Nun scheint klar, dass der Transrapid zumindest in Deutschland nicht mehr gebaut wird. Wie kam das so plötzlich? Hatte die Politik der Industrie in Bayern eine Falle gestellt? Der Transrapid bezog seit vielen Jahren Millionensummen an Subventionen (vgl. Spiegel Online: Transrapid kostet Steuerzahler mehr als halbe Milliarde Euro) ohne dass entsprechend auch wieder Geld herein kam. Wie konnte dieses Projekt so lange mitgetragen werden?
Die Apologeten der neuen Marktwirtschaft wenden sich doch an sich gegen Bürokratie und Subventionen? Wohl weil in diesem Fall die deutsche Industrie massiv von den Subventionen profitierte. Jede normale Firma wäre mit einem solchen Ladenhüter längst baden gegangen.
Immer wieder wurde behauptet der Transrapid wäre eine so genannte “Zukunftstechnologie”.
Aber das Patent stammt aus dem Jahre 1934 (vgl. DLF Kalenderblatt: Hermann Kemper meldet ein Patent für die Magnetschwebebahn an ). Ähnlich wie bei der Atomtechnik besteht hier ein Dilemma zwischen vielversprechenden Fähigkeiten auf dem Papier und den Problemen in der Praxis. Im Gegensatz zu vielen anderen deutschen Industrieprodukten war der Transrapid eben niemals für einen Markt und eine Nachfrage geschaffen worden. Wäre es so, würde er der deutschen Industrie weltweit ja aus den Händen gerissen.
Kritisiert wurde, dass es in Deutschland nie zu einer echten Vorführstrecke kam. Aber hier hat der Transrapid mit den selben Problem zu kämpfen wie jedes Großprojekt, das einen massiven Eingriff in die Landschaft darstellt. Von der Politik wurde von Seiten der Transrapid-Befürworter also nicht nur erwartet, dass sie das weltweite Marketing übernehmen und die Forschung finanzieren, sondern auch, dass sie zugunsten des Transrapids alle Vorschriften vergessen, die ansonsten jedes Unternehmen befolgen soll. Nur damit es eine attraktive Beispielstrecke gegeben hätte.
Trotz aller Bereitschaft vieler Politikerinnen sich auf das Spiel teilweise einzulassen kam es aus finanziellen Gründen und aufgrund der Bürgerproteste nie zu einer Strecke in Deutschland zusätzlich zur Teststrecke im Emsland. 2004 wurde in Schanghai die erste Strecke für den Regelbetrieb eingeweiht. Der Auftrag hierzu wurde allerdings teuer erkauft mit Know-How-Transfer und Vergünstigungen. Denn China wusste, dass der Transrapid einen ersten Verkaufserfolg brauchte, um seine Subventionierung und politische Unterstützung weiter zu rechtfertigen.
Nun spielt ThyssenKrupp laut Financial Times Deutschland mit dem Gedanken die Patente nach China zu verkaufen.
Vermutlich hat die deutsche Politik es versäumt hier einen Riegel vorzuschieben. So subventionierte der deutsche Steuerzahler das teure Spielzeug zwar mit über einer halben Milliarde Euro, hat aber am Ende nichts davon. ThyssenKrupp und anderen können die Patente verkaufen und die Chinesen bekommen eine fertige Technik ohne die entsprechende Forschung finanziert haben zu müssen.
Was ist das? ‘Industriepolitik by accident’? Da wäre es für den Steuerzahler sicher billiger gewesen, sie hätten den Chinesen ihre Wissenschaftler und eine Teststrecke finanziert?
Der Transrapid wurde verwaltet wie im staatlichen Sozialismus üblich, nur dass der Staat alle Verluste trug und die Unternehmen alle Gewinne. Weder Stoiber noch ein sonstiger Politiker konnte sich ein Denkmal damit setzen. Dafür stecken rund acht Euro von jedem Bundesbürger in diesem Technologiegrab. Verantwortlich sein will für das Disaster aber nun niemand, sondern die Schuld wird von einem zum anderen verschoben.
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ursprünglich sollte der zug trancerapid heißen