Schreckliche Bilder erreichten uns die letzten Tage aus dem Libanon: Schüsse und Straßenkämpfe, 80 Tote, der Aufstand der Gotteskrieger zeigt ein anderes Gesicht des Libanon, dessen Situation durch Kriege mit Israel immer wieder dem Judenstaat in die Hände geschoben wurde. Nun kommt aber das wahre Gesicht eines Landes wieder ans Licht, welches von ethnischen und religiösen Unterschieden geprägt und immer wieder durch radikale Gruppierungen und dem großen Nachbarn Syrien politisch erschüttert wird.
Die Hisbollah versucht einen neuen Show-Down
Gegen das Versprechen, die Libanesen vor israelischen Angriffen zu schützen, greift sie nun selbst die eigenen Leute an. Das Säbelrasseln der Gotteskrieger, das von Syrien und dem Iran unterstützt wird, zeigt auf, dass längerfristig die staatlichen Strukturen der Terrororganisation Nasrallahs nicht länger für den nach Unabhängigkeit strebenden libanesischen Staat hinnehmbar sind. Ein Tag nach Ausbruch der Kämpfe forderte Libanons Ministerpräsident Seniora die Schaffung angemessener Konditionen im Land:
- Die Armee soll alle Angelegenheiten der nationalen Sicherheit übernehmen, was den Abzug von Militanten von den Straßen und die Kontrolle über Hisbollahs Kommunikationsnetzwerk und dessen Kontrolle der Flughafensicherheit bedeuten würde.
- Es soll unverzüglich ein unabhängiger Präsident gewählt und eine nationale Einheitsregierung gebildet werden, in der niemand seinem Glauben anderen aufzwingen kann.
- Es soll ein unabhängiges neues Wahlgesetz im Parlament verabschiedet werden.
- Es soll ein “gentlement´s agreement” abgeschloßen werden, welches Bestimmungen der Medienethik regeln soll.
Es sind staatliche Forderungen, die nicht nur die Macht der Hisbollah beschneiden soll, sondern auch zeigt, wie stark die Hisbollah schon den Staat untergraben hat. Diese Entwicklung wurde nicht zu Letzt unter dem Deckmantel der Vereinten Nationen vertuscht, die zwar offiziell im Jahr 2006 durch den Waffenstillstand zwischen Hisbollah und Israel und der UN Resolution 1559 (2004) die Entwaffnung der Hisbollah forderte, aber stattdessen schon zwei Jahre tatenlos zusah, wie sich die Hisbollah weiter militärisch stärkte, um gegen Israel und nun auch gegen das eigene libanesische Volk Terror auszuüben.
Wie die Hamas in Gaza hat die Hisbollah nur ein Ziel: staatliche und demokratische Strukturen zu zerstören und stattdessen einen Gottesstaat aufzubauen. Um das Ziel durchzusetzen erspart man sich auch nicht über Leichenberge zu gehen. Kann man mit solchen Milizionären und Fundamentalisten noch verhandeln? Wie weit können Gespräche mit Terrororganisationen wie der Hamas und Hisbollah erfolgsversprechend sein?
Hier zeigen sich die Grenzen des heutigen Nationalstaats auf, der von nichtstaatlichen Organisationen und in Netzwerken organisierten Terroristen immer mehr bedroht wird. Hat Diplomatie noch eine Chance gegen assymetrische Kriegsführungen oder muss der Staat militärische Stärke zeigen? Dieses Problem beschäftigt nicht nur den Libanon und Israel, sondern ist seit dem 11. September 2001 auch in westlichen Staaten aktueller den je. Eine Lösung dieses schier komplexen Problems ist allerdings noch nicht in Sicht.
Weiterführendes:
- Andreas Wischnat: Beirut: Notizen am Abgrund – Ein Erlebnisbericht
- Blacksmith Jade: Hizballah undressed
- Blacksmith Jade: From Beginning to End
- Now Lebanon: Israel’s Barak raises “serious concern” over Lebanese crisis
- Benny Peiser: Libanesische Lehren
- Ynetnews: Lebanon crisis: Israel watches from sidelines, for now
- Die Welt: Hisbollah zieht Kämpfer aus Beirut ab
- Haaretz: Lebanon PM: Hezbollah did to Beirut what Israel didn’t dare – Haaretz: ANALYSIS / Who will stop Hezbollah? Not the Lebanon Army
- Lisa Goldman; Israeli media coverage of Lebanon’s latest crisis
Dieser Beitrag erschien zuerst auf israelabisz.blogspot.com.
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@Lukas Lehmann
ja richtig, die christlichen Milizen riefen damals um Hilfe. Gerade deshalb bin ich mir nicht so ganz sicher, ob es sinnvoll ist, den Konflikt weiter zu internationalisieren.
Ich weiss, ich widerspreche mich jetzt ein wenig – scheinbar. Meine Haltung ist die, so lange es geht diplomatische Lösungen zu suchen und wenn dann wirklich nichts mehr geht – die militärischen Optionen. Aber dann bitteschön mit aller Konsequenz. Mich ärgert die Halbherzigkeit, mit der der wir uns von Terrordrohungen einschüchtern lassen. Dann sollten wir uns in Europa besser heraus halten (aber nicht jammern, wenn wir später bedroht werden). Man darf nicht vergessen, dass Syrien sich immer noch mit Israel formell im Krieg befindet, mit Iran verbündet ist und im Libanon eigene Interessen verfolgt. Das war 1982/83 nicht anders, mit dem Unterschied, dass Khomeini den islamistischen Terror begründete.
Damals hat Sharons Eingreifen zu einer Verschärfung der Situation geführt; ein internationales Eingreifen würde zu einer weiteren Verschärfung der Situation führen. Wenn eine militärische Option notwendig werden sollte, ggf. gemeinsam mit Israel, dann und nur dann als letztes Mittel, um etwa Nuklearwaffen am Mittelmeer zu verhindern.
Ich hoffe, es wird nicht so weit kommen. In dem Sinne – Shalom!