“In Humanae vitae geht es um die Treue zum Schöpferplan Gottes, für dessen Verwirklichung die Kirche das natürliche Sittengesetz auslegt; jeder eheliche Akt muß von sich aus auf die Erzeugung menschlichen Lebens hingeordnet sein.
Liebende Vereinigung von Mann und Frau und Fortpflanzung sind jene Sinngehalte des ehelichen Aktes, deren unlösbare Verknüpfung der Mensch nicht eigenmächtig auflösen darf.
Jede Handlung, die entweder in Voraussicht oder während des Vollzugs des ehelichen Aktes oder im Anschluß an ihn beim Ablauf seiner natürlichen Auswirkungen darauf abstellt, die Fortpflanzung zu verhindern, sei es als Ziel, sei es als Mittel zum Ziel, ist verwerflich”, so hat der Alt-Diozösanbischof Dr. Kurt Krenn am 25. Juli 1993 in einem Schreiben an die “Priester und Gläubigen” die siebte und letzte Enzyklika von Papst Paul VI aus dem Jahr 1968 in Erinnerung gerufen.
In diesen Tagen kramte auch Papst Benedikt XVI diesen Erlass wieder hervor und ermahnte junge Leute, Sex nicht als Droge zu empfinden. Auch angesichts neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse bleibe die Lehre von ‘Humanae vitae’ aktuell und provoziere damit immer noch zum Nachdenken. Wenn das Haben wichtiger sei als das Sein, verliere das Leben an Wert.
Schriftstellerin ist entsetzt
Für Aufregung sorgt der deutsche Papst damit nicht mehr, die Medien haben Kurzmeldungen verbreitet und sind zur Tagesordnung übergegangen, während sich im April 2008 die Schriftstellerin Gabriele Kuby beim 3. Internationalen Kongress “Treffpunkt Weltkirche” in Augsburg entsetzt darüber gezeigt hat, dass sich die österreichische SPÖ-Abgeordnete Gisela Wurm auf europäischer Ebene für die staatliche Finanzierung von Verhütungsmitteln und für Verhütungsunterricht als Pflichtfach stark macht.
Auch solche Vorträge zeigen kaum noch öffentliche Wirkung, 1968 ist das noch anders gewesen. Papst Paul VI platzte mit seiner Enzyklika mitten in die sexuelle Revolution, Frauen hatten nichts mehr zu verlieren, auch nicht ihre Unschuld, Sex sollte heraus aus der Schmuddelecke und mitten hinein ins vergnügliche Leben, Abtreibungen sollten nicht mehr lebensgefährlich und dazu auch noch strafbar sein. Schon der sozialdemokratische Justizminister Gustav Radbruch hatte 1921 festgestellt: “Noch hat nie eine reiche Frau wegen § 218 vorm Kadi gestanden.”
Kein natürliches Sittengesetz
Das von Papst Paul VI proklamierte natürliche Sittengesetz war gar nicht so natürlich wie von diesem und anderen katholischen Kirchenoberhäuptern behauptet, es diente den Männern und schadete den Frauen, die mit wachsendem Körperbewusstsein feststellten, dass sie mit sich viel zu lange hatten machen lassen, was Männern in den Sinn kam.
Auch Sittengesetze sind dem Wandel unterzogen – und bis heute kam noch kein Papst auf die Idee, biblische Stammväter zu verdammen, weil sie mit Sklavinnen Kinder zeugten oder Inzest trieben.
Menschliches Leben entstand im Alten Testament nämlich nicht immer aus einem ehelichen Akt und beispielsweise für die Frau von Abraham war das Haben wichtiger als das Sein, als sie ihren Mann aufforderte, die Mutter seines ersten Sohnes in die Wüste zu schicken, denn nun hatten sie ein gemeinsames Kind, dessen Erbe nicht in Gefahr geraten sollte. Solch ein Verhalten könnte man durchaus als verwerflich einstufen…
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