Proteste ohne Bono

Tapfere deutsche Bürgermeister gehen in die Offensive gegen die chinesischen Bemühungen, das Großtibet des Dalai Lama nicht wieder in seine vor 800 Jahren verlorene Unabhängigkeit zu entlassen. Aus Solidarität mit den Menschen in Tibet und ihren gewalttätigen Übergriffen auf die Geschäfte zugereister Han-Chinesen, die das feudal geprägte Gottesreich nicht als

madrid.JPGTapfere deutsche Bürgermeister gehen in die Offensive gegen die chinesischen Bemühungen, das Großtibet des Dalai Lama nicht wieder in seine vor 800 Jahren verlorene Unabhängigkeit zu entlassen. Aus Solidarität mit den Menschen in Tibet und ihren gewalttätigen Übergriffen auf die Geschäfte zugereister Han-Chinesen, die das feudal geprägte Gottesreich nicht als Nachbarn haben mag, haben zahlreiche deutsche Rathäuser die Tibet-Flagge gehisst. In mehr als 20 Städten fanden nach Zählungen der “Netzeitung” Mahnwachen und Demonstrationen statt.

In Hannover protestierten zum Beispiel gleich “Dutzende Menschen” anlässlich der Ankunft des Olympischen Feuers in Peking gegen das Engagement des VW-Konzerns bei den Spielen. Damit dürfte ihnen das Kunststück gelungen sein, als kleinste jemals demonstrierende Menschengruppe nach John und Yoko ihre eigene Zeitungsschlagzeile gewidmet zu bekommen. Große Freude bei der “Tibet Initiative Deutschland”, die zu den Aktionen und Mahnwachen aufgerufen hatte, um dabei zu helfen, das auf Leibeigenschaft gegründete traditionelle Glaubensregime des Dalai Lama wiederherzustellen.

Unter der 300 Demonstranten, die “in großer Sorge” (NZ) in Berlin auf die Straße gingen, war auch der Schauspieler Ralf Bauer. “Bei uns im Westen gibt es oft nur viele Worte – doch auch die Taten zählen”, sagte er, anscheinend ohne weiter zu erläutern, ob er damit die Brandanschläge auf chinesische Geschäfte in Llahsa oder den Versuch der chinesischen Sicherheitskräfte meint, die gewalttätigen Übergriffe zu beenden.

Blick in die Sahara

Im Donnergrollen um Tibet, dessen Bevölkerung sich unter der Herrschaft des letzten Dalai Lama noch einer Lebenserwartung von 33 Jahren erfreuen durfte, während es unter der chinesischen Knute inzwischen eine von 67 Jahren ertragen muss, bleibt es ganz still um den Konflikt in der West-Sahara: Wie die Tibeter glauben die Bewohner der unwirtlichen Wüstenei, sie seien ein eigener Staat. Und wie die Chinesen Tibet betrachtet Marokko das Gebiet dennoch als Teil seines Territoriums.

Die Frente Polisario kämpft deshalb seit 35 Jahren wie der Dalai Lama für eine unabhängige Demokratische Arabische Republik Sahara, die Vereinten Nationen verlangten sogar mal die Durchführung eines Referendums über den endgültigen völkerrechtlichen Status des Gebietes.

Marokko, demnächst gemeinsam mit Deutschland und der Rest-EU Mitglied der neugegründeten “Mittelmeer-Allianz”, bietet trotzdem nur eine Autonomie des Gebietes unter marokkanischer Souveränität an. Interessiert aber keinen, weil Richard Gere und U2-Bono nicht in der Nähe sind und kein Boing-jettender Dalai Lama milde lächelnd Audienzen gibt und Glückskekssprüche kostenlos verabreicht. Menschenrechte? Meinungsfreiheit? Souveränität? Nur, wenn gerade Olympiade ist.

Quelle: politplatschquatsch.com

Photo Quelle/Copyright: via wikipedia.org, cc creative commons

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