Der Blaue Salon (I) – ein Plädoyer für den Rauchgenuss

Tabak, Alkohol, Fleisch – immer stärker spüren wir in den letzten Jahren wie der Staat mit immer härteren Verboten in die Privatsphäre der Bürger einzudringen versucht. Doch die staatliche Gängelung ist höchst willkommen. Statt Widerstand herrscht allgemeines Einverstandensein. Die Lustfeindlichkeit, so scheint es, triumphiert über den Individualismus. Schild und Schwert

rauch3.jpgTabak, Alkohol, Fleisch – immer stärker spüren wir in den letzten Jahren wie der Staat mit immer härteren Verboten in die Privatsphäre der Bürger einzudringen versucht. Doch die staatliche Gängelung ist höchst willkommen. Statt Widerstand herrscht allgemeines Einverstandensein. Die Lustfeindlichkeit, so scheint es, triumphiert über den Individualismus. Schild und Schwert der fürsorglichen Gesetzesflut ist der Schutz seiner Bürger. Rauchen ist hier ein Paradebeispiel. Es stinkt, ist ungesund und oft sogar tödlich, das beweisen unzählige Studien.

Selbstverständlich sind hier gewisse gesetzliche Einschränkungen angebracht, wiewohl man darüber streiten kann, ob Verbote und entmündigende Regelungen, selbstgetroffenen Lösungen und dem gesunden Menschenverstand entsprungene Kompromisse vorzuziehen sind. Keinesfalls gerechtfertigt ist aber die pauschale Bevormundung erwachsener, mündiger Bürger, die sich bewusst für den Tabakgenuss entschieden haben. Die Debatte um den Nichtraucherschutz ist ohne Frage eine hitzig und emotional geführte. Um Missverständnissen oder den üblichen Beißreflexen vorzubeugen: Es geht hier nicht um eine kategorische Ablehnung des Nichtraucherschutzes. Zweifelsohne ist es zu begrüßen, dass der öffentliche Raum rauchfrei ist und Nichtraucher demzufolge ausreichend geschützt sind. Doch das rigorose Verbot des Rauchens in allen gastronomischen Einrichtungen unseres Landes ist nicht hinnehmbar.

Dem Tabakgenuss das Wort reden

Denn es geht auch um etwas anderes, es geht ums Prinzip, es geht um die Verteidigung der persönlichen Freiheit, das zu tun oder lassen, was einem gefällt, auch wenn es schadet. Und es geht darum, was der Staat uns vorschreiben darf und was nicht. Es handelt sich also, im Foucaultschen Sinne, um eine körperpolitische Maßnahme der Macht, mit dem Ziel, das zivile Leben zu vereinnahmen, es zu verwalten und zu kontrollieren. Es soll daher in dieser Kolumne dem Tabakgenuss das Wort geredet werden. Eine so wundervolle Angelegenheit, die aus der öffentlichen Debatte nahezu verschwunden ist. Die mußevollen Stunden mit einer guten Zigarre am Abend mit Freunden. Der würzige Duft eines edlen Pfeifentabaks, der nach einem guten Essen wie ein sanfter Traum in alle Nasen steigt. Oder die selbstgedrehte Kippe, die nach einem Tag in der Natur am Lagerfeuer genüsslich in die Sterne geblasen wird.

Der “Blaue Salon” soll fortan in verlässlicher Regelmäßigkeit Rauchern eine Stimme geben und ihrem Genuss ein Anwalt sein.

Einerseits soll hier über aktuelle Entwicklungen hinsichtlich des “Raucherschutzes” informiert werden wie auch andererseits die Vorzüge des Rauchgenusses in all ihren Facetten dargestellt werden. Als roter Faden wie Motivation eine Überlegung Georg Simmels im Hinterkopf: Dieser sah einst schon den Ersatz der behäbigen Zigarre durch die schlanke Zigarette als Symptom der buchstäblichen Kurzatmigkeit der modernen Welt. Was hätte dann erst die angestrebte, komplette Auslöschung jeglicher Tabakwaren aus dem öffentlichen Leben zu bedeuten?

Diese Kolumne möchte auch ihren Teil dazu beitragen, dass wir eines Tages folgenden Sätzen nicht irritiert und ratlos gegenüberstehen: “Ich verstehe nicht, wie jemand nicht rauchen kann, er bringt sich doch, sozusagen, um des Lebens bestes Teil und jedenfalls um ein ganz eminentes Vergnügen! Wenn ich aufwache, so freue ich mich, dass ich tagsüber werde rauchen dürfen, und wenn ich esse, so freue ich mich wieder darauf, ja ich kann sagen, dass ich eigentlich bloß esse, um rauchen zu können.” (Thomas Mann, Der Zauberberg)

Inspiration und Ansporn für diese Kolumne ist ein Kreis von Liebhabern des Tabaks in all seinen Spielarten, welcher sich wöchentlich zum Plaudern und Rauchen trifft und an dem ich seit Längerem regelmäßig teilnehme. So auch diese Woche. Das Gespräch drehte sich dieses Mal hauptsächlich um relevante Seiten im Netz zum Thema Rauchen. Ob aktuell zum Thema des Widerstands gegen den Nichtraucherschutz oder ganz allgemein, das Angebot an hervorragend aufbereiteten und aktualisierten Seiten ist reichhaltig. Grund genug, einige von ihnen hier mal kurz vorzustellen.

“Blendlife” versteht sich als “Informationsportal für Raucher” und setzt demgemäß den Schwerpunkt auf eine Vernetzung raucherfreundlicher Lokale, Hotels und Clubs in ganz Deutschland. Mittels einer einfach zu bedienenden Suchfunktion kann man hier ganz schnell fündig werden wenn man auf der Suche nach einem Tipp in der Fremde ist.

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Interessant mag hier der Umstand erscheinen, dass Baden-Württemberg mit 320 Etablissements eindeutig die Führung innehat. Außerdem verfügt “Blendlife” auch über eine “Raucherzeitung”, die mit Urlaubsberichten und jeglichen Gedanken zum Thema Rauchen zu überzeugen sucht.

Tolerantes Zusammenleben von Rauchenden und Nichtrauchenden

Ein Stück weit allumfassender begreift sich das “Netzwerk Rauchen”. Bestimmendes Motto ist hier sich “gegen die Diskriminierung von Raucherinnen und Rauchern zu engagieren.” Im Vordergrund steht demnach “ein tolerantes Zusammenleben von Rauchenden und Nichtrauchenden”. Hier findet man, nach Bundesländern geordnet, die verschiedenen Unterschriftenlisten gegen gesetzliche Rauchverbote, das Thema betreffende Neuigkeiten und viele weitere Informationen.

Eine aufreizend provokativ gestaltete Seite (allein der Begleitsong der Seite ist ein Genuss!) findet sich in “Smoking Rebels”. Die Macher dieser Seite gehören nicht direkt zu den vermittelnden und nach Ausgleich suchenden Kandidaten unter den Rauchern. Hier hat sich offensichtlich aufgestaute Wut und Ungeduld ihren Bann gebrochen. Die Rede ist von “Gesundheitsdemagogen und Gefahrenpsychose” – die Aussage von “Smoking Rebels” ist eindeutig: “Wie diskutieren nicht. Wir handeln. In einer emotionalisierten Debatte helfen keine Argumente.”

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Nun ja, so sehr ich den Zorn der Betreiber nachvollziehen kann, hier war ich dann doch ein wenig ratlos. Stehen wir kurz davor, die Geburt einer “Tabak Armee Fraktion” mitzuerleben? Doch ein paar Sätze später ist der Parlamentarismus wieder in trockenen Tüchern: Die Wahlstimme wird als stärkste Waffe angenommen, die neuen Medien als beste Propagandaform ausgerufen. Zielsicher werden die aktuellen Feinde ausgemacht: “Kleingeist, Massenhysterie, Gesundheitswahn und geheucheltes Gutmenschentum.” Da bleibt kaum noch was hinzuzufügen, außer: Venceremos und “Lebensqualität geht vor Lebensquantität”!

Als weitere regionale Empfehlung sei noch Raucherlokale in Berlin genannt. Dies ist eine reine, ständig erweiterte, Liste an Kneipen und Clubs in Berlin, welche mit Rauchen keinerlei Probleme haben. Und daher hier die banale Frage: Warum kann man sich nicht auf diese Weise einigen? Es gibt Raucherkneipen und es gibt Nichtraucherkneipen. Punkt. Aus.

Und natürlich wurde diese Woche auch wieder geraucht.

Gemäß der Devise des “Raucherclubs” an diesem Abend neue Sachen in aller Ruhe und mit gemeinschaftlichen Geschmackssinnen zu goutieren, nahmen wir dieses Mal einen “Öko-Tabak” unter die Lupe. Diese Art von Tabaken erobert seit geraumer Zeit die urbanen Räume der Republik. In unserem Freundeskreis waren sie immer häufiger vertreten, während sie uns nicht so recht mundeten. Zu säuerlich oder trocken, lautete das einvernehmliche Urteil. In diesem Falle wagten wir uns an eine Sorte mit dem Namen “Pueblo” heran. Es gibt sie als normale Filterzigaretten wie auch als Drehtabak. Der Hersteller weiß zu berichten, dass sie “unter natürlichen Bedingungen auch (sic!) von Indianern angebaut werden”.

Der Vorteil ist also, dass dieser Tabak ohne jegliche Zusatzstoffe auskommt, was unter anderem seine Trockenheit erklärt. Nach eingehender Prüfung bleibt unser Urteil jedoch zu bestehen: Der Geschmack welcher sich auf der Zunge entfaltet, ist uns definitiv zu dünn und im Abgang zu säuerlich. Die Filterzigarette verliert noch zusätzlich im Vergleich zum Drehtabak. Nichtsdestotrotz mag diese Art von Tabak mit Berechtigung seine Liebhaber besitzen. Unserer Sache ist es dagegen nicht.

Ein weiteres Testobjekt dieses Abends ist die “Premium A”-Zigarre von Villiger (Länge: 165 mm – ø 17 mm). Dem unteren Preissegment zugehörig, überrascht sie fraglos durch würzigen Stand auf der Zunge. Die Mischung von kubanischer Einlage mit dem Sumatra Deckblatt kann als grundlegend gelungen betrachtet werden. So erzeugt sie in unserer abendlichen Runde dann auch mühelos jene Stimmung, die wie Franz Liszt es so schön umschrieb, “jeglichen Gemeinheiten dieser Welt die Tür verschließt”. Einzig zu bemängeln ist vielleicht eine gewisse, im Abgang bemerkbare Kraftlosigkeit der Würze, die den Rauchgenuss dann doch nicht ganz auf die Spitze treibt. Alles in allem aber eine elegante und empfehlenswerte Zigarre.

In diesem Sinne wünsche ich erlesenste Genüsse und entspannte Stunden!

Photo Quelle/ Copyright: mkorsakov, cc creative commons Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 (via flickr)

Kommentare

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  1. Mirakel, ich kann mich wirklich nur wundern, wie in dieser Debatte immer wieder mit scheinbar logischen Argumenten herumgewedelt wird, die alles andere als Argumente, geschweige denn logisch sind.
    Nehmen wir Ihren Vergleich mit dem Alkoholiker, der Auto fährt und sich mit einem Schildchen als Alkoholiker kennzeichnet. Ich kann hier beim besten Willen keine Analogie zur Kneipe eines Herrn Manz oder irgend einer anderen Raucherkneipe sehen. Eventuell leben sie in einer besonders gefährdeten Ecke der Bundesrepublik, wo die Wirtschaften tatsächlich durch die Gegend fahren und harmlose Passanten plattmachen. Alle Kneipen, die ich kenne, sind fest an ihren angestammten Orten verankert.
    Aber um bei ihrem Beispiel zu bleiben, leihe ich es mir gerne einmal aus, um etwas anderes deutlich zu machen. Sie und einige ihrer extremen Gesinnungsgenossen sind es, die darauf warten, bis ein Alkoholiker zu seinem gekennzeichneten Fahrzeug geht, um sich davor zu werfen und “Hilfe, ich werde bedroht!” zu rufen.

    Dass sie Ihr Bedürfnis, immer und überall rauchfreie Räume vorzufinden, mit allen Mitteln durchsetzen wollen, ist eine menschliche Schwäche – wir alle haben ab und zu mal Allmachtsphantasien. Dass Sie scheinheilig vorgeben, Bedienungspersonal schützen zu wollen, die Logik beugen und auch noch vorgeben, etwas von Spaß zu verstehen, beweist aber nur eines: Sie haben keine Ahnung von der Situation der Bedienungen (denn auch unter diesen Menschen gibt es zahlreiche Raucher), keine Ahnung von Logik und schon gar keine von Spaß