Local Heroes (Vol. 36): JUPITER JONES

“Entweder geht diese scheussliche Tapete – oder ich!” Keine Sorge, was da schon zu Anfang der Internetpräsenz von “Jupiter Jones” drohend und doch augenzwinkernd eingefordert wird, das hat sich am vergangenen Samstag nicht bewahrheitet. Im Bad Kissinger Jugendzentrum gab es im Zuge der U&D-Konzertreihe weder grauenhafte Muster an den Wänden,

jupit.JPG“Entweder geht diese scheussliche Tapete – oder ich!” Keine Sorge, was da schon zu Anfang der Internetpräsenz von “Jupiter Jones” drohend und doch augenzwinkernd eingefordert wird, das hat sich am vergangenen Samstag nicht bewahrheitet. Im Bad Kissinger Jugendzentrum gab es im Zuge der U&D-Konzertreihe weder grauenhafte Muster an den Wänden, noch ist auch nur einer der vier Herren einfach so gegangen. Ganz im Gegenteil…

Das bunt gemischte Publikum kam zahlreich. Darunter – wie könnte es anders sein – auch die Autorin dieser Zeilen mit ihrer traditionellen Begleitung, Kamerafrau Dani, im Gepäck. Erneut wurde dem Ruf oder besser gesagt dem einschlägigen Tipp der Jugend gefolgt. Und wie schon so oft stießen die beiden Damen auch hier – am Rande der traditionsreichen Kurstadt – auf eine famose Neuentdeckung. Allerdings, das muss sofort zugegeben werden, galt dieser Tatbestand nur für die beiden Endzwanzigerinnen. Denn den Zuschauern schien diese Truppe bereits bestens bekannt. Sie tobten und die Aufforderung zum Tanze, die Sänger Nicholas Müller energiegeladen in den Raum warf, wurde prompt und ohne Umschweife umgesetzt. Die Menge lies sich regelrecht davontragen, wurde immer heißer und auch unsere Glieder wippten und federten angesichts dieser vier Mannen, die da aus der fernen Eifel anreisten, um im Fränkischen mit niveauvollem deutschen Punkrock zu überzeugen.

Die eigene Band als Lebensgefühl

Doch wie kam’s? Wie entsteht eine Truppe, die mehr als nur lautstark Deutschlands kleinstes Bundesland, das Saarland, vertritt, sich doch wirklich nach einer Figur der Kinderbuchserie “Die drei Fragezeichen” benennt und deren Eingangs gemachte “Drohung” sich eigentlich auf ihre gleichnamige CD aus dem Jahre 2007 bezieht. Oscar Wildes angeblich letzten Worten, die für hierfür Pate standen, soll nachfolgend zwar nicht weiter nachgegangen werden. Doch Folgende Begebenheit scheint nicht minder interessant: “(…) Gesucht und gefunden 2003, auf einer Gartenlaubenparty im hintersten Eck der Eifel”, liest sich da zum Thema “Werdegang” auf ihrer Homepage, der wohl eigentlich schon 2002 mit den ersten Proben begann und just ein Jahr später im zweiten Platz des Newcomer-Festivals “Rockbusters” mündete.

Marco Hontheim, der Mann am Schlagzeug, Klaus Hoffmann, für Bass und Background zuständig, Sascha Eigner, ebenfalls im Background und an der Gitarre tätig sowie eben Nicholas Müller, der beeindruckende Frontmann mit Gitarre, bekennen hierzu freimütig: “Jupiter Jones ist zum Lebensinhalt mutiert, hat Zeit und Geld gefressen und Glück geschissen, mit Verlaub, man entschuldige. Und dann lohnt das sehr wohl! Genug Sorgen für ein ganzes Landschulheim voll schlechtem Schlaf und so manche Meile auf wundem Zahnfleisch, genau so war’s, wir waren dabei. Aber der Atem ist lang und so lange da draußen noch jemand Streichhölzer schnitzt, werden wir sie uns zwischen die Lider stecken. Mit dem Ruder in der Hand (…).”

Ob sie am Ende des besagtem Abends wirklich von den Schnitzkünsten diverser Mitmenschen Gebrauch machten, das ist nicht näher bekannt. Doch ihre so ganz eigene “Gitarrenmusik mit deutschen Texten”, die durchaus der Bitte nach etwas Tiefgang nachkommt und ein hohes Maß an Identifizierungspotential bereithält, die überzeugte sehr wohl im beschaulichen Bad Kissingen. Und nicht nur dort: Hatten sie doch bereits 2004 Gelegenheit auf dem legendären Southside Festival die Massen zu begeistern, um dann vor drei Jahren mit ihrem Song “Reiß die Trauer aus den Büchern” auf Platz 1 der Netzparade des Radiosenders “Das Ding” gewählt zu werden. Springen, Stillsein und dann auch mal Schluchzen, so scheint das Credo hinter all ihrem Tun zu lauten. “Zünftiger Punkrock” oder gar “Balladengewand” – mit einer unverkennbaren Reibeisenstimme an der Spitze können Jupiter Jones eben beides. Das lies bereits ihr Debüt-Album “Raum um Raum” schon vor Jahren erahnen.

Von Cochem nach Ankara – unterwegs mit einem Irrenhaufen!

Weil das aber bei weitem nicht reicht und sich schließlich jeder Künstler eine gewisse Art der Weiterentwicklung auf die Tasten, Saiten oder eben das Mikro schreibt, rollt es dieser Tage auch gleich ordentlich weiter. Der Grund: Ende 2007 ging es in ein altes Kloster auf einem Hügel in Cochem. Die Gang wurde “aufgemotzt”. Ein Flügel, Cello, Flügelhorn, Percussions, Gastgesang, eine Mundharmonika und die Quetschkommode kamen hinzu. “Einen Haufen Instrumente und deren Besitzer mit 500 Leuten eingesperrt, die Kamera läuft. Von Raum zu Raum, von scheußlichen Tapeten, von Jupp und den Darwinfinken. Teilweise neu arrangiert, rund produziert und notfalls improvisiert, ohne Strom und falsche Scheu” entstand so ein Konzertfilm mit 18 Songs – mehr als 90 Minuten “bebilderte Musik”.

… leise” heißt das Ergebnis, eine DVD und CD-Box, die nun am 25. April erscheinen soll. Kein Wunder, dass die Herrschaften nun Folgendes zu vermelden haben: “Weil es in Cochem so schön war freuen wir uns ganz besonders jetzt mit einem noch größeren Irrenhaufen wie sonst unterwegs zu sein!! Wir machen eine Unplugged-Tour!!! Gastmusiker am Klavier, Gebläse, Akkordeon, Percussion und Gesang werden mit am Start sein. Außerdem sind wir mit dem schönen Redbull Tourbus unterwegs!” Los geht’s am 22. Mai im schönen Münster. Zuvor allerdings werden die harten und manchmal doch ganz weichen Mannen jedoch in die Türkei aufbrechen, um im fernen Ankara wieder einmal im Auftrag des Goethe-Institutes auf einem großen Festival zu spielen.

Quintessenz des Abends, uns hat es wieder einmal gefallen und um es abschließend mit Wortwitz und Verstand, wie ihn eben Jupiter Jones pflegen, zu sagen: “Lass den Kopf nicht hängen mein Freund/ Es geht doch weiter wie du siehst/ Und wenn es sein muss, ganz allein.”

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