2007 gab es nach Angaben von Focus International e.V. in deutschen Haushalten zu Ostern noch 29.608 Tonnen Schokohasen und – eier, 450 Tonnen mehr als im Jahr zuvor. In 2008 wurde noch mehr Süßes konsumiert. “Doch der deutschen Kinder Freud ist in diesem Fall anderer Kinder Leid. Denn für den Kakao, aus dem unsere Schokolade hergestellt wird, arbeiten mehr als eine Million Kinder in Westafrika Tag und Nacht.”
Demnach beziehe Deutschland 91 Prozent seines Kakaobedarfs aus Westafrika, allein 52,3 Prozent aus der Elfenbeinküste. Das seien im Jahr knapp 150.000 Tonnen. Dabei halte das Land nicht nur einen Weltmarktanteil von 40 Prozent, sondern sei auch das krasseste Beispiel für Kinderarbeit: 600.000 Minderjährige schuften auf den Plantagen, mindestens 12.000 davon sind Sklaven aus den Nachbarstaaten Mali, Togo und Burkina Faso.
Im Jahr 1999 unterzeichneten 174 Mitglieder der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) die Konvention über das Verbot von Kinderarbeit und beschlossen unverzügliche Maßnahmen zur Beseitigung der schlimmsten Formen.
Das Harkin-Engel Protokoll droht zu scheitern
Endlich, seit 2001 gab es eine freiwillige Selbstverpflichtung der Schokoladenindustrie, um das Problem in den Griff zu bekommen. Doch was hat sie bewirkt? So gut wie nichts, wie die Berichte von Journalisten und Hilfsorganisationen belegen. Nach bald sieben Jahren droht das so genannte Harkin-Engel Protokoll zu scheitern. “Dies wäre ein weiterer Beleg dafür, dass Probleme wie das der Kinderarbeit nicht mit Freiwilligkeit, sondern nur mit Zwang, mit staatlicher Regulierung, und öffentlichem Druck zu lösen sind. Die Industrie ist am Zug, am 1. Juli läuft die letzte Frist aus. Bis dahin ist der Verbraucher gefordert, der den Herstellern die rote Karte zeigen sollte.” Nur Schokolade mit dem “Fair Trade” Label garantiert, dass keine Kinderarbeit bei der Verarbeitung mit im Spiel war.
Der Süßwarenriese Mars hat 2007 einen Rekordgewinn von zehn Milliarden Dollar erzielt. Dagegen fördert die Schokoladenindustrie die International Cocoa Initiative, die das Protokoll umsetzen hilft, mit nur zwei Millionen Dollar im Jahr. Ein Tropfen auf dem heißen Stein. Es reicht nicht einmal für eine Zertifizierung, die garantiert, dass Kakao ohne Kinderarbeit produziert wird. Das Ergebnis von Harkin-Engel wird eine Studie über die Probleme sein, die alle schon kennen.
Eine neue große Kampagne steht den Schokoladenherstellern weltweit nun ins Haus. Eingeläutet wurde sie bereits in Deutschland durch die Organisation “Focus International” (www.focusinternational.de) die ein konkretes Aktionsprogramm beschlossen hat, um der Industrie Dampf zu machen.
200.000 Kinder arbeiten als Sklaven allein auf den Plantagen der Elfenbeinküste.
In Abidjan, der Hauptstadt, gibt es seit 2007 eine Polizei-Einheit zur Bekämpfung von Kinderhandel. Sie ist völlig unterbesetzt und verfügt nicht einmal über einen Dienstwagen. Trotzdem konnte sie vergangenes Jahr 203 Kinder aus Mali und Burkina Faso befreien. Außerdem hat die Einheit fünf Kinderschlepper gefasst.
Die Kakaoindustrie steht in der Pflicht, so viel Geld bereit zu stellen, dass in Westafrika alle Kinder, die auf Kakaoplantagen arbeiten auch zur Schule gehen können. Außerdem müssen Mittel für wirksame Kontrollen gegen Kindersklaverei aus den Nachbarländern her.
Die Industrie muss ihre Zuliefererkette bereinigen. Wie der Sportausrüster Nike, der Waren von 25 indonesischen Herstellern abnimmt. 2001 wurde bekannt, wie schrecklich die Arbeiter dort ausgebeutet wurden. Es gab eine öffentliche Kampagne. Nike hat daraufhin dafür gesorgt, dass sich die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten verbessern und sie höhere Löhne bekommen.
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www.helmutschrader.de
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