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re:publica 08 - Geld verdienen mit Blogs - reloaded

- Die Referenten (v.o.l. - n.u.r ): S. Lobo, R. Uherek, T. Knüwer, R. Basic, D. Dahlmann
Um die existenzielle Frage „Geld verdienen mit Blogs – reloaded“ erneut zu besprechen, hatte am heutigen zweiten Tag der re:publica ein Plenum in den großen Saal geladen. Eine heiße Diskussion, ja sogar ein handfester Streit zwischen Robert Basic und Sascha Lobo, zwei der fünf Teilnehmer der Runde, folgte. Doch außerhalb dessen waren brauchbare Tipps für Verdienstwillige rar gesät und die Veranstaltung deshalb vielleicht für viele Zuhörer enttäuschend. Doch: Geld verdienen ist eben auch im Blogmetier ein harter Kampf! Das mussten auch die Diskussionsteilnehmer Don Dahlmann, Robert Basic, Remo Uherek und Sascha Lobo sowie Moderator Thomas Knüwer feststellen.
Gewohnt lässig präsentierte sich zunächst noch Robert Basic, Alphablogger und Nr. 1 der deutschen Blogcharts. Aus seinem Verdienst macht er schon länger kein Geheimnis mehr: Drei bis dreieinhalbtausend Euro erhält er monatlich von verschiedenen Werbepartnern wie Microsoft oder Sevenload. Wann denn der Punkt bzw. die Reichweite sei, an dem sich mit seinem Blog auch Geld verdienen ließe, will Thomas Knüwer sogleich wissen. Basic muss jedoch enttäuschen: Den gäbe es gar nicht, denn schon mit verhältnismäßig geringen Besucherzahlen ließe sich Geld verdienen, wenn man nur eine bestimmte Zielgruppe erschließe und sich darauf spezialisiere.
Den Arsch hochkriegen!
Ob nun ein Blog über Gartenarbeit oder Heckenscheren – entscheidend sei einzig und allein, dass man wisse, wie man sein Blog dem Werbekunden gegenüber verkaufen muss. Egal wie gering die Reichweite noch sei, die Stärken des eigenen Blogs gälte es herauszuheben. Und wenn nur 100 Leute am Tag den Blog lesen würden, müsse man es eben so verkaufen, dass dies die 100 Entscheidungsträger seien, die in der Branche etwas zu sagen hätten. Doch erst einmal, und das sei halt die Grundvoraussetzung, an denen es vielen mangele, müsse man den „Arsch aber überhaupt hochkriegen“ und auf potentielle Kunden zugehen. Auch wenn das nerve und oft schief gehe am Anfang. Eigentlich sei dies „einfach, aber eben zu mühselig für die meisten“.
Sascha Lobo hatte sein zusammen mit den Spreeblick-Machern gegründetes Projekt adical (Eigener Slogan: „eine Plattform für Werbung, auf Blogs, organisiert von Bloggern“) gegen Stimmen aus dem Publikum sowie gegen Robert Basic zu verteidigen. Der Start des Projekts war ihm eine Herzensangelegenheit, das wurde aus seinen Worten deutlich, weil es so etwas einfach „geben müsse, denn bestimmte Blogs sollten sich refinanzieren können“. Lobo und Spreeblick wollten die ersten sein, die dafür sorgen, dass Blogger bezahlt werden. Prompt folgte harsche Kritik aus dem Publikum: Der Vertrauensvorschuss seitens fast der gesamten Blogger-Gemeinde sei riesengroß gewesen, nur die schlechte Umsetzung der erhabenen Idee und vor allem ein mehrmonatiges Kommunikationsdefizit im letzten Jahr hätten diesen verspielt. Man hätte lieber die Finger davon lassen sollen, als eine gute Idee schlecht umzusetzen. Denn dies mache den Markt für nachfolgende ähnliche Bestrebungen von Unternehmen, Blogs finanziell zu unterstützen, kaputt. Diesem Argument „Mach es richtig oder gar nicht!“ jedoch begegnete Lobo allerdings nur mit einem müden Lächeln. Das sei doch die alte Argumentationsstrategie von 1978. Jedoch räumte er Fehler in der Kommunikationsstrategie ein, doch man hätte sich „einfach nicht mehr beschimpfen lassen wollen, da die Stimmung zu aufgeheizt gewesen sei“. Insgesamt ließ er sich das Projekt nicht kaputt reden. Mit knapp über 30 Blogs sei adical immerhin ein „gebündelter Ansprechpartner für Medienagenturen“ und der verhältnismäßig gute Netto-Umsatz von einer Viertelmillion Euro 2007 sei doch nicht zuletzt den beteiligten Bloggern zugute gekommen. Das System adical funktioniert nach TKP-Prinzip, 10-99 Euro werden für 1000 Seitenaufrufe gezahlt. Dass es jedoch noch viel Feinjustierung, Präzisierung und Professionalisierungsstrategien bedürfe, seien eben Erfahrungswerte, die es zu verbessern gelte. Die Schwierigkeit sei eben zunehmend auch, dass Blogs nicht mehr „den Bonus des Neuen“ hätten, sondern jetzt genauer betrachtet würden, man müsse zunehmend mehr auf eine Zielgruppe abgestimmt sein.
Giftiges Blut
Dann aber wurde es giftig, als Robert Basic in die Diskussion eingriff und Lobo vorwarf: “Menschlich seid Ihr cool, aber als Unternehmen seid Ihr scheiße.”. Woraufhin dieser nicht minder hart verbal zurückschlug, dass ja hinlänglich bekannt sei, dass sich beide gegenseitig nicht leiden könnten, „in gegenseitiger Abneigung verbunden seien“ und er Basics Texte „auch schon immer Scheiße finde.“
Rem Uherek von Trigami, das Blogger als Freelancer für bestimmte spezielle Aufträge von Unternehmen bezahlt, ging in diesem Tumult fast unter. Doch auch er musste sich unbequeme Fragen gefallen lassen. Der Punkt der Käuflichkeit stand hier von Beginn an im Raum. Allerdings versuchte Uherek den Marktplatzcharakter des Unternehmens, welches auf Anfragen von Unternehmen Ausschreibungen veranstaltet, auch gar nicht erst schön zu reden und argumentierte, dass Blogger eine Leistung wie jeder andere Arbeiter auch erbrächten und dafür auch ein Recht auf Feedback in Form eines Honorars hätten. Auch wenn aufgrund der noch in Mehrzahl relativ geringen Reichweite der teilnehmenden Blogs das Honorar auf maximal 150 Euro begrenzt sei. An diesem Gedanken könne er nichts Schlechtes erkennen. Dass es auch Ärger mit einigen Kunden gegeben hätte, etwa in Bezug auf übermäßiges Spaming derselben wiegelte er mit den Worten ab, dass Trigami sich natürlich die Kunden ganz genau anschaue, aber eben ein Unternehmen sei und damit auch Geld verdienen möchte und Kunden nicht wegen jeder Kleinigkeit ablehnen könne“. Insgesamt aber blieb ein fader Beigeschmack zurück.
An die Mechanismen der Werbebranche anpassen
Eine Stimme aus dem Publikum, Peter Hogenkamp aus Zürich von blogwerk.com, brachte es am Ende am besten auf den Punkt: Kommerzielle Vermarktungsmechanismen auf TKP-Basis seien eben sehr schwierig. Und sowohl mit Affiliate-Marketing als auch mit Google-Ads sei eben kein großes Geld zu verdienen, das funktioniere einfach (noch) nicht. Selbst Robert Basic, der in Deutschland die deutschen Blogcharts anführt, sei doch noch ganz am Anfang, was die Reichweite seines Blogs angeht. Die Blogger müssten also wohl oder übel erst lernen, sich an die Mechanismen der Werbebranche anzupassen. Einen Wink nach Deutschland aus der neutralen Schweiz konnte er nicht unterlassen und spielte auf die Hasswellen an, die durch die deutsche Bloggerszene gehen: „Deutschland ist das Land der hemmungslosen Nörgler.“
Sascha Lobo sprach noch einmal von einem „harten Kampf“ und das Schlusswort hatte Don Dahlmann, gefordert seien Spezialisierung und Eigeninitiative. Man könne eben nicht warten, dass einem ein Vermarkter das Geldverdienen abnimmt: „Das wird nie passieren, auch nicht in 10 Jahren!“










