Das Lenzsymptom zeigt sich zuerst beim Hunde,
dann im Kalender und dann in der Luft,
und endlich hüllt auch Fräulein Adelgunde
sich in die frischgewaschene Frühlingskluft.
Man kann kaum besser als mit solcherart beschwingten Versen des hochverehrten Tucholsky das Geschehen dort draußen im Freien kommentieren. Heißen Dank dem Weddinger Landboten für die Erinnerung an dieses unübertroffene Gedicht. Doch leider kann ich noch nicht ungestüm den Lockungen des Frühlings nachgeben. Zuvor müssen noch ein paar Empfehlungen für das kommende Wochenende unters Volk gebracht werden.
Begonnen wird, wie üblich mit ein paar Überblicken. Zuvorderst der Fudder-Partyplaner “Wo rockt’s? Alle Partys und Konzerte fürs Wochenende”.
Sodann Veranstaltungstipps aus Augsburg. Hier hat man dieses Wochenende die Auswahl zwischen den, am 26. April beginnenden Filmtagen und der am 26. April stattfindenden “Langen russischen Nacht”. Im Maximilianmuseum findet diese im Rahmen der Zarensilber-Ausstellung mit Lifemusik, russischen Märchen und Sonderführungen statt.
Freiburg:
Das Badische lockt die Tage mit der 24. Schwulen Filmwoche. Unter dem Motto “Schöne schwule Filme für Freiburg” startet diese bereits heute im Kino Kandehof und wird noch bis zum 30. April laufen.
Trier:
Hierzu ganz gut passend, eine Ausstellung in Trier. Inspiriert durch die aktuelle Ausstellung im Landesmuseum “Toll trieben es die alten Römer” zeigt Laas Koehler im SchMIT-Z Bilder, Fotos und Objekte unter dem Motto “100.000 Jahre schwule Kunst”. Die Werkschau zeigt größtenteils Körperdarstellungen. Sie soll als eine Art “als ironische Ergänzung” zum Landesmuseum fungieren. Der Künstler wünschte sich daher auch folgerichtig, dass “die Besucher fröhlicher nach Hause gehen.”
Bonn:
Ein weiteres Filmfest findet die kommende Woche in Bonn stat. Die 9. Skandinavischen Filmtage können vom 24. April bis 30. April im Kino in der Brotfabrik genossen werden.
Hamburg:
Viele Großstädte haben mittlerweile “Lange Nächte” für ihre Museen eingeführt, um sonst eher museumsabstinente Kandidaten zu verführen. Am Sonnabend ist Hamburg wieder Schauplatz einer “Langen Nacht der Museen”, an der sich insgesamt 45 Museen und Ausstellungshäuser beteiligen
Klütz:
Klütz? Klütz! Nunja, zugegeben die Kenntnis von “der zentralen Stadt in der Region Klützer Winkel im Westen Mecklenburgs an der Ostsee” gehört nicht direkt zum aktiven Allgemeinwissen eines aufgeschlossenen und geistig aktiven Bundesbürgers.

Doch wenn ich hier noch nachschiebe, dass Klütz “Jerichow” im literarischen Werk des großen deutschen Autors Uwe Johnson (“Mutmaßungen über Jakob”, “Jahrestage”) ist, könnte der eine oder andere sicher ein, immer noch reichlich unsicheres, aber schon bedeutend versierter wirkendes “Ach das” rausrücken. Auf den Spuren Uwe Johnsons können Interessierte dank des “Klützer Fördervereins” wandeln. In loser Folge finden bis Ende Oktober “Literaturspaziergänge” statt. Der nächste Termin ist der 26. April 2008. Treffpunkt wird um 10.30 Uhr das Literaturhaus in Klütz sein. In dem ehemaligen Getreidespeicher gibt seit 2006 eine Ausstellung umfassenden Einblick in das Leben und Werk Johnsons und zeigt seine Verbundenheit zu seiner mecklenburgischen Heimat auf – hier verbrachte er Kindheit und Jugend.
Calw:
Die Aurelius-Sängerknaben rufen zum Familientag und präsentieren sich im besten Licht. Der Calwer Knabenchor bietet ein breites Programm für Sänger, Eltern, Großeltern und Verwandte der Sängerknaben. Darüber hinaus gibt es Schnupperkurse, Konzerte und die Möglichkeit zu Gesprächen bei Bewirtung runden das Angebot ab.
Herlefeld:
Und noch mehr Musik! Am Sonnabend, um 19 Uhr kann man in Herlesfeld einen Konzertgottedienst genießen. Die verlockenden Stilrichtungen reichen von Gospel bis zu etwas was sich Sakropop nennt. Die Ausführungen des seknews-blog lassen dabei wahrlich Außergewöhnliches erwarten, schließlich scheint der Gospelchor Morschen keinen Geringeren als Jesus für ihre kleine Darbietung verpflichtet zu haben (Zitat: “…der Gospelchor Morschen von Jesus gesungen…”). Da werden es die nachfolgenden Musikgruppen schwer haben gegen anzusingen. Dennoch hat sich der “Heart Chor” aus dem Landetal mit bewegender Lobpreismusik verschiedener Richtungen angekündigt. Schließlich will auch der “Männergesangverein Herlefeld” mit traditionell eingängigen Stücken das Publikum betören.
München:
Drei Tage Feierwerkfest sind in München ausgerufen und die haben es wahrlich in sich. Von Freitag bis Sonntag wird einiges geboten: Ska von BLUEKILLA und SANTERIA, Grill, DJs, Grill und Spiele im Biergarten, eine Party der breakbeat-action Crew, Elektropoppunkrock, ein Familienprogramm mit Kunsthandwerk-Ständen und Zaubershow, einen Nachbarschafts-Frühschoppen am Samstag ab 10.00 Uhr mit Livemusik und Weißwurst-Frühstück, Radio Feierwerk live, Indiekonzerte u.a. von OLLI SCHULZ, MIT und MAURACHER, Reggae-, Dub- und Dancehall, Punkrock, Hardcore, Familienfrühstücksbuffet am Sonntag mit Livemusik, Kinderkino, Bastel- und Holzwerkstatt und im Sunny Red die “BeatweenJazz” Open Jam Session. Puh, das klingt wirklich nach einem proppevollen Programm.
Lünen:
Einem, mir zuvor gänzlich unbekannten Freizeitvergügen kann in Lünen nachgegangen werden. Der Disc-Golfpark Lünen lädt zum 1. Lünener Frühlingsgolfen um den SeeparkCup am Horstmarer See ein.
“Der SeeparkCup ist eine offene Turnierserie für jeden, der Spaß an Discgolf hat und wird alle zwei Monate gespielt. Zu gewinnen gibt es den Seepark Cup, einen Wanderpokal. Der Wanderpokal wird nach jedem Turnier neu vergeben, muss also vor jedem Turnier wieder zurück gegeben werden.”
Hamburg:
Vom 26. Bis zum 27 April findet in Hamburg das Straßenfest “Bunte Lange Reihe 2008″ vom statt. Dieses Straßenfest steht traditionell für die Saisoneröffnung der Straßenfestzeit. Parallel findet am Sonntag der Conergy-Marathon 2008 statt.
München:
Und dann wäre da noch spannendes Dokumentartheater zu empfehlen. Und zwar die Win-Place-Show von Christine Umpfenbach und Nataly Bleuel. “In der Win-Place-Show sitzen Jugendliche – oder Muhammad Ali, Jackie Chan, Vin Diesel, Kristin Chenoweth und Tobias Lützenkirchen. Sie sprechen über Standardkämpfe, Hauptschule oder Blumentopf, wie inspirierend Singapur und wie frei der Mensch ist, über verpasste Chancen und solche, die man nie bekam – aber auch über Liebe und das Nachtleben. Und über den Raum, den man in der Gesellschaft einnimmt.” Premiere ist bereits heute.
Mecklenburg-Vorpommern:
Unter dem wunderschönen Slogan “Kunst fürs Dorf – Dörfer für Kunst” versucht man an der Küste aus dem Kapital zu schlagen, wovon man reichlich hat: Provinz, Peripherie und idyllische Einöde! Das bundesweit “bisher einzigartige Projekt” geht das Ganze im großen Stil an. Schließlich könne man “im ländlichen Raum eine beeindruckende kulturelle Vielfalt finden” und diese müsse man nun lediglich “sichtbar machen”. Klare Worte. Praktisch heißt das: “Dem öffentlichen Fokus möchten wir ein klares Zeichen für den ländlichen Raum entgegensetzen. Es ist uns wichtig, Künstler vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Wandlungsprozesse in den ländlichen Räumen wieder verstärkt für die Themen Landwirtschaft und Leben zu interessieren”. Kommt mir irgendwie bekannt vor. Nach “Kumpel greif zur Feder” nun so etwas wie “Bauer, greif zum Pinsel”? Wie war das nochmal mit dem Weltuntergang, der in Mecklenburg erst 50 Jahre später kommt?! Sei es wie es sei. Von meiner Seite auf jeden Fall viel Erfolg bei dem liebenswerten Vorhaben.
Issum:
Zurecht wird der interessierte Leser angesichts der frühlingseuphorischen Einleitung irritiert nach mehr Freiluftaktivität fragen.

Hier ist sie: “Sie suchen einen schönen Radwanderweg am Niederrhein. Starten Sie Ihre Fahrradtour im Altbier-Dorf Issum. Denn der Radwanderweg ‘R1′ führt über 40 km rund um den Ort. Eine Fahrradtour entlang der Route ‘R1′ führt durch die wunderschöne Wald- und seenreiche Landschaft Issums. Die kostenlose Radwanderkarte ‘R1′ können Sie bei der Gemeinde Issum bestellen.”
Bremen:
Eine kleine Sache, welche wohl eher in die Rubrik Vermischtes gehört, aber angesichts der regionalen Tiefenschärfe unbedingt in diese Kolumne gehört ist die Aktion des niedersächsischen Radiosenders FFN, von dem das Bremer Blog szenenight.de berichtet. Besagter Radiosender erreichte mit einer Unterschriftenaktion, dass Microsoft in seiner Rechtschreibprüfung das Wort “Moin” ab jetzt nicht mehr als Fehler kennzeichnen darf, sondern als offizielle Begrüßung akzeptieren muss. “Unter dem Motto des Radiosenders ‘Moin ist niedersächsisches Kulturgut – weg mit der Zickzacklinie’ nahmen über 20.000 Leute an der Unterschriftenaktion teil.”

BUCHTIPP: Und auch ein Buch macht sich gut, wenn man sich genüsslich im Grünen die Sonne auf den Wanst scheinen lässt. Sicherlich denkt man da zunächst an den Roman, der schon seit Weihnachten getreu auf einen wartet. Doch wenn man schon blau macht, kann man ja den Kompromiss ansteuern, wenigstens etwas zu lesen, was tendenziell mit dem verwaisten Arbeitsplatz zu tun hat. Ich will dieses Mal auf Alexanders Raabes “Social Software in Unternehmen” hinweisen. Ein Buch, mit dem sicherlich nicht jeder Placeblogger etwas anfangen kann. Auch das stilsicher gewählte Cover, die die Zielgruppe, wie kaum eine andere Abbildung darzustellen vermag, lässt einen eher misstrauisch zu diesem Buch greifen. Doch es kann prinzipiell nicht schaden, einen Blick auf jene zu werfen, die aus dem Web 2.0 Kapital schlagen wollen. Und in dieser Hinsicht ist das besagte Buch ein ausgewiesenes Paradebeispiel.
Die Begrifflichkeiten und Erklärungen zu Social Software fallen hier nicht sonderlich detailliert aus. Dies findet man in anderen Büchern sicherlich besser. Doch hier sieht Raabe auch weniger den Schwerpunkt. Das Wissen um diesen Komplex wird gewissermaßen vorausgesetzt. Seine vordergründige Frage ist: Wie können Wikis, Weblogs und andere Tools gewinnbringend und sinnvoll in Unternehmen eingesetzt werden? Deutlich wird in seiner Argumentation, dass durch den kompetenten Einsatz besagter Elemente ein verbessertes Wissensmanagement und erhöhte Mitarbeitermotivation gefördert werden kann. Wen die Schritte zu einer optimalen “Zweinullisierung” des Geschäftslebens interessieren, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen.
SUPERTIPP: Der dieswöchige Supertipp hat gewissermaßen einen etwas ausgrenzenden Charakter. Schließlich dürfen ausschließlich Berliner an diesem Spaß teilnehmen. Der erste gesamtberliner Volksentscheid hat nichtsdestotrotz bundesweit Schlagzeilen gemacht und ist von überregionaler Bedeutung.

Ich streife nun kurz jegliche Objektivität und Unparteilichkeit ab, und verweise auf das gelungene Statement von berlinstreet zum Thema!
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Und wenn wir schon mal so richtig in Laune sind, unsere Bürgerrechte wahrzunehmen, sei auch der Hinweis auf eine, in Berlin stattfindende Raucherdemonstration gestattet. “Am Sonnabend ist 14 Uhr Treffen vor dem Brandenburger Tor! Anschließend findet eine Kundgebung zum Roten Rathaus statt”
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was so alles los ist, glückwunsch, das gedicht von tucholsky kannte ich noch gar nicht – ist auch wohl eins der schlechteren