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Weiter Bahn-Mobbing gegen “Zug der Erinnerung”
Der “Zug der Erinnerung” ist seit einigen Monaten auf Tour durch Deutschland. Es handelt sich dabei um eine rollende Ausstellung, welche an die Deportation von hunderttausenden Kindern während der Nazi-Zeit in die deutschen Vernichtungslager erinnern möchte. Die Initiative wird von einem Verein getragen. Wenn der Zug 3000 Kilometer hinter sich gebracht hat, wird er dieses Jahr am Ende seiner Fahrt die Gedenkstätte im Vernichtungslager Auschwitz erreicht haben.
Die Bahn AG torpediert die Ausstellung wo sie nur kann
Die Deutsche Bahn AG hat der fahrenden Exposition immer wieder unsägliche Schwierigkeiten bereitet. Sie verlangt u.a. von der Initiative Trassengebühren und stellt ihr die Nutzung von Elektrizität während der Standzeit des Zuges auf den jeweiligen Bahnhöfen haarklein in Rechnung. Viele Tausend Menschen besuchten unterdessen die Ausstellung mit Zeugnissen der deportierten Kinder. Das Besucherbuch des Zuges ist voll des Lobes über die oft als notwendig und richtig bezeichnete Ausstellung, aber auch reichlich angefüllt mit Sätzen, mit welchen erboste Ausstellungsbesucher Unverständnis und Ärger über das mehr als schändliche Verhalten der Deutschen Bahn AG der Initiative gegenüber zum Ausdruck bringen. An der Bahn aber prallt offenbar jegliche Kritik ab. Sie torpediert die Exposition weiter wo sie nur kann.
Für die DB ist der “Zug der Erinnerung” eine einzige Gefahr
Auch jetzt, wo der “Zug der Erinnerung” nun eigentlich am Wochenende in den Berliner Hauptbahnhof einfahren sollte, stellt sich die Deutsche Bahn in typisch Mehdornscher Prellbockmanier wieder stur und die Einfahrtssignale auf “Halt”. Dabei wäre eine Gedenken im Berliner Hauptbahnhof, der früher Lehrter Bahnhof hieß, so wichtig gewesen. Vereinsvorsitzender Hans-Rüdiger Minow erinnerte daran, dass die Faschisten von dort aus in den Jahren 1941/42 mehr als 7000 Menschen deportieren ließen. Die Bahn bleibt jedoch betonhart. Auch eine “nachdrückliche” Intervention seitens der Bundesnetzagentur bei der DB AG blieb ohne Wirkung. Darüber zeigte sich gestern der Präsident der Agentur, Matthias Kurth, enttäuscht. “…Leider ist das Eisenbahnrecht nicht die geeignete Grundlage, dieses historisch bedeutsame und sensible Anliegen sachgerecht zu lösen”, hieß es von dort. Die Bahn selbst verwies darauf, dass es durch den “Zug der Erinnerung” zu Verspätungen im normalen Reiseverkehr kommen könnte. Ohne die Opfer, an welche der Zug erinnern möchte, auch nur mit einem einzigen Wort zu erwähnen, führt die DB AG als Begründung an, den beantragten Schienenweg nicht zur Verfügung stellen zu können, weil man keine “Restkapazität” habe. Auch um weitere Ausreden technischer Natur sind die Bahner nicht verlegen: So könnte der Erinnerungszug ebenfalls eine “Verunreinigung der (zwischen den Schienen liegenden) Schallabsorber” herbeiführen.
- “Zug der Einnerung beim Stopp in Dortmund;Photos:C.Stille”
Darüber hinaus entstehe “Lärm”, der das Wohnumfeld beeinträchtige. Und das “Niederschlagswasser” der den Zug ziehenden Dampflok belaste die Umwelt in nicht hinnehmbarer Weise, weil “Rußpartikel” unaufbereitet in die Kanalisation gelangen könnten, müsse mit einer “Umweltgefährdung” durch den “Zug der Erinnerung” gerechnet werden. Man vergaß abseits der schwierigen “technisch und betrieblichen Bedingungen”, die der Einfahrt des Zuges entgegenstehen, wohl bloß noch zu erwähnen, dass ja auch von der möglicherweise vom Zug angestoßenen Erinnerung an die Verbrechen der Nazis und die Mitschuld der Deutschen Reichsbahn daran eine nicht unerhebliche Gefahr ausgehen kann.
Stieß auf Unverständnis: Die Bahn wollte sich mit 100 000 Euro freikaufen und damit den “Zug der Erinnerung” abstrafen
Lale Süskind, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, wandte sich mit einen Brief an Bahnchef Hartmut Mehdorn und appellierte darin an die Bahn AG, “alles zu unternehmen, um das Projekt” mit dem von den Nazis deportierten jüdischen Kindern und Jugendlichen gedacht wird, “ohne Einschränkung verwirklichen zu können.” Mit Unverständnis reagierten die verkehrspolitischen Sprecher aller Bundestagsfraktionen dieser Tage auf den Vorschlag des Bahn-Aufsichtsrates, eine Spende mit Höhe von 100 000 Euro an eine jüdische Einrichtung und ausdrücklich nicht an die Initiative “Zug der Erinnerung” zu geben - der man ja seitens der Bahn Geld abknöpft, wo es nur geht - und wiesen ihn daher empört ab.
Zug darf auf Gleis 17 des Bahnhofs Grunewald, wo laut DB AG eigentlich keine öffentlichen Gleise zur Verfügung waren
Immerhin darf der Zug nun auf dem Gleis 17 des Bahnhofs Grunewald halten, von wo aus in den Jahren 1941-1945 zirka 50 000 Menschen in die Vernichtungslager abtransportiert worden waren. Zunächst hatte die DB AG auch diesen Bahnhof betreffend nach Ausflüchten gesucht, um einen Halt dort zu verhindern. Es hatte geheißen, dort stünden öffentliche Gleise nicht zur Verfügung. Die Bahner lenkten erst ein, nachdem von Medienvertretern, darunter auch ausländische Pressevertreter, das Gegenteil festgestellt worden war. Die Initiative “Zug der Erinnerung” besteht auch weiterhin auf ihrer Forderung die Exposition zur Erinnerung an die während der Nazizeit unter den Tarnnamen “DA” (David) in die Vernichtungslager deportierten Kinder- und Jugendlichen in den Eisenbahnwaggons des “Zuges der Erinnerung” auf dem Berliner Hauptbahnhof zu zeigen.
Das Verhalten der Deutschen Bahn AG ist nicht nur unwürdig und zudem völlig unverständlich, sondern über die Maßen schändlich. Die Weltöffentlichkeit wird es hoffentlich entsprechend zu würdigen wissen.
Vor kurzem teilten die Initiatoren des “Zuges der Erinnerung” mit, dass die rollende Ausstellung - nachdem die DB auch eine Einfahrt in den Bahnhof Zoologischer Garten versagt hatte - nun am Sonntag 12 Uhr in den Berliner Ostbahnhof einlaufen wird. Eine ensprechende Anfrage sei der DB zugegangen. Der “Zug der Erinnerung” wird demnach am Sonntag in Rathenow (Brandenburg) losfahren und über den Berliner Ring zum Ostbahnhof gelangen, wo er Gleis 1 beanspruche. Für den Fall, dass die Bahn auch diesen Bahnhof nicht freigibt, kündigten die Initiatioren “stadtübergreifende Proteste” an.











Bahn untersagt Halt des Gedenkzuges « dokumentationsarchiv
[…] siehe auch: Berlin ban for Holocaust train. A movable exhibition on the deportation of Jewish children during the Holocaust has been refused permission to stop in Berlin’s central station, the organisers said on Thursday. “At this site of mass deportations, technical concerns were deemed more important than the exhibition,” the organisers of the “Zug der Erinnerung” (Memory Train) said in a statement; Keine Einfahrt für «Zug der Erinnerung» im Berliner Hauptbahnhof. Bundesnetzagentur beanstandet Entscheidung formal nicht - Streit um Finanzierung. Der «Zug der Erinnerung» mit einer Ausstellung über die Deportationen in Nazi-Deutschland darf an diesem Sonntag nicht in den Berliner Hauptbahnhof einfahren. Die Bundesnetzagentur in Bonn beanstandete diese Entscheidung der Deutschen Bahn formal nicht. Als für den Wettbewerb auf dem Schienennetz zuständige Behörde konnte sie allerdings den Konflikt zwischen der Initiative des Gedenkzuges und der Bahn nicht lösen. Netzagentur-Präsident Matthias Kurth zeigte sich am Donnerstag über das Verhalten der Bahn enttäuscht. Der Verein «Zug der Erinnerung» besteht weiterhin auf einer Präsentation der Ausstellung in Eisenbahnwaggons auf dem Hauptbahnhof; Weiter Bahn-Mobbing gegen “Zug der Erinnerung”. Der “Zug der Erinnerung” ist seit einigen Monaten auf Tour durch Deutschland. Es handelt sich dabei um eine rollende Ausstellung, welche an die Deportation von hunderttausenden Kindern während der Nazi-Zeit in die deutschen Vernichtungslager erinnern möchte. Die Initiative wird von einem Verein getragen. Wenn der Zug 3000 Kilometer hinter sich gebracht hat, wird er dieses Jahr am Ende seiner Fahrt die Gedenkstätte im Vernichtungslager Auschwitz […]
Calanda
Wieviel Erinnerung denn noch?
Tikvah Sielbeck
Ehrlich gesagt hat man nicht nur bei der Bahn manchmal das Gefühl, Antisemitismus und/oder Nazidenken seien auch dort noch an der Tagesordnung. Ich weiß aus sehr zuverlässiger Quelle, dass bei so wichtigen Posten wie der Polizei, in der Justiz (!!!) und der Bundeswehr wieder recht zahlreiche Sympathisanten der rechten deutschen Szene sitzen und ihre Positionen auch entsprechend nutzen. Wehret den Anfängen…Es ist heute brisanter denn je!
karl nagel
Wenn mein Vater ein Mörder war, möchte ich nicht, daß meine Kinder immer wieder daran erinnert werden, daß ihr Großvater ein Mörder war. Wie Trauer seine Zeit hat, so hat auch Schuld ihre Zeit. Wenn die jüdischen Gemeinden die Schuld immer wieder aktualisieren, laufen sie Gefahr antagonistisch zu werden. Eine ander Position gleich als antisemitisch zu bezeichnen ist den Lapsus zum Urteil zu machen. Man müßte dann überhaupt wissen, was Semiten sind.
Mediocre
Mit Eis und Bockwurst zum Gedenken
Tausende strömten an diesem Sonntag auf das Gleis 1 des Berliner Ostbahnhofes zum „Zug der Erinnerung“. Eng war es auf dem Bahnsteig. In einer langen Reihe entlang der Wagons versammelten sich die Wartenden. Viele brachten Blumen mit, die dekorativ an die Außengriffe der Zugtüren gesteckt wurden und derart zu den begehrtesten Fotomotiven der Veranstaltung wurden.
Die meisten Besucher hatten aber mehr an Grundbedürfnisbefriedigung als an die ästhetischen Fragen des Erinnerns gedacht und für ausreichend Proviant gesorgt. Da standen sie nun mit Kaffeebechern und Eiswaffeln in den Händen oder bissen herzhaft ins belegte Brötchen, während Herr Schenkmann, ein Überlebender der Konzentrationslager, davon berichtete, wie erst seine Großmutter und wenig später sein Großvater im Lager verhungerten.
karl nagel
als ich sechs monate alt war, warfen mich tschechische milizen in die elbe und schossen auf mich. grossmutter, die rettend hinterher sprang, wurde gleich mit unter feuer genommen. wir überlebten. später, auf dem transport in viehwagons, zerrten die milizien den müttern die kinder aus den armen, schlugen sie an den viewagons tot und warfen sie neben die gleise. noch nie gab es dafür einen erinnerungszug. ich war kein jude, nur ein katholik.