Gelegentlich kommt es vor, dass sich Autoren auf der Readers Edition gegenseitig inspirieren. So ist es auch im Vorfeld dieses Beitrags geschehen. Kollege Günthers Rezitation eines Tucholsky-Gedichts beflügelte auch für den heutigen Wochenrückblick. Und so kommt an dieser Stelle der bekannte Lyriker und Pfarrer Eduard Mörike zum Zuge:
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Welch seelenstreichelnde Worte, die uns da pünktlich zum Wochenende entgegenfliegen. Lenken sie doch ein wenig davon ab, wie aufreibend die Themen dieser Woche doch waren…
Im Clinch mit den Zeugen Jehovas und Alarm bei DSDS
Und so begann sie denn auch mit Heinz Peter Tjadens Artikel “Thema Ehe: Jetzt beschreiten Zeugen Jehovas den Klageweg“, den er im Laufe der letzten Tage in mehreren Teilen fortsetzte, ziemlich aufreibend. Schon jetzt scheint Mörikes Balsam nötig, denn der Autor schildert von diesem Samstag an seine Erfahrungen, Begegnungen und natürlich seine Bekanntschaft mit der Justiz, die er im Zuge seiner Publikationen über diese Glaubensgemeinschaft erleben musste und ihm immer noch bevorstehen. Immer wieder stellt er zum Beispiel im Wachturm gemachte Aussagen in Frage. Versucht hinter die Kulissen zu blicken und lässt sich auch durch Anwaltsschreiben nicht beirren. Die Anteilnahme ist vielfältig. Schon Teil 1 seiner Serie regte zu mehr als 60 Reaktionen an. Es bleibt also spannend, wie seine ganz persönliche Geschichte ausgehen wird.
Für Spannung vor den Fernsehern und heimischen Rechnern sorgte auch Julien Germain bzw. seine Ausführungen zu “Deutschland sucht den Superstar”. Am vergangenen Samstag wagt der Autor nun eine zugegeben provokante These: “DSDS-Eklat! Wirft Lukaseder das Handtuch?“. Stein des Anstoßes in dieser “Runde”: Benjamin Herds verpatzter Auftritt, dank eines von Lukaseder gewählten Titels von Justin Timberlake. Sie und Kollege Läsker ließen ihrer Kritik freien Lauf. Der “Mozart von Tötensen” alias Dieter Bohlen jedoch warf sich schützend vor den Sänger und sorgte mit seinen öffentlichen Aussagen über Lukaseders vermeintlich nicht vorhandene fachliche Kompetenz für Wirbel. Als unkollegial bezeichnet das der Autor. Verständnis hätte er für einen Rückzug der um Sachlichkeit und Professionalität bemühten Dame. Bezeugt ihr andererseits aber schon jetzt Größe, falls sie am kommenden Samstag wieder mit von der Partie sein wird. In diesem Sinne, die Show geht in die nächste Runde, warten wir’s ab!
Der Blick in deutsche Schlafzimmer – und ein Abstecher in unser Gehirn
“Absolut treffend dargestellt!”: Mit diesem ersten von zahlreichen Kommentaren tut Autorenkollege Rolf Ehlers seine Meinung kund. Und fürwahr, das Thema, dass sich unser Autor Frank Berg ausgewählt hat, ist nicht ohne. “Das BKA und der Terror“, so seine treffende Überschrift, die ihn im weiteren Verlauf zu grundlegenden Überlegungen über Medien, Gesellschaft und Feindbilder verleitet. “Auch in deutschen Schlafzimmern soll gefilmt werden,” beginnt er mit einem äußerst bildhaften Vergleich des neuen BKA-Gesetzes. Doch was passiert hier wirklich? “(…) hier waltet eigentlich die perpetuierende Penetranz der Logik des Terrors als Waffe der psychologischen Kriegsführung. Mit den Mitteln ‘Angst’ und ‘Lähmung’ hat sie den ‘Verstand der Aufklärung’ ausgeschaltet”, erklärt er die neuerlichen Beschlüsse. Vom Umbau der demokratischen Gesellschaft wird in der Folge gesprochen. Die Verlässlichkeit der Grundrechte sei zunehmend in Frage gestellt, warnt es kurz darauf. “Das ist der Beginn eines beispiellosen Totalitarismus. Die Grundrechte werden unter Berufung auf weltweite Terrorgefahren ausgeschaltet.” Einher geht das Ganze mit einer medialen Kontrolle und Inszenierung. Am Ende seiner Ausführungen treibt es Berg auf die Spitze: In der Logik der Terrorismus-Bekämpfung scheint die Demokratie selbst immer stärker als ein Sicherheitsrisiko zu gelten. Sollte er damit Recht behalten?
Christian Wolfs Frage, “Wer entscheidet hier eigentlich?” scheint da geradezu wunderbar anzuschließen, würde sie nicht auf ein völlig anderes Thema abzielen. Doch bevor wir ins Detail gehen, da heißen wir ihn erst einmal herzlich willkommen auf der Readers Edition. In seinem Debüt befasst sich der Autor mit einem der wohl spannendsten Themen, die derzeit, wie er schreibt, “populärwissenschaftlich durch die Feuilletons des Landes” geistern. Wie steht es also mit unserer Willensfreiheit? Alles nur eine Illusion? Was Hirnforscher wie Rolf Singer schon ahnten, scheint nun durch eine neue Studie gewiss. “Es ist tatsächlich das Gehirn, das unsere Entscheidungen trifft oder zumindest weitgehend vorbereitet.” Niederschmetternd, nicht wahr? Und auch Wolf erklärt: “Die Ergebnisse von Haynes und seiner Forschergruppe reihen sich damit nahtlos in andere Ergebnisse der Hirnforschung ein. Grundtenor ist dabei: Unser bewusstes Leben ist nur ein kleiner Ausschnitt der unbewussten Prozesse, die im Gehirn ablaufen. (…) Das Gehirn hat schon längst Entscheidungen getroffen, bevor wir uns dieser Entscheidungen (nachträglich) bewusst werden.” Am Ende jedoch scheinen auch ihm diese neuerlichen Experimente nicht zu genügen. “Ist die Untersuchung einer einfachen Willkürhandlung – das Drücken eines Knopfes mit der rechten oder linken Hand – geeignet, um das Problem der Willensfreiheit und der moralischen Verantwortlichkeit naturwissenschaftlich zu erforschen?”
Eine Straße für Rudi Dutschke
Erbauliches steht wie immer am guten Schluss: “Es ist eine Entscheidung, die einer Demokratie gut zu Gesicht steht: Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg teilte am vergangenen Montag mit, dass die Umbenennung eines Teils der Kochstraße im Berliner Stadtteil Kreuzberg in Rudi-Dutschke-Straße rechtskräftig sei.”, so beginnt unser geschätzter Autor Claus-Dieter Stille am vergangenen Donnerstag. Der Studentenführer Rudi Dutschke kommt so, 28 Jahre nach seinem Tod, nun doch noch zu Ehren. Auch wenn ihnen einige juristische Querelen zuvorkamen. So hat auch Stille seine Überschrift passend gewählt: “Rudi-Dutschke-Straße: Pfahl am Fleische Springers” titelt er sinngemäß, nachdem eine Klägergemeinschaft, der auch das Verlagshaus Axel Springer angehörte, nun erneut mit ihrem Einwand der Rechtswidrigkeit abgeschmettert ist. “Ironischerweise muss nun die Axel Springer AG hinnehmen, dass in unmittelbarer Nähe ihres Berliner Verlagssitzes ein Stück Straße den Namen des Mannes trägt, welcher von ihrem ‘Zentralorgan’ BILD einst kübelweise mit übelster Hetze überschüttet wurde.” Stellt hierzu Stille – nicht ohne ein sicherlich breites Grinsen im Gesicht – treffend fest. Axel-Springer-Straße trifft nun auf Rudi-Dutschke-Straße: Die vor Wut tomatenroten Gesichter der Verlagsbosse kann er sich nur allzu gut ausmalen. Doch er ist der festen Überzeugung: “Eine Demokratie muss so etwas aushalten.”
Mit diesem Gedanken verabschieden wir uns nun von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser und wünschen auch Ihnen, dass Sie, ganz im Sinne Mörikes, an diesem Wochenende ebenfalls den Frühling vernehmen. Lassen Sie’s sich gut gehen. Machen Sie’s gut. Bis nächsten Freitag!
Ihre Redaktion Readers Edition
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