Vom Ursprung der Sprichwörter: Warum haben Gänse Füßchen?

Eine Redaktion irgendwo in Deutschland: Ein Fotograf kehrt von einem Termin zurück. “Schwerer Unfall auf der Autobahn”, sagt er zum Chef vom Dienst. “Das passt ja wie die Faust aufs Auge. Die Polizei hat heute die Verkehrsunfallstatistik veröffentlicht”, weiß der Chef der Lokalredaktion schon, wo er das Foto unterbringt. Doch

Nier.jpgEine Redaktion irgendwo in Deutschland: Ein Fotograf kehrt von einem Termin zurück. “Schwerer Unfall auf der Autobahn”, sagt er zum Chef vom Dienst. “Das passt ja wie die Faust aufs Auge. Die Polizei hat heute die Verkehrsunfallstatistik veröffentlicht”, weiß der Chef der Lokalredaktion schon, wo er das Foto unterbringt. Doch der Volontär ist wieder einmal vorlaut: “Das würde nur passen, wenn wir entweder das Foto nicht veröffentlichen oder die Verkehrsunfallstatistik.” Der Chef vom Dienst mag Rätsel raten nicht: “Wie meinst du das?” Der Volontär ist nicht nur vorlaut, er weiß auch Bescheid: “Die Faust passt nicht aufs Auge. Kaum ein Sprichwort wird so oft falsch angewendet wie dieses.” Recht hat er.

Doch nur wenige machen sich noch auf die Entdeckungsreise zum Ursprung unserer Wörter und Redensarten. Eva Goris aus Stuttgart und Claus-Peter Hutter aus Hamburg haben sie angetreten, ihr Reisebericht wird in Kürze bei Droemer Knaur als Buch erschienen. Der Titel “Warum haben Gänse Füßchen?”

Viele Sprichwörter vergessen

Von Hutter gibt es auch schon “Die Collection des verlorenen Wissens” – viele Sprichwörter gehören dazu – und Sprachforscher beklagen, dass jede Generation weniger Wörter kennt als die vorherige – bis eines Tages für eine Unterhaltung “voll krass”, “cool” und “echt irre” ausreichen und Sprache keinen Deut mehr wert ist?

Wie wichtig sie ist, wusste schon der Lehrer (gespielt von Robin Williams) in “Club der toten Dichter”: Mit Sprache umgarnt ein Mann die Frauen, sie ist also lebenswichtig. Sonst kauft man die Katze im Sack – und Flirten gehört nicht mehr zur Welt der Erotik.

Na ja, könnte man mit den Spontis der 60er und 70er Jahre abwinken und sagen “Wissen ist Macht, nichts wissen macht nichts” – trotzdem aber hat sich diese Generation nicht verballhornen lassen.

Buchdrucker als Sündenbock

Dieser Begriff geht übrigens auf Johann Ballhorn zurück, der im 16. Jahrhundert eine revidierte Ausgabe des Lübecker Stadtrechtes gedruckt hat, die angeblich besser war als die alte, in Wirklichkeit aber schlechter. Da niemand wusste, wer dafür verantwortlich zeichnete, wurde der Buchdrucker zum Prügelknaben.

Was aber ist ein Prügelknabe? Der lebte zu feudalen Zeiten bei Adligen und wurde bestraft, wenn eigentlich der Nachwuchs der Herrschaften hätte bestraft werden müssen. Er war also der Sündenbock – den Hohepriester laut Bibel mit den Verfehlungen des Volkes Israel in die Wüste geschickt haben.

Viele Sprichwörter sind biblischen Ursprungs, viele verdanken wir Jesus und seiner bildhaften Sprache – doch Eva Goris und Claus-Peter Hutter haben auf ihrer Sprachreise auch Halt gemacht in Küchen, in Arztpraxen, beim Militär, in der Tierwelt und auf Sportplätzen.

In Madrid fällt ein Tor um

Auf einem dieser Sportplätze ist am 1. April 1998 ein Tor umgefallen – 76 Minuten aus dem Bernabeu-Stadion zu Madrid mussten Marcel Reif und Günther Jauch deswegen überbrücken – das gefiel Reif gar nicht, bis sich Jauch einschaltete – das Ergebnis: eine legendäre Reportage, in der die Redewendung “Ein Tor würde dem Spiel gut tun” eine neue Bedeutung bekommen hat und mit der zwei Fernsehleute bewiesen, dass sie mit der deutschen Sprache spielen können, bevor das Spiel beginnt.

So, ich habe fertig, nur dies noch: “Warum haben Gänse Füßchen?” erscheint am 1. Mai 2008 als Knaur-Taschenbuch, hat 224 Seiten und kostet 7,95EURo.

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