San Francisco, am Beginn eines heißen Tages. Ich bin unterwegs zu einem Termin und Frage den Taxifahrer, wer denn vorraussichtlich der nächste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika sein wird – und ich ernte ein lautes Lachen. “I don’t care.”
Der Staat lässt mich in Ruhe
Diese Antwort hatte ich nicht erwartet. Es ist erstaunlich, dass gerade ein Taxifahrer – für den schon kleine Änderungen der Steuern oder Berufsvorschriften wichtige Einschnitte sind – sich überhaupt nicht für Politik interessiert. Offenbar prägt die USA aber eine Idee, die in Deutschland als neoliberal gebrandmarkt wird: Der Staat soll sich so weit wie möglich aus dem Leben heraushalten und die Wirtschaft und Gesellschaft sich weitgehend selbst überlassen. Was spricht dagegen?

Hillary, Obama oder doch McCain
Natürlich habe ich auch Menschen kennengelernt, die sich sehr für Politik interessieren. Da war zum Beispiel der Taxifahrer aus dem Jemen, der kritisch über die sexuelle Offenheit in den USA nachdenkt – zu Recht, wenn man über den Broadway in San Francisco läuft. Dieser hofft, dass Obama Präsident wird – und einen wirklichen Politikwechsel einleitet. Dagegen trifft man aber auch Einwanderer, die sich sehr für Hillary einsetzen: Ein brasilianischer illegaler Arbeiter, der strikt gegen Rassismus ist – aber befürchtet, Obama könnte zu viel Energie für Schwarze aufwenden, ob er will oder nicht.
Die Wirtschaft liebt McCain
Interessant wird es, wenn man in den Gesprächen mit Geschäftsleuten im Flieger gut zuhört – die Business-Class ist offenbar voll von McCain-Unterstützern. Diese hoffen, dass damit die Wirtschaft endlich wieder an Fahrt aufnimmt.
Apropos Wirtschaft: Allen Amerikanern, mit denen ich gesprochen habe, sind zwei Dinge sehr bewusst: Zum einen loben sie die starkeEURopäische Wirtschaft und denEURo. Gleichzeitig schätzen sie – egal ob Anhänger der Demokraten oder leidenschaftliche Republikaner – die internationale Politik von Paris und Berlin und unsere Sozialsysteme. “Europa has learned from its history!” – was uns selbst nicht so bewusst ist, wird international offenbar stark wargenommen. Neben den Benzinpreisen, die bei etwa vier Dollar für 3,7 Liter (eine Gallone) liegen, lamentiert man noch über den schwachen Dollar und erzählt, dass man gerne einen “Bee-Em-Double-You” fahren möchte.
Route 2008 in Pennsylvania
Morgen sind wohl die wichtigsten Vorwahlen im Herzen der Demokratie der USA – Pennsylvania. Schafft Hillary Clinton hier keinen deutlichen Sieg, reicht es im besten Fall nur noch zum Vice-President. In meiner persönlichen, nicht repräsentativem Umfrage unter taxifahrenden Demokraten und anderen Servicekräften steht es aber 8:4 für Hillary. Kann sie dies in der wichtigsten Vorwahl umsetzen, hat sie gewonnen – und Obama dürfte schwer angeschlagen sein. CNN verfolgt den Kampf um das höchste Amt der USA gewohnt pathethisch mit der Sendereihe “Route 2008″ – es bleibt spannend!
kenne das ehrlich gesagt auch nicht anders von bekannten in den staaten. die nationalität ist für die amerikaner nach wie vor einer der wichtigsten faktoren, auch nehmen sie eine art fanposition für ihren präsidentschaftskandidaten ein. was sie aber von uns unterscheidet, ist das sie die mehrheit eines anderen präsidenten weitgehendst akzeptieren und auch annehmen (zumindest versuchen). komisches aber nationalstolzes völkchen.