Am Donnerstag feierte Israel seinen 60. Jahrestag der Staatsgründung. Stephan Vopel, Projektmanager der Bertelsmannstiftung in Israel, zieht noch einmal Resümee.
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RE: Was verbindet Sie persönlich mit Israel, was verbinden Sie mit diesem Tag?
Vopel: Ich kenne Israel seit meinem ersten Aufenthalt als Volunteer in einem Kibbutz 1981. Damals war ich fasziniert von der Vielfalt der persönlichen Erfahrungen mit den Menschen dort. Das reichte von Gesprächen mit Holocaust-Überlebenden bis hin zu Neueinwanderen aus aller Welt und ihrem Pionier-Geist, aber auch der Kritik an der Politik in den besetzten Gebieten. Diese Spannbreite kennzeichnet Israel bis heute.
RE: Wie resümieren Sie 60 Jahre Israel, worauf kann das Land in den 60 Jahren möglicherweise besonders stolz sein?
Vopel: Der Staat Israel ist unter dem Strich eine Erfolgsgeschichte. Es ist gelungen, einen stabilen jüdischen und demokratischen Staat zu schaffen, der eine Heimat für Juden aus aller Welt geworden ist, eine enorme Integrationsfähigkeit bewiesen hat und wirtschaftlich prosperiert. Ungelöst bleiben insbesondere die langfristige Integration der arabischen Israelis sowie vor allem die Gründung eines palästinensischen Staates.
RE: Wie haben Sie die in- und ausländische Berichterstattung in den Medien am gestrigen Tag wahrgenommen?
Vopel: Insgesamt als ausgewogen.
RE: Wie empfinden die Palästinenser, muslimisch-arabischen und christlichen Israelis diesen Tag – Gab es Demonstrationen und Gedenkfeiern zur “Nakba” (Katastrophe), wie ihn Palästinensergruppen bezeichnen? – Darüber wird ja bisweilen nicht berichtet.
Vopel: Für die arabischen Israelis bleibt die Selbsdefinition der jüdischen Israelis Israels als eines jüdischen und demokratischen Staates ein unaufgelöstes Paradox. Das wiegt schwerer als die schmerzhaften Erinnerungen an die Vergangenheit.
RE: Glauben Sie, dass es je ein Friedensabkommen mit den Palästinensern geben wird?
Vopel: Ja!
RE: Wie sehen Sie die politische Situation in Israel derzeit? Laut Umfragen ist die Bevölkerung ja nicht sehr mit ihrer Führung zufrieden, der Korruptionsskandal belastet Premier Olmert schwer.
Vopel: Die innenpolitische Lage Israels ist seit den 70er Jahren schwankend. Es gibt – wie in den meisten westlichen Ländern auch – keine großen stabilen politischen Lager mit Bindekraft und auch die großen politischen Persönlichkeiten fehlen. Problematisch ist dies insbesondere deshalb, weil die Herausforderungen, denen Israel sich gegenüber sieht, existenzieller Natur sind.
RE: Was wird die Zukunft Israels in der Zukunft bestimmen, was sind möglicherweise die größten Bedrohungen für das Land bzw. sein Gleichgewicht? Und welche Lösung sehen Sie im Konflikt mit dem Iran?
Vopel: Die Zukunft Israels als demokratisches Gemeinwesen in einer instabilen Region hängt davon ab, das es einen tragfähigen Ausgleich mit den Palästinensern findet. Die aggressive Politik des Iran ist eine Bedrohung nicht nur für Israel, sondern für alle Staaten der Region.
RE: Das Verhältnis Israels zu Deutschland ist – zumindest offiziell – entspannt wie nie zuvor. Sehen Sie das auch so oder sehen Sie hier noch Luft für Verbesserungen?
Vopel: Die sehr guten Beziehungen zwischen Deutschland und Israel auf politischer Ebene sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Beziehungen in einem fundamentalen Wandel insbesondere aus deutscher Perspektive befinden. Für die meisten Deutschen ist Israel heute nicht nur ein Staat wie jeder andere auch, sondern sie tun sich schwer damit, die reale Existenzlage Israels und ihre sicherheitspolitischen Auswirkungen zu verstehen. Wünschenswert wäre daher nicht die vorbehaltlose Unterstützung jeder israelischen Politik, sondern eine realistische Analyse, kritische Solidarität und vor allem der außenpolitische Einsatz für Frieden und Sicherheit in der Region.
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*Der gregorianische Kalender sieht den 14. Mai als Unabhängigkeitstag vor, nach dem hebräischen Kalender begeht Israel diesen bereits eine Woche früher.
Quelle Photo und mehr über Stephan Vopel auf bertelsmann-stiftung.de
Wellness-Journalismus. Nicht eine kritische Frage zur israelischen Kriegstreiberei. Händchen Halten mit Bertelsmann, der größten neoliberalen Lobby-Krake Deutschlands. Mehr davon und ich bin weg.