re:publica 08 – Meine Community, mein Verein – Fan 2.0

“Own the club and pick the team” (“Besitze den Klub und bestimme die Mannschaft”), heißt der Werbeslogan der englischen Website myfootballclub.co.uk. Eine Initiative von findigen Machern startete im Juli 2007 die Site, mit dem Ziel, genügend Mitglieder zu finden, die dann gemeinsam einen eigenen Fußballverein kaufen. Dass dies ausgerechnet in

Gebhard“Own the club and pick the team” (“Besitze den Klub und bestimme die Mannschaft”), heißt der Werbeslogan der englischen Website myfootballclub.co.uk. Eine Initiative von findigen Machern startete im Juli 2007 die Site, mit dem Ziel, genügend Mitglieder zu finden, die dann gemeinsam einen eigenen Fußballverein kaufen. Dass dies ausgerechnet in England passierte, ist kein Wunder, schließlich heißt es seit geraumer Zeit, wenn es um Besitzverhältnisse von Fußballvereinen geht: “Von England lernen, heißt die Zukunft kennen.” Selbiges soll nun auch in Deutschland geschehen.

“Unser Verein soll es sein!”

Andreas Gebhard selbst, Geschäftsführer der newthinking communications GmbH, die gemeinsam mit Spreeblick in der Organisation der re:publica federführend ist, stellt das Projekt vor. Rechtzeitig zur heutigen Vorstellung ist die Betaversion der Website fertig geworden, ansehbar unter unser-fussball-club.de. Der Domainname drückt schon das wichtigste Ziel der Angelegenheit aus: Unser Verein soll es sein. Es geht um Entscheidungen, in erster Linie sportliche, aber auch wirtschaftliche, die vom Fan getroffen werden, und nicht darum in ein Projekt zu investieren, in der Hoffnung irgendwann eine Gewinnausschüttung erwarten zu können. Die nämlich wird es so oder so nicht geben, Gewinne werden reinvestiert.

“Wir wollen, dass es nicht dabei bleibt, dass die Fans mitfiebern, sondern dass sie in Zukunft mitbestimmen”, so Gebhard. Der Fan 2.0, wie die Veranstaltung auch treffend heißt, soll also über Transfers, Aufstellungen, Sponsoren und ähnliche alltägliche und saisonale Entscheidungen abstimmen. Pro Mitglied der Community gibt es eine Stimme, die Mehrheit entscheidet. Die erste Entscheidung, die die Community aber zu fällen hat, ist die Auswahl des Vereins.

In England fiel die Wahl auf den fünftklassigen Verein Ebbsfleet United, im Süden Londons beheimatet. Elf weitere Vereine hatten sich beworben, um von den 30.000 Mitgliedern von myfootballclub.co.uk übernommen zu werden. Umgerechnet 50EURo zahlte jeder dieser Communitymitglieder. Soviele werden auch in Deutschland nötig sein, rechnet Gebhard, und ist zuversichtig, diese auch zu finden.

Besser als eine Fußballsimulation

59EURo sollen die deutschen zukünftigen Clubbesitzer zahlen, 40 davon gehen in einen Fond, der von einem Treuhänder verwaltet werden soll, bis der Verein gefunden ist. Sollte dies wider Erwarten nicht gelingen, gibt es dieses Geld zurück. Die restlichen 19EURo sind für die Verwaltung und Organisation der Unternehmung gedacht. Einen kleinen witzigen Vergleich nennt Gebhard auch für jene, denen das zuviel erscheint: Die Fußballsimulation Fußball Manager 08 kostet den Spieler 54,99EURo, dafür aber kann er nur so tun als lenke er einen Verein.

Und nie waren die Zeiten besser als jetzt, sagt Gebhard: Die bevorstehendeEURo wird den Fußball wieder mal hypen, Medieninteresse ist garantiert. Vor allem ist die kommende Strukturreform rund um die dritte Liga ein Argument für den jetzigen Zeitpunkt. Aus zwei dritten Ligen wird am Ende dieser Saison eine neue Dritte Profiliga. Daraus resultiert, dass es eine Menge von Vereinen geben wird, die sich zur neuen Saison in der vierten Liga wiederfinden, aus vielen bisherigen Viertligisten werden Fünftligisten und so weiter und so fort. Und für viele Vereine wird dies bedeuten, dass sie in wirtschaftliche Bredouille gelangen. Und ohne sich an dem Leid anderer gütlich tun zu wollen, so Gebhard, wird dies schlicht und einfach bedeuten, dass so mancher Verein dankbar wäre über finanzielle Hilfe von außerhalb.

Die Weisheit der Massen ist mehr wert als die des Trainers

So manche Frage kommt im Publikum auf. Sichern die geplanten Strukturen ab, dass das Geld nicht irgendwo verschwindet und sich jemand daran bereichert? Ja, sagt Gebhard. Es gibt eine Gesellschaft, die den Entscheidungen der Community verpflichtet ist, das Geld ist bis zum Kauf des Vereines treuhänderisch verwaltet, sollte das ganze Projekt irgendwann scheitern oder ändern so wird das Geld gspendet. All dies ist vertraglich festgelegt.

Aber ist es wirklich immer schlau, den sportlichen Entscheidungen der Community zu vertrauen? Gebhard findet schon – er geht davon aus, dass der Weisheit der Massen mehr zu trauen ist als dem Einzelnen, dem Trainer zum Beispiel. Dazu mus die Community natürlich mit vielen Informationen versorgt werden und trotzdem, so räumt er ein, wird manche Entscheidung im Vorfeld gefällt werden. So wäre es vermutlich am vorstellbarsten, dass der Trainer eine überschaubare Anzahl an Taktiken vorschlägt und die Community aus diesen auswählt.

Nun also soll es losgehen. Unser-fussball-club.de ist zwar noch in der Betaphase, aber Mitglied werden kann man jetzt schon. Und wer weiß, vielleicht kann man sich ja eines Tages damit brüsten, einer der ersten neuen Besitzer des zukünftigen Deutschen Meisters gewesen zu sein.

Kommentare

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  1. Ich war auch bei dem Vortrag und er hat mir ganz und gar nicht gefallen. Erstens war er nicht als PR Veranstaltung gekennzeichnet und das Konzept finde ich höchst dubios. Im Endeffekt soll doch der kleine Mann auf der Straße die Zeche für einen maroden Fussball Club zahlen. Im Grunde eine Anschubfinazierung ohne jeglichen Gewinn nur mit dem Risiko einer Pleite behaftet. Aber es ist doch heutzutage sehr spaßig Gelder anderer zu verwalten und in den Sand zu setzen.