“Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Kommunist. Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Sozialdemokrat. Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschafter. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.”
Diese Zeilen von Pastor Martin Niemöller, den Adolf Hitler für seinen “persönlichen Gefangenen” gehalten hat, sind eine immer noch aktuelle Mahnung, Unrecht im Keim zu ersticken und nicht weg zu schauen, wie es viele vor 75 Jahren getan haben. Die “Zeichen der Zeit” standen im Frühjahr 1933 auf Vernichtung Andersdenkender.
Wille des Volkes erfüllt
Das Propagandablatt der Faschisten titelte am 24. März 1933: “Der Wille des Volkes erfüllt: Der Reichstag übergibt Adolf Hitler die Herrschaft – Annahme des Ermächtigungsgesetzes mit der überwältigenden Mehrheit von 441 gegen 94 Stimmen der SPD.” Daneben standen im “Völkischen Beobachter” Einspalter mit den Überschriften “Freie Bahn für die Regierung der nationalen Revolution” und “Der Führer verpflichtet S.A. und S.S. zu weiterer treuer Gefolgschaft”.
Auf die konnte sich Adolf Hitler auch am 2. Mai 1933 verlassen. Vor 75 Jahren stürmten S.A. und S.S. die Gewerkschaftshäuser in Deutschland, Redaktionsbüros der Gewerkschaftspresse und die Büros der Gewerkschaftsbank. Funktionäre wurden in so genannte “Schutzhaft” gesteckt.
Segel gestrichen
Dabei hatte der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund (ADGB) bereits am 15. April 1933 die antifaschistischen Segel gestrichen, als er diesen Aufruf veröffentlichte: “Wir begrüßen es, dass die Reichsregierung diesen unseren Tag (gemeint ist der 1. Mai, der Verf.) zum gesetzlichen Feiertag der nationalen Arbeit, zum deutschen Volksfeiertag erklärt hat. An diesem Tag soll nach der amtlichen Ankündigung der deutsche Arbeiter im Mittelpunkt stehen. Der deutsche Arbeiter soll am 1. Mai Standes bewusst demonstrieren, soll ein vollberechtigtes Mitglied der deutschen Volksgemeinschaft werden.”
Gut zwei Wochen später wehten auf den Gewerkschaftshäusern Hakenkreuzfahnen, wurden Gewerkschaftsmitglieder verprügelt und verschleppt. Die Nazis feierten diese gewaltsame Gleichschaltung auf einem Plakat, das einen Mann mit Schlips und Kragen zeigte, der einen Zirkel in der rechten Hand hält, daneben stand ein muskelbepackter Mann mit Hammer in der linken Hand. “Wir bleiben Kameraden” stand darunter.
Gib uns vier Jahre Zeit
“Deutsches Volk, gib uns vier Jahre Zeit, dann urteile und richte über uns”, hatte Adolf Hitler am 10. Februar 1933 im Berliner Sportplatz ausgerufen, an gleicher Stelle beschwor Reichspropagandaminister Joseph Goebbels am 18. Februar 1943 den Untergang: “Wollt ihr den totalen Krieg?”
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mein vater war kommunist im dritten reich und ist dem kz nur knapp entronnen. ich, als sohn, bin dankbar, daß noch einmal daran erinnert wird, daß die weimarer demokraten das ermächtigungsgesetz erst inkraft gesetzt haben.