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Iran: Inflation und unerreichbare Tomaten

Freitag, den 9. Mai 2008 um 13:55 Uhr von Hamid Tehrani
Granatäpfel im verschneiten Iran. Photo: Varahran

Die iranische Regierung hat oft geleugnet, dass es Inflation gäbe, es sei nur eine Erfindung der Ausländer und ihrer Medien. Aber in den letzten Monaten ist die Inflation im Iran schneller und stärker denn je. Das hängt zum einen an den gestiegenen Lebensmittelpreisen, aber - wie viele vermuten - auch an einer verfehlten Finanzpolitik. Mehrere Blogger haben darüber geschrieben, wie sie die Inflation im Alltag erleben.

Hilflose Bauern und “sorglose Führer”

Eghtesaddaneh schreibt [FA], die iranischen Bauern werden von der Regierung weder geschützt noch repräsentiert. Er fügt hinzu:

Das Landwirtschaftsministerium vertritt eher die Mittelschicht und die Angestellten, als die Bauern. Die Bauern bilden die Stille Klasse. Habt ihr sie je protestieren gehört? Habt ihr je gehört, dass der Minister für Landwirtschaft gegen die Hindernisse des freien Handels protestiert?

Er fügt hinzu, es gäbe nach Naturkatastrophen keine Hilfe für die Bauern, anders als in den meisten Industrieländern und in Lateinamerika. “In meiner Heimatstadt Kashan sind die Granatäpfel-Gärten von der Kältewelle fast zerstört worden.”

Athalolah Mohajerani, der frühere reformatorische Kulturminister erklärte, die Inflation habe nichts mit dem Nachfragedefizit zu tun. Der einflussreiche Kleriker Mahdavi Kani hatte zuvor das Gegenteil behauptet. Der Blogger moniert, die Regierung würde nicht auf die Experten hören. Ihr Populismus und ihre Phrasen-Politik sei Schuld an der Inflation.

Soweyda schreibt [FA], dass der Präsident des iranischen Parlaments, Hadad Adel, zugab dass es möglicherweise Inflation im Land gäbe, aber wenigstens habe man Sicherheit. Der Blogger vermutet, dies sei eine Anspielung auf die Sicherheitslage in den Nachbarstaaten gewesen - doch auch die Inflation und wirtschaftliche Probleme können die Sicherheit bedrohen.

Gebrochene Versprechen

Dehyari schreibt [FA], Inflation könne nicht durch Reden bewältigt werden. Der Blogger sagt:

Als Ahmadinejad vor zwei Jahren zum ersten mal eine Inflation leugnete, sagte er es sei die niedrigste der letzten 20 Jahre. Vor nur sechs Monaten versprach er dann eine bessere Zukunft - aber diese Statements waren alle falsch.

Der Blogger meint, die Gesellschaft könne die steigende Inflation nicht mehr hinnehmen. Dehyari glaubt, dass Ahmadinejads Entscheidungen nicht auf Sachverstand oder rationalen Erwägungen beruht.

AmirKhosro berichtet [FA], 10 Parlamentarier haben Ahmadinejad und drei Minister vor der Inflation gewarnt.

Die Islamic Association of Shahr Kurd Students meldet [FA], der frühere Parlamentsvorsitzende Mehdi Karoubi habe kürzlich Ahmadinejad kritisiert - er solle sich um die Grundversorgung der Menschen kümmern, anstatt nach der Weltherrschaft zu streben.

Unerreichbare Tomaten

Tomaten auf dem Markt von Hamadan.
Photo: Mary Loosemore

Azarmoghan witzelt [FA], die Tomaten seien so teuer geworden, dass man sich stolz mit ihnen fotografieren lässt. Sie haben bereits die Banane als wertvollstes Obst abgelöst.

Parse dar Bozorgrah schreibt [FA], Ahmadinejad habe letztes Jahr gesagt, die Tomaten aus der Region seien für die Menschen erschwinglich, aber dieses Jahr scheinen sich alle mit den hohen Preisen abgefunden zu haben. Aus manchen Sandwiches sind die Tomaten verschwunden!

Shagrad sagt [FA], Tomaten kosten etwa 2 Euro pro Kilo, während ein Arbeiter nur 80 Euro im Monat verdient!

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Global Voices. Die Übersetzung erfolgte durch Clemens Harten, Teil des “Project Lingua“. Die Veröffentlichung auf der Readers Edition erfolgte mit freundlicher Genehemigung von Global Voices.

Photo Quelle/Copyright: Varahran, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr; Mary Loosemore, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr

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2 Reaktionen zu “Iran: Inflation und unerreichbare Tomaten”

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  1. Rainhelt

    am 9. Mai 2008 um 14:11 Uhr | Link | Kommentar melden

    Nicht Lachen: Mein Friseur ist Iraner und ich lieben ihn ;)

    Er hat den größten Teil seiner Familie noch im Iran. Sein Vater, ehmaliger Universitätsprof., lebt heute am Rande des Exiostenzminimums, da er dem Regime nicht in den Kram paßt.

    Auch von dort höhre ich neben der (weltweiten) Teuerung im Bereich Lebensmittel von einer generellen Teuerung. Insbesondere der Immobiliensektor muss extrem sein!

    Diese Originalstimmen aus dem Iran sind absolut spannend!

  2. Holger Finn

    am 9. Mai 2008 um 23:09 Uhr | Link | Kommentar melden

    nachfragedefizit führt zu inflation? ja wie denn das?

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