Krieg im Iran? “Die jüngste Reise von Herrn Cheney stimmt mich sorgenvoll” – Interview

Der “Okaz-Bericht” nährte im März Gerüchte, die USA würden einen Militärangriff auf Nuklearanlagen im Südiran planen. Ein Artikel auf Readers Edition, der diesen Gerüchten nachgeht, sorgte für viel Diskussionsstoff. Grund genug, noch einmal nachzufragen. Im Experten-Interview äußert sich Dr. Johannes Reissner von der Stiftung Wissenschaft und Politik besorgt und wirft

fdgfd.jpgDer “Okaz-Bericht” nährte im März Gerüchte, die USA würden einen Militärangriff auf Nuklearanlagen im Südiran planen. Ein Artikel auf Readers Edition, der diesen Gerüchten nachgeht, sorgte für viel Diskussionsstoff. Grund genug, noch einmal nachzufragen. Im Experten-Interview äußert sich Dr. Johannes Reissner von der Stiftung Wissenschaft und Politik besorgt und wirft den USA vor, bislang keine echten diplomatischen Schritte unternommen zu haben.

Erst am Dienstag wieder hat der Iran trotz aller Sanktionen einen Ausbau seines umstrittenen Programms zur Urananreicherung angekündigt, womit die weltweite Sorge vor einem iranischen Atomwaffen-Besitz weiter wächst. (DPA)

RE: Für wie gefährlich halten Sie den Iran für die Region wie für den Weltfrieden?

Reissner: Dazu ist grundsätzlich festzuhalten, dass 1. Iran bislang noch keinen Angriffskrieg geführt hat, 2. selbst an Stabilität in der Region interessiert ist, und 3. man trotz aller Rhetorik von Präsident Ahmadinejad der iranischen Führung nicht wildes Abenteuertum unterstellen sollte.

RE: Den Iran scheinen internationale Sanktionen wenig zu bekümmern. Gehen diese nicht weit genug oder wie weit liessen sich diese noch ausreizen?

Reissner: Bekümmern tun die Sanktionen Iran schon, nur dienen sie im Augenblick noch dazu, die Position der Hardliner zu stärken. Ob man die Sanktionen verschärfen kann, hängt von denen ab, die sie verhängen. Nicht nur Russland und China sind skeptisch, ob die Sanktionen nicht kontraproduktiv sind. Die Frage wird unter anderem auch in Deutschland immer lauter gestellt.

RE: Was ist vom Okaz-Bericht zu halten?

Reissner: Der Okaz-Bericht ist zuallererst ein Zeichen dafür, dass man sich in Saudi-Arabien Sorgen macht wie übrigens in den anderen Staaten des Persischen Golfs auch.

RE: Sechs Signale für einen bevorstehenden Angriff der USA auf den Iran werden gehandelt: Der erfolgte Rücktritt des Centcom-Generals Fallon, ein „Friedensbesuch“ Cheneys in der Golfregion, Kriegsschiffe vor der libanesischen Küste, ein möglicher Luftangriff Israels auf Syrien, Israels Krieg mit der Hisbollah sowie die Verzichtserklärung Israels auf ein unilaterales militärisches Vorgehen gegen den Iran. (Quelle: www.usnews.com/Der Okaz-Bericht: Steht der Iran-Krieg bevor?) Sind diese auch für Sie hinreichend?

Reissner: Die jüngste Reise von Herrn Cheney stimmt mich tatsächlich eher sorgenvoll, und der Rücktritt von General Fallon scheint mir ein klares Indiz zu sein, dass in den entsprechenden Kreisen mehr über ein Militärschlag diskutiert wird als es in der allgemeinen Öffentlichkeit den Eindruck macht. Die anderen in diesem Artikel zusammengetragenen „Signale“ scheinen mir etwas alarmistisch zusammengestoppelt. Dass Israel an der Möglichkeit eines Militärschlages unbedingt festhalten will und ihn auch für machbar hält, hat Olmert mehrfach gesagt.

RE: Ein Krieg mit dem Iran wird weithin als das letzte Mittel angesehen, wenn alle Diplomatie scheitern sollte. Unter welchen Bedingungen würden Sie einen Militärschlag gegen den Iran befürworten?

Reissner: Das Problem ist, dass die USA, und die zählen hier, mit Diplomatie noch gar nicht angefangen haben. Sanktionen sind zwar ein nicht kriegerisches Mittel, doch deshalb noch keine Diplomatie, sondern eine Strafaktion. Die fehlende Diplomatie ist nicht nur ein Problem, sondern eine Gefahr. Eine militärische Aktion wäre erst dann zu billigen, wenn nach den Regeln der Vereinten Nationen die Absicht Irans zu einer kriegerischen Aggression offensichtlich ist.

RE: Könnten die USA überhaupt die Kompetenzen und Mittel für einen weiteren Kriegsschauplatz bereitstellen und wäre dann nicht auchEURopa stärker als Bündnispartner gefordert?

Reissner: Wenn die USA es wollen, können sie allein aus der Luft Iran sehr schweren Schaden zufügen. Dann aber wäre mit verheerenden Folgen für die gesamte Region zu rechnen, zu deren „Bewältigung“ die Amerikaner dann natürlich auch dieEURopäer einspannen würden. Doch die Frage ist, was dann eigentlich an westlichen Positionen in Nah- und Mittelost zu retten ist.

RE: Mit welcher Reaktion des Iran müsste man auf einen amerikanischen Angriff rechnen?

Reissner: Ob dann Iran seine Raketen zum Einsatz bringen würde oder nicht, lässt sich im Einzelnen nicht kalkulieren. Auf jeden Fall stünden Iran viele Möglichkeiten asymmetrischer Kriegführung gegen die Amerikaner und ihre Interessen in der Region zur Verfügung. Auf jeden Fall hätte Präsident Bush dann 70 Millionen Iraner, die nicht so einseitig anti-amerikanisch sind, wie ihre Regierung tut, endgültig gegen sich.

RE: Danke für das Interview.

Die Fragen stellte Felix Kubach

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