Also sprach Franz Müntefering vor einiger Zeit, es sei schlicht unfair, Parteien an ihren Wahlversprechen zu messen. Denn offenbar kommt es in Koalitionen immer anders als man vor dem Urnengang gedacht hat – also werden Vorhaben einfach beerdigt.
Also sprach Andrea Ypsilanti vor nicht ganz so langer Zeit, mit den Linken mache ich keine gemeinsame politische Sache - komme als Wahlergebnis, was da wolle. Dann aber hat sie doch gewollt – schließlich schloss sie dieses politische Fenster wieder – und ist weg vom selben.
Also spricht jetzt Jürgen Trittin – und hat etwas dazu gelernt: In den Bundestagswahlkampf ziehen wir ohne Koalitionsaussage. Den Wählerinnen und Wählern will der designierte Spitzenkandidat der Grünen laut “Berliner Zeitung” von heute lediglich sagen, “für was wir stehen”. Sei die Wahl erst gelaufen, werde er mit allen sprechen und “austesten, mit wem wir was tatsächlich machen können.”
Das sei mit der SPD auf Bundesebene zwar noch immer mehr als mit der CDU, hofft der ehemalige Bundesumweltminister wohl immer noch, dass die Sozialdemokraten endlich wieder Tritt fassen – und dann auch mit Trittin an der Macht bleiben können.
Den Strategiewechsel hat er jedoch bereits vollzogen, jetzt kommt es nur noch auf die Taktik an, die sich als erfolgreich erweisen könnte, wenn es in Hamburg schwarz-grün klappt. Dort wird die CDU mit jedem Koalitionsgespräch umweltfreundlicher, Bürgermeister bleiben kann Ole von Beust auch ohne das geplante Kohlekraftwerk und für die Elbvertiefung hat er bereits einen Köder gefunden: den JadeWeserPort in Wilhelmshaven, den die Grünen in Niedersachsen wollen.
Wenn das in Hamburg geht, sagt Jürgen Trittin schon, müsste seine Partei bescheuert sein, wenn sie es nicht täte und mit Misserfolgen kann der designierte Spitzenkandidat durchaus leben. Zu Ministerzeiten versprach er ein Konzept für die Nordseehäfen Hamburg, Bremen, Wilhelmshaven und Emden. Das war 2004 bei einer Pressekonferenz in Wilhelmshaven.
Aus diesem Konzept ist zwar nichts geworden – aber auch bei solchen Vorhaben ist es wie mit den Wahlversprechen von Franz Müntefering: Sie sind nichts wert.
Ergo: Vielleicht ist die Partei am besten beraten, die auf alles verzichtet – auf Wahlversprechen ebenso wie auf Koalitionsaussagen…
Photo Quelle/Copyright: via wikipedia.org, GNU-Lizenz
Kommentare
Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.