Sie sind am 10. Mai 1933 auf dem Berliner Opernplatz und auf vielen weiteren öffentlichen Plätzen verbrannt worden: die Werke von August Bebel, Karl Marx, Karl Liebknecht, Walter Rathenau, Max Brod, Lion Feuchtwanger, Egon Erwin Kisch, Thomas Mann, Heinrich Mann, Klaus Mann, Erich Maria Remarque, Artur Schnitzler, Ernst Toller, Kurt Tucholsky, Artur Zweig, Stefan Zweig, Bertha von Suttner, Anna Seghers und Bertolt Brecht. In Flammen aufgehen sollte “undeutscher Geist”, für lesenswert hielten die Faschisten die Bücher von Hans Grimm, Ernst Jünger, Gregor Strasser und Adolf Hitler.
Letzterer war seit dem 30. Januar 1933 Reichskanzler von Deutschland, Reichspräsident von Hindenburg hatte ihm um 11 Uhr die Ernennungsurkunde in die Hand gedrückt, anschließend fuhr Hitler in die Reichskanzlei und kündigte an: “Keine Macht der Welt wird mich hier lebend wieder herausbringen.” Dieses Versprechen hielt er – alle, die ihn für einen vorübergehenden Spuk hielten, irrten sich.
In der Nummer 34 der “Arbeiter Illustrierten Zeitung” hatte John Hartfield 1932 eine Fotomontage veröffentlicht, die Hitler mit einer Pickelhaube zeigte, darunter stand “Ich führe euch herrlichen Pleiten entgegen”. Auch Kurt Tucholsky spottete über den eingebürgerten Österreicher, nannte ihn einen “hergelaufenen Mongolenwenzel”, einen “Anstreicher” und “Mann mit dem bierigen Organ”. Sollte Hitler Reichskanzler werden, geschehe dies: “Wie sie regieren werden? Viel harmloser, als die maßlos enttäuschten, aber bald gebändigten Kleinbürger glauben. Ein paar Zuchthausstrafen, ein paar Roheiten gegen die Juden, gegen eine Handvoll Republikaner, Beschränkung des Reichsbanners, Verbot der KPD – weiter nichts.”
Frieden da draußen?
Zur nationalsozialistischen Außenpolitik schrieb der 1890 geborene Schriftsteller: “Eine Art Frieden da draußen. Verklausulierte Weiterzahlung der Schmachtribute, natürlich, wer kann schon auf den Mond fliegen? Hin und Her! Verhandlungen mit England, Genf und an alle: Versprechen der absoluten Bolschewistenfeindlichkeit.”
Der Publizist Carl von Ossietzky war am 7. Februar 1933 immer noch sicher, dass die Schwerindustrie Hitler bald wieder fallenlassen würde. 1933 musste Kurt Tucholsky emigrieren und beging Selbstmord, Carl von Ossietzky starb 1938 in einem KZ.
Der erste Bundespräsident Theodor Heuß verfasste vor der Machtergreifung der Faschisten eine Schrift mit dem Titel “Hitlers Weg” und äußerte Verständnis dafür, dass Hitler auf das Erreichte stolz war: “… er hat Grund dazu.” Dass dieser Weg in einer Diktatur enden würde, glaubte Heuß nicht.
Kurioseste Regierung
“Die kurioseste Regierung, die Deutschland je hatte” (“Frankfurter Zeitung”, 31. Januar 1933) wurde am 10. Februar 1933 von dem Publizisten Bertrand de Jouvenel sogar noch bemitleidet: “Ich würde mich nicht wundern, wenn Hitler jetzt die trübste Stunde seines Lebens durchleben würde, denn die ihn umgebende Atmosphäre ist weit von der entfernt, die er sich erträumt.”
Sie ließen Hitler also machen, weil sie glaubten, dass er nicht weit kommen würde – und so verweigerte die KPD am 12. Februar 1933 der SPD ein gemeinsames politisches Vorgehen gegen die NSDAP, die den Reichstagsbrand vom 27. Februar 1933 für ihre Propagandazwecke nutzte: “Zerstampft den Kommunismus! Zerschmettert die Sozialdemokratie!” Als Hitler bei der letzten Reichstagswahl am 5. März 1933 eine Schlappe erlitten hatte, zeigte er sein wahres Gesicht. Die Kommunisten verloren ihre Mandate, die letzte SPD-Zeitung wurde verboten.
Der französische Außenminister Barthou erkannte das wahre Gesicht des Faschismus aber auch im Oktober 1933 immer noch nicht: “Wenn es auf der Welt einen Mann gibt, der heute den Frieden will, dann ist es Hitler. Heute, glaube ich, müssen wir Hitlers Worten glauben: er will keinen Krieg.”
Man ließ Hitler also gewähren, am 10. Mai 1933 brannten Bücher, ab 1. September 1939 brannte die Welt…
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Sollte man sich bei dieser Schlagzeile „Wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen“ nicht wundern, dass Heute über 6 mal mehr politische Bücher verboten sind wie damals?