er allein steht über allen Dingen der Welt. Aus Rache für die verweigerte Ehrerbietung des Juden Mordechai beschließt Haman die Vernichtung sämtlicher Juden.
Der genaue Zeitpunkt, der 14. Adar, wurde durch das Los bestimmt – daher auch der Name Purim (= Lose). Ester, der Königin, gelingt es aber durch einen Trick den König zu überzeugen die Juden zu verschonen. König Achaschwerosch hatte Nachsehen mit den Juden und ließ Haman zusammen mit rund 75.000 weiteren Judengegnern hinrichten, so wie es eigentlich für die Juden vorgesehen war.
Bräuche
Die mit Purim verbundenen Bräuche basieren auf folgender Passage aus dem Buch Ester:
“Mordechai schrieb alles auf, was geschehen war. Er schickte Schreiben an alle Juden in allen Provinzen des Königs Artaxerxes nah und fern und machte ihnen zur Pflicht, den vierzehnten und den fünfzehnten Tag des Monats Adar in jedem Jahr als Festtag zu begehen. Das sind die Tage, an denen die Juden wieder Ruhe hatten vor ihren Feinden; es ist der Monat, in dem sich ihr Kummer in Freude verwandelte und ihre Trauer in Glück. Sie sollten sie als Festtage mit Essen und Trinken begehen und sich gegenseitig beschenken, und auch den Armen sollten sie Geschenke geben.”
– Ester, 9:20-22
Im Mittelpunkt des Festes stehen vor allem das Verkleiden und das Veranstalten von Umzügen. Auch Süßes kommt nicht zu kurz. So werden vor allem Festspeisen aus Mohn, Nüssen und Schokolade, sowie die typischen “Hamantaschen” oder “Nun” verspeist. Des Weiteren besteht die Pflicht sich mit Alkohol zu betrinken – ein übrigens einmaliger Brauch im Judentum, denn außerhalb Purims soll man mit dem Genuss von Alkohol eher sparsam umgehen.
Purim: Eine Lehre bis heute
Der Festtag selbst beginnt aber schon einen Tag vorher, am so genannten Erev Hag, dem Vorabend des Festes, mit dem Besuch der Synagoge. Dort wird traditionell aus der Esther-Rolle gelesen. Bei der Namensnennung “Hamans” erzeugen die Kinder mit ihren Rasseln und Tuten so viel Krach wie möglich. Dieses Gebot beruht auf dem Befehl Gottes den Namen Amaleks, Hamans Vorfahren, zu löschen, nachdem Amalek Israel auf dem Weg zum versprochenen Land behindert hat.
Amalek gilt bis heute als Symbol der Judenfeindschaft für alle Zeiten. In diesem Sinne gilt es vor allem auch heutzutage mehr als 60 Jahre nach einer erneuten geplanten Ausrottung des jüdischen Volkes, neuaufkommenden Antisemitismus zu bekämpfen und nicht wieder aufflammen zu lassen. Diese Pflicht sollte auch für Nichtjuden eine Selbstverständlichkeit sein.
Mehr Informationen:
- Zahlreiche Artikel und Präsentationen zu Purim
- Artikel von talmud.de über Purim
- Purim Mizwot & Bräuche, Hintergründe
- What changed? – Eine interessante Diskussion über das Recht des jüdischen Volkes auf Selbstverteidigung
Photo Quelle/Copyright: Ran Z, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr
wunderbarer artikel, kann es sein, dass deshalb bis heute die katholische kirche jesus nicht begriffen hat