Herr Kollege: Stéphane Amar, Westschweizer Fernsehen TSR, Jerusalem
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Stéphane, die 60-Jahr-Feiern zur Gründung des Staates Israel rücken näher, respektive al-Nakba, die Katastrophe wie die Palästinenser dies nennen. Interessieren sich Deine Sender dafür?
Ja, natürlich. Ich habe im Moment viel zu tun. Die Redaktionen wünschen insbesondere Berichte über die israelische Gesellschaft. So drehten wir beispielsweise einen Bericht über das ökonomische Wunder Israel, aber auch über den ständig wachsenden sozialen Graben innerhalb der Gesellschaft. Eine weitere Reportage zeigt die großen Unterschiede zwischen religiöser und säkularer Welt: anhand eines Ultra-Orthodoxen und eines sehr säkularen Bewohner Tel Avivs. Und natürlich versuche ich zu vermitteln, wie die Palästinenser diesen Geburtstag sehen.
Du arbeitest für schweizerische, belgische und französische Medien. Gibt’s Unterschiede im Zugang der Medien dieser drei Länder zum Nahen Osten?
Nein, eigentlich nicht. Allenfalls was die Form betrifft. Die Belgier bevorzugen vor allem menschliche Reportagen, Portraits. Die Schweizer konzentrieren sich auf News-Berichte. Häufig allerdings versuche ich, dasselbe Thema angepasst beiden Sendern, also in der Schweiz und Belgien, zu übermitteln. Für “Arte” kann ich dagegen in der Regel längere Geschichten mit einem analytischeren Zugang drehen.
Du hast soeben Dein erstes Buch veröffentlicht, “Les meilleurs ennemis du monde”, ein Buch über die Nachbarn Israeli und Palästinenser. Sind ja nicht wirklich “gute Nachbarn”…
Ich habe versucht zu zeigen, dass es eine andere Realität gibt. Eine Realität, die nicht nur vom Konflikt geprägt ist; ein Konflikt nota bene von vergleichsweise tiefer Intensität, wenn man in den Irak oder Somalia schaut. Trotz des Krieges, trotz der Mauer, trotz des Hasses stehen Tausende von Juden und Araber im täglichen Kontakt miteinander, arbeiten und studieren zusammen und sind teilweise auch wirkliche Freunde. Immerhin leben ja über eine Million Araber innerhalb der israelischen Staatsgrenzen. Und ich habe Erstaunliches gehört während meiner Recherchen für das Buch. Kannst Du Dir vorstellen, dass mir Palästinenser in Gaza gesagt haben, sie würden die Juden nach dem Rückzug der Siedler aus dem Gaza-Streifen vermissen?
Also glaubst Du im Ernst noch an einen “Frieden” zweier Gesellschaften, die sich mittlerweile dermaßen weit auseinander gelebt haben?
Natürlich ist die Politik sehr zerstritten, was sehr schwerwiegend ist und geregelt werden muss. Aber ich glaube nicht daran, dass die Trennung von Völkern mit einer großen Beton-Mauer eine langfristige Lösung ist. Und ich räume ein, dass auch ich die wundersame Lösung des langjährigen Konflikts nicht gefunden habe.
Stéphane, was wird Dich die nächsten Wochen journalistisch beschäftigen?
Ich werde meine Beiträge über die israelische Gesellschaft zu Ende drehen und schneiden. Und dann werde ich versuchen, ein bisschen Publizität für mein Buch zu schaffen…
Dieser Beitrag erschien zuerst auf andremarty.com.









