“Wochenend’ und Sonnenschein, und dann mit Gaby ganz allein…”, so trällerte einst Otto Waalkes in einem seiner berühmten Klamauk-Filme. Nun, eine “Gaby” hat sicherlich nicht jeder zu Hause. Aber das Wochenende steht auch heute vor der Tür. Die Laune steigt, die Sonne scheint und dazu gibt es noch einen freien Tag mehr im Gepäck. Bevor sich jedoch alle Welt ins Grüne verabschiedet, hier noch eine kleine Auswahl lesenswerter Beiträge aus der vergangenen Woche.
Vielseitiges Engagement im Großen und im Kleinen
“Schweig oder stirb“, heißt es da etwa am vergangenen Sonntag auf der Readers Edition. Potsblits erinnerte in seinem äußerst lesenswerten Beitrag noch einmal an den 3. Mai – dem Internationalen Tag der Pressefreiheit – an dem die mexikanische Journalistin Lydia Cacho Ribeiro den diesjährigen Giollermo-Cano-Preis erhielt. “Die Jury zeigte sich von dem Mut dieser gegen politische Korruption und organisiertes Verbrechen kämpfenden Freelancerin beeindruckt. Trotz Repressalien, Todesdrohungen und einem Mordversuch berichtete sie über die Verstrickung von Geschäftsleuten, Politikern und Drogenhändlern in Prostitution und Kinderpornografie.”, erklärt er die Entscheidung, die ganz unter dem Zeichen der Organisation “Frei und ohne Angst berichten” stand. Immerhin beklagt die mexikanische Journalistenorganisation FELAP 46 Todesopfer in Mexiko seit 2000 – “eine der höchsten Zahlen weltweit”. Ribeiro, die ihre Rede im Internet veröffentlichte appelliert indes eindringlich an ihre Kollegen: “Als Journalisten sollten wir niemals die Boten höherer Mächte sein. Noch sollten wir uns Angst und Selbstzensur ausliefern.” Einer Botschaft, der nichts mehr hinzuzufügen ist.
Auf Engagement ganz anderer Art macht uns am letzten Dienstag Claus-Dieter Stille in seinem Beitrag “Eine Kinderoper für Dortmund” aufmerksam. Denn seit 5. Mai hat das Wirtschafts- und Handelszentrum Westfalens eine eigene Kinderoper – “das erste eigens für Kinder neu erbaute Musiktheatergebäude in Deutschland”. Die Intention hinter der Idee “Mit Kindern für Kinder” von Opernintendantin Christine Mielitz: “Kinder werden von Anfang an mit in die Arbeit am neuen Haus eingebunden sein. Auf diese Weise sollen die jüngsten – die erwachsenen Zuschauer von morgen – früh mit Musiktheater in Verbindung gebracht und so behutsam an Oper herangeführt werden.” Dabei geben sie beileibe nicht nur die passiven Zuschauer, nein, die Kleinen, sollen sich hier als kleine Künstler oder auch auf andere Art aktiv mit einbringen. Spätestens seit “Kein Kind ist unmusikalisch” ist klar wie wichtig solche Initiativen sind. Deshalb heißt es auch hier: Hoch die Tassen! Auf die neue Kinderoper!
Gräueltaten der Vergangenheit
10. Mai 1933: Auf dem Berliner Opernplatz brennen sie, genauso wie auf vielen anderen öffentlichen Plätzen in Deutschland. Die furchtbare Tat der Bücherverbrennung ist denn auch, kurz bevor sich das Ereignis jährt, das Thema von Heinz-Peter Tjaden, der seinen Beitrag mit “Bücher gehen in Flammen auf: Sechs Jahre später steckt Hitler die Welt in Brand” überschreibt. August Bebel, Karl Marx, Karl Liebknecht, Walter Rathenau, Max Brod und viele andere Werke herausragender Autoren fielen dem Urteil der Faschisten zum Opfer. “Undeutscher Geist” sollte in Flammen aufgehen und lieber Bücher von Hans Grimm, Ernst Jünger, Gregor Strasser und Adolf Hitler gelesen werden. Damals, im Jahr 1933, wurde die “kurioseste Regierung, die Deutschland je hatte” noch bemitleidet, zitiert Tjaden einen Zeitzeugen. Ein fataler Fehler, wie sich alsbald herausstellte. Denn keiner glaubte damals, dass er weit kommen würde. “Man ließ Hitler also gewähren, am 10. Mai 1933 brannten Bücher, ab 1. September 1939 brannte die Welt…” Eine wichtige Mahnung aus der Vergangenheit an das Hier und Jetzt.
Der Krieg und seine Folgen bestimmen auch den Beitrag von Sinisa Boljanovic. “Serbien: Erziehungsfragen“, so der schlichte Titel. Dahinter verbirgt sich jedoch eine spannende Diskussion unter Bloggern, die sich in ihren Beiträgen Gedanken über die vermeintlich falsche Erziehung ihrer Kinder machen. “Die jungen Eltern in Serbien waren Kinder, als vor über 10 Jahren Krieg herrschte. Viele hatten eine schwierige Kindheit und haben heute Probleme als Eltern.” Verbale und körperliche Bestrafung seien an der Tagesordnung. Alternativen wären nicht bekannt. Die düstere Prognose von Zeljko Markovic: “In Zukunft wird es eine Generation von frustrierten Serben geben, die große soziale und psychische Probleme und Krankheiten haben werden.” Seine Forderung: “Die Regierung muss Einfluss ausüben, um die Erziehungsmethoden des 19. Jahrhunderts durch neue Methoden zu ersetzen.” Dem entgegen tritt zum Beispiel Zeljka Buturovic, der der Meinung ist: “Von einigen Extremfällen abgesehen gibt es keinen Grund zu glauben, dass verbale und physische Strafen die Persönlichkeit eines Kindes dauerhaft schädigen.” Ein Dritter relativiert gar die ganze Problematik und erklärt schlicht: “Liebt Eure Kinder!” Ob das allerdings ausreicht?
Ein Blick in den Iran
“Iran: Inflation und unerreichbare Tomaten“, was da in Hamid Tehranis Überschrift noch fast harmlos klingt, nimmt im weiteren Verlauf geradezu dramatische Züge an. “Die iranische Regierung hat oft geleugnet, dass es Inflation gäbe, es sei nur eine Erfindung der Ausländer und ihrer Medien.”, läutet er das Thema ein. Doch nun wird es offensichtlich: Seit Monaten sei die Inflation im Iran schneller und stärker denn je. Gründe sind vor allem in den gestiegenen Lebensmittelpreisen als auch in einer verfehlten Finanzpolitik zu suchen. Hamid Tehranis Beitrag ergießt sich an dieser Stelle allerdings nicht in wirtschaftstheoretischen Analysen. Vielmehr gibt er nun den Bloggern eine Stimme und gewährt auf diese Weise einen spannenden Blick in den Alltag der Menschen, die damit nun – teils mehr schlecht als recht – umgehen müssen. Eine der prägnantesten Wortmeldungen kommt hier zum Beispiel von Azarmoghan, der scherzhaft meint: “die Tomaten seien so teuer geworden, dass man sich stolz mit ihnen fotografieren lässt. Sie haben bereits die Banane als wertvollstes Obst abgelöst.” “Diese Originalstimmen aus dem Iran sind absolut spannend!”, erklärt am Ende des Artikels ein Kommentator. Und dem kann man sich nur anschließen. Authentischer kann ein Einblick in die hiesigen Verhältnisse kaum sein.
Nun sind wir auch schon am Ende unseres kleinen Wochenrückblicks angelangt. Die Sonne strahlt immer noch kräftig vom stahlblauen Himmel herab. Wir wünschen Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, erholsame freie Tage und allen Müttern natürlich einen schönen Muttertag!
Ihre Redaktion Readers Edition
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