Markus Beckedahl von newthinking communications, Mitorganisator der am Freitag beendeten Bloggerkonferenz re:publica 08 (mehr auf RE…), zieht im Interview Bilanz und freut sich auch über kritische Berichterstattung. Sein Credo: “Blogs sind ein Kulturwerkzeug”.
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RE: Nach drei Tagen Non-stop-Blogging und über-das-Bloggen-reden – bist Du erst einmal übersättigt oder hast Du neuen Schwung erhalten?
Beckedahl: Übersättigt von den Themen bin ich sicherlich nicht. Wir haben fast 1000 Menschen zusammen gebracht, die gemeinsam kommuniziert, diskutiert und gefeiert haben. Daher bin ich sehr zufrieden, dass sich der immense Aufwand während der Vorbereitung gelohnt hat. Und das motiviert weiter und gibt neuen Schwung.
RE: Wie fällt dein Fazit über die drei Tage re:publica aus, war die Konferenz ein Erfolg und habt Ihr als Veranstalter neue Erkenntnisse gewinnen können?
Beckedahl: Wir fanden die re:publica’08 wieder überraschend entspannt, was auch an allen Teilnehmern lag. Es war insgesamt ein tolles Publikum und viele tolle Redner, wo es Spass macht, im Hintergrund alles zu organisieren.
RE: Welche Veranstaltungen wurden besonders gut vom Publikum angenommen, welche wurden am heißesten diskutiert, wo liegen die Trends?
Beckedahl: Das Publikum der re:publica ist immer sehr heterogen, ebenso das Programm. Insofern wird fast jeder Teilnehmer seine eigenen Highlights mitgenommen haben. Ich fand die internationalen Vorträge toll. Hier hatten wir spannende Vortragende aus verschiedenen Ländern, die teilweise eben nicht so bekannt waren, aber was zu sagen hatten.
RE: Leider waren Vertreter etablierter Medien auf den Podien der Bloggerkonferenz rar gesät. Woran hat das gelegen?
Beckedahl: Es gab ja einige Blogger auf den Podien, die gleichzeitig Journalisten sind und für etablierte Medien arbeiten. Aber wir hätten gerne auf einem Panel auch mal Nicht-Blogger aus traditionellen Medien gehabt. Das hat leider nicht geklappt, weil die angefragten Personen entweder mit Terminproblemen abgesagt hatten oder gar nicht reagierten.
RE: Dennoch fand das Ereignis in etablierten Print- und Online-Medien mehr Resonanz als noch im letzten Jahr, wenn diese auch nicht mit Kritik sparten und der Bloggerszene beispielsweise noch mangelnde Selbstreflexion und Avantgardismus bescheinigten (FR). Ficht Euch das an?
Beckedahl: Die Kritik ist ähnlich verallgemeinernd, wie wenn manche immer über “die Medien” schreiben. Ich glaube, dass die Debatte mittlerweile weiter ist. Wir freuen uns aber trotzdem über die viele Berichterstattung, auch über die kritische. In Zeiten von massiver Medienkonzentration ist es für den demokratischen Diskurs nur sinnvoll, wenn die schrumpfende vierte Macht Unterstützung durch mehr Bürger und soziale Medien erhält.
RE: Noch immer kämpfen Blogs gegenüber herkömmlichen Medien um Anerkennung als ernstzunehmendes Medium und bis auf eine Handvoll Leute kann in Deutschland bislang kaum Jemand vom Bloggen leben. Glaubst Du, daran wird sich in Zukunft etwas ändern bzw. hast Du eine Vision, was Reichweite und Geltung von Blogs angeht?
Beckedahl: In Folge von mehr Medienkonzentration und Sparmassnahmen gibt es immer mehr Nischen, die von fleißigen Bloggern gefüllt werden. Sei es auf lokaler Ebene oder in bestimmten Themen. Blogs sind ein Kulturwerkzeug und Menschen nutzen es zur Kommunikation. Mittelfristig wird es sicherlich mehr geben, die davon leben können – wenn sie es überhaupt wollen.
RE: Wird es auch 2009 eine re:publika geben, habt Ihr schon Pläne?
Beckedahl: Klar wird es die wieder geben. Voraussichtlich Ende April 2009, vielleicht sogar wieder zehn Tage nach Ostern. Pläne haben wir auch und noch ein Jahr Zeit zur Realisierung.
Interview: Felix Kubach
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Markus Beckedahl ist Mitgründer der Agentur newthinking communications und Betreiber des vielfach ausgezeichneten Blogs netzpolitik.org.
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