1. Mai – Feiern und Kämpfen

Heute ist der 1.Mai. Und Feiertag. Manche Kalender weisen den ersten Tag des Wonnemonats als “Mai-Feiertag”, andere als “Tag der Arbeit” aus. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) überschreibt eine geschichtliche Chronik über den 1. Mai auf seiner Website mit GESCHICHTE DES 1. MAI VOM KAMPFTAG ZUM FEIERTAG. Liegt also für uns

Taksim_Square1.jpgHeute ist der 1.Mai. Und Feiertag. Manche Kalender weisen den ersten Tag des Wonnemonats als “Mai-Feiertag”, andere als “Tag der Arbeit” aus. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) überschreibt eine geschichtliche Chronik über den 1. Mai auf seiner Website mit GESCHICHTE DES 1. MAI VOM KAMPFTAG ZUM FEIERTAG. Liegt also für uns gegenwärtig die Betonung auf Feiertag, wenn wir an den “1. Mai” denken? Wenn ja: was hätten wir zu Feiern? Darüber ließe sich trefflich streiten. Schließlich haben wir es inzwischen wieder mit Bestrebungen aus bestimmten Ecken zutun, welche frühere, auch an diesem “1. Mai” (zum Teil blutig) erkämpfte, Errungenschaften für Werktätige, heftig in Frage stellen und allzu gern zurückdrehen würden und es bereits mit Unterstütung aus der Politik auch tun…

Der 1. Mai in der Türkei: Feiertag, aber nicht arbeitsfrei

Die Werktätigen in der Türkei wären sicher froh, unsere Sorgen zu haben. Dort ist der 1. Mai zwar auch Feiertag. Die Regierung konnte sich jedoch entgegen der von ihr zuvor geweckten Hoffungen nicht durchringen, diesen Feiertag auch arbeitsfrei zu machen. Zur Begründung hieß es, der ökonomische Schaden für die türkische Volkswirtschaft sei immens.

Zusätzlich führte Ankara ins Feld, der dem Land und seiner Wirtschaft durch einen arbeitsfreien 1. Mai erwachsene internationalen Wettbewerbsnachteil sei zu groß. Die Gewerkschaften des Landes am Bosporus bezeichnen die von der Regierung vorgebrachten Gründe dagegen als nur vorgeschoben. Und in Anbetracht der Tatsache, dass der 1. Mai in mehr als 140 anderen Ländern der Welt ein arbeitsfreier Feiertag ist, stufen sie die bestehende Regelung als inakzeptabel ein. Für sie ist dieser “1. Mai” durchaus nach wie vor auch ein Kampftag, um ihre berechtigten Forderungen millionenfach öffentlich zu artikulieren. Und zwar nicht selten im wahrsten Sinne des Wortes. Wie jedes Jahr, wird es wohl auch in diesem Jahr, heute, Zusammenstöße von Demonstranten mit den Sicherheitskräften geben. Auch Verletzte dürften dabei bedauerlicherweise wieder zu beklagen sein. Hoffentlich keine Toten!

1977 gab es Tote auf dem Taksim – 2008 wollten die Gewerkschaften wieder auf dem Platz in Istanbul demonstrieren

Die jedoch gab es leider am 1. Mai des Jahres 1977. In Istanbul auf dem Taksim-Platz (TAKSIM MEYDANI). Aufgrund von Provokationen wurden dort 34 Teilnehmer einer Gewerkschaftskundgebung von unbekannten Heckenschützen aus umliegenden Häusern heraus erschossen. Darüberhinaus gab es hunderte Verletzte. Die Sicherheitskräfte hatten 453 Menschen festgenommen. In den darauf folgenden Jahren waren Mai-Kundgebungen auf dem zentralen Taksim-Platz in Istanbul auf Grund dieser schlimmen Vorfälle stets verboten worden. Erst im vergangenen Jahr, am 1. Mai 2007 – 30 Jahre nach dem Massaker auf dem Taksim-Platz – wurde das Taksim-Verbot gebrochen und es konnte trotz massivsten Sicherheitsvorkehrungen und Straßenschlachten in anderen Istanbuler Stadtteilen wieder ein “1.Mai” auf dem zentralen Platz der Megametropole gefeiert werden. Das sollte dieses Jahr wiederholt werden. “Mit 500 000 Werktätigen werden wir den 1. Mai in Taksim, Istanbul mit Nelken in unseren Händen begehen”, forderten Gewerkschafter 2008. “Es ist lächerlich den 1. Mai lediglich als ein Fest der Arbeit zu bezeichnen”, hieß es in einer vom Vorsitzenden der DISK, Tayfun Görgün, im Namen der Beteiligten des 1. Mai – von Türk-Is, über DISK bis KESK und politischen Organisationen und Parteien – verlesenen Erklärung weiter. Seitens der ILO (Internationale Arbeitsorganisation) kommt Unterstützung. Ihr zufolge stellt die Teilnahme an Mai-Kundgebungen eine gesellschaftliche Tätigkeit dar. Und gewerkschaftliche Aktivitäten bedürften keiner Erlaubnis. Auch die türkische Gewerkschaften beklagen ein fortschreitenden Abbau (noch weiter forciert durch die Auswirkungen der Globalisierung) der Rechte von Werktätigen. Die staatlichen Stellen Istanbuls blieben beim Demonstrationsverbot auf den Taksim und verwiesen auf bestehende andere Möglichkeiten, sich zu versammeln.

Istanbul heute: Tausende Sicherheitskräfte gegen Demo auf dem Taksim

Wie Reuters heute meldete, verhinderten türkische Sicherheitskräfte eine unerlaubte 1.Mai-Demonstrationen in Istanbul unter Verwendung von Tränengas und Wasserwerfern. Augenzeugen zufolge riegelten tausende Polizisten den Zugang zum zentral gelegenen Taksim-Platz ab. Schulen in der Nähe blieben geschlossen. Mehrere einflußreiche Gewerkschaften hatten trotz eines Demonstrationsverbotes versucht, Tausende Menschen zwecks einer Versammlung auf dem Taksim zusammen zu trommeln. Wie die Istanbuler Korrespondentin von Funkhaus Europa heute morgen am Telefon berichtete, seien allein um die 9000 Sicherheitskräfte aufgeboten worden, um ein nahe des Taksim gelegenes Gewerkschaftshaus mit demonstrationsbereiten Menschen darin abzuriegeln…

Hauptsache friedlich

Heute ist der 1. Mai. Uns in Deutschland gibt dieser Tag genug Anlaß zum Feiern. Allerdings bieten sich auch uns von Jahr zu Jahr stets mehr Gründe, um zu kämpfen. Zum Beispiel für einen Mindestlohn und und eine wieder vermehrte soziale und Steuergerechtigkeit; sowie gegen Armut und moderne Sklaverei. Oder auch dafür, dass die Deutsche Bahn zum Wohle des ganzen Volkes in Staatshand behalten, nicht an der Börse verschachert wird und deren Dienstleistungen der allgemeinen Daseinsvorsorge verpflichtet bleiben.

Dass zudem mancheiner heute auch noch Herren oder Vatertag, Himmelfahrt, feiert, ist ein kalendarischer Zufall. Aber nicht jeder Manns – schon gar nicht jeder Frau’s – Sache. Allein schon wegen des dabei oft übertriebenen Alkoholgenusses. Feiern oder Kämpfen, das ist hier die Frage. Hauptsache es bleibt friedlich!

Kommentare

Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*