Hisbollah ungeschminkt!

- Ein Plakat des populistischen Hisbollah-Führers Hassan Nasrallah, aufgenommen in Damaskus, Syrien. Photo: delayed gratification
Schreckliche Bilder erreichten uns die letzten Tage aus dem Libanon: Schüsse und Straßenkämpfe, 80 Tote, der Aufstand der Gotteskrieger zeigt ein anderes Gesicht des Libanon, dessen Situation durch Kriege mit Israel immer wieder dem Judenstaat in die Hände geschoben wurde. Nun kommt aber das wahre Gesicht eines Landes wieder ans Licht, welches von ethnischen und religiösen Unterschieden geprägt und immer wieder durch radikale Gruppierungen und dem großen Nachbarn Syrien politisch erschüttert wird.
Die Hisbollah versucht einen neuen Show-Down
Gegen das Versprechen, die Libanesen vor israelischen Angriffen zu schützen, greift sie nun selbst die eigenen Leute an. Das Säbelrasseln der Gotteskrieger, das von Syrien und dem Iran unterstützt wird, zeigt auf, dass längerfristig die staatlichen Strukturen der Terrororganisation Nasrallahs nicht länger für den nach Unabhängigkeit strebenden libanesischen Staat hinnehmbar sind. Ein Tag nach Ausbruch der Kämpfe forderte Libanons Ministerpräsident Seniora die Schaffung angemessener Konditionen im Land:
- Die Armee soll alle Angelegenheiten der nationalen Sicherheit übernehmen, was den Abzug von Militanten von den Straßen und die Kontrolle über Hisbollahs Kommunikationsnetzwerk und dessen Kontrolle der Flughafensicherheit bedeuten würde.
- Es soll unverzüglich ein unabhängiger Präsident gewählt und eine nationale Einheitsregierung gebildet werden, in der niemand seinem Glauben anderen aufzwingen kann.
- Es soll ein unabhängiges neues Wahlgesetz im Parlament verabschiedet werden.
- Es soll ein “gentlement´s agreement” abgeschloßen werden, welches Bestimmungen der Medienethik regeln soll.
Es sind staatliche Forderungen, die nicht nur die Macht der Hisbollah beschneiden soll, sondern auch zeigt, wie stark die Hisbollah schon den Staat untergraben hat. Diese Entwicklung wurde nicht zu Letzt unter dem Deckmantel der Vereinten Nationen vertuscht, die zwar offiziell im Jahr 2006 durch den Waffenstillstand zwischen Hisbollah und Israel und der UN Resolution 1559 (2004) die Entwaffnung der Hisbollah forderte, aber stattdessen schon zwei Jahre tatenlos zusah, wie sich die Hisbollah weiter militärisch stärkte, um gegen Israel und nun auch gegen das eigene libanesische Volk Terror auszuüben.
Wie die Hamas in Gaza hat die Hisbollah nur ein Ziel: staatliche und demokratische Strukturen zu zerstören und stattdessen einen Gottesstaat aufzubauen. Um das Ziel durchzusetzen erspart man sich auch nicht über Leichenberge zu gehen. Kann man mit solchen Milizionären und Fundamentalisten noch verhandeln? Wie weit können Gespräche mit Terrororganisationen wie der Hamas und Hisbollah erfolgsversprechend sein?
Hier zeigen sich die Grenzen des heutigen Nationalstaats auf, der von nichtstaatlichen Organisationen und in Netzwerken organisierten Terroristen immer mehr bedroht wird. Hat Diplomatie noch eine Chance gegen assymetrische Kriegsführungen oder muss der Staat militärische Stärke zeigen? Dieses Problem beschäftigt nicht nur den Libanon und Israel, sondern ist seit dem 11. September 2001 auch in westlichen Staaten aktueller den je. Eine Lösung dieses schier komplexen Problems ist allerdings noch nicht in Sicht.
Weiterführendes:
- Andreas Wischnat: Beirut: Notizen am Abgrund - Ein Erlebnisbericht
- Blacksmith Jade: Hizballah undressed
- Blacksmith Jade: From Beginning to End
- Now Lebanon: Israel’s Barak raises “serious concern” over Lebanese crisis
- Benny Peiser: Libanesische Lehren
- Ynetnews: Lebanon crisis: Israel watches from sidelines, for now
- Die Welt: Hisbollah zieht Kämpfer aus Beirut ab
- Haaretz: Lebanon PM: Hezbollah did to Beirut what Israel didn’t dare - Haaretz: ANALYSIS / Who will stop Hezbollah? Not the Lebanon Army
- Lisa Goldman; Israeli media coverage of Lebanon’s latest crisis
Dieser Beitrag erschien zuerst auf israelabisz.blogspot.com.
Photo Quelle/Copyright: delayed gratification, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr











Andreas Bastelberger
Erst einmal Dank für den analytischen Kommentar, der sich so erfrischend von den einseitigen Verurteilungen Israels abhebt.
Man sollte jedoch, bei durchaus richtiger aktueller politischer Analyse nicht vergessen, dass die Hisbollah 1982 als Reaktion auf den Feldzug Ariel Sharons erst gegründet wurde. Notwendig wäre, den UN-Truppen endlich ein Kampfmandat zu geben, um mit der Hisbollah ein für alle mal aufzuräumen. Das eigentliche Pronblem ist doch, dass die Chancen, die Probleme Libanons friedlich zu lösen, seit einem Jahrzehnt vertan wurden. Gleichzeitig tun die Radikalislamisten dies mit ausserordentlilichem propagandistischen Geschick, etwa während des gründlich missglückten israelischen Feldzugs 2006. Dieser hat allerdings gezeigt, dass man diesem Problem allein mit militärischen Mitteln eben nicht bei kommen kann. Das wussten aber auch die israelischen Soldaten, die ich 1984 in Israel traf und die aus dem Libanon zurückkehrend von dem “unsichtbaren Feind” sprachen, dem man nicht bei kommen könne. Gleiches hörte ich von einem englischen Soldaten während meiner Bundeswehr-Zeit. Das Problem ist also bekannt.
Es wird aber dadurch verschärft, dass man einerseits der IDF 2006 die Hände band, gleichzeitig jedoch nicht mit der nötigen Konsequenz gegen die Hisbollah vorging, in der trügerischen Hoffneng, der Frieden würde sich schon von allein ergeben. Das tut er nicht. Es geht leider nur durch eine genau abgestimmte Politik von kluger Diplomatie und der Anwendung von Gewalt gegen die radikalislamistischen Kräfte. Appeasement stärkt diese gewaltbereiten Fanatiker nur.
Hisbollah
Woher nehmt ihr euch das recht,die hisbollah als terroristen zu bezeichnen!Wieso erzählt ihr nicht die ganze wahrheit????
Dass alles so begann,als die Gewerkschaften streikten,sie wollten mehr Lohn,aufgrund der stark erhöhten Lebensmittelpreise im libanon!Die Hisbollah hat sich nur eingemischt,damit nichts ausartet!Nur die Leute der Parteien von Saad Hariri und Saniora,fingen an auf die Menschenmengen aus dem Hinterhalt zu schiessen!recherchiert einfach nach,zu welcher Religionsgruppe die ersten Opfer angehörten,es waren Shiiten,die zuerst erschossen wurden!
Die Hisbollah Kämpfer haben anschließend die schiessenden Leute von hariri und saniora festgenommen und entwaffnet und stellten fest,es waren israelische Waffen!das bestätigte mal wieder die Korrupte Zusammenarbeit der libanesischen Regierung mit der israelischen.und so greifften die Hisbollah Kämpfer jedes Büro von Saad hariri und saniora an,entwaffneten Sie und übergaben sie immer an die libanesische Armee!
Wie kann man sagen,dass die hisbollah einen Gottesstaat machen möchte aus dem Libanon,wisst ihr nicht dass die Hisbollah eine Opposition hat mit Michel Aoun(Christen),Slaymen Frangiyeh(sunniten) und Um Wahab(Drusen)!Hätte hisbollah einen shiitischen staat machen wollen,hätten sie das vor 2 jahren machen könne,direkt nach dem Krieg gegen israel,warum haben sie es damals nicht gemacht?Stattdessen ließen sich von der Regierung demütigen,monatelang demonstrierten sie für eine demokratische Regierung FRIEDLICH,warum haben wir Libanesen seit November 2007 keinen Präsidenten mehr?
Für diejenigen die es nicht wissen und nur westliche nachrichten lesen:
Harriri und Saniora sind Sunniten und unterstützen ihr Anhänger finanziell,die Shiiten kommen dabei leer aus!Es leben mehr Shiiten im libanon,als jede andere Glaubensrichtung und dennoch haben sie nichts zu sagen!hisbollah bzw. ihre shiitischen Politiker wollen nur ein vetorecht,mehr mitspracherecht haben,was aber harriri und saniora nicht wollen!
Man erinnere sich,nach dem Krieg,rief Sayyed Nasrallah alle Menschen auf,die für eine Demokratie im Land demonstrieren wollen,es erschienen 2,7 Millionen (inoffizielle Zahl,offiziell 1 Million)Menschen zur Demonstration,es leben 3,4 Millionen Menschen im Libanon!Was würde passieren wenn in Deutschland über 70 % der Bevölkerung demonstrieren würde,nun im Libanon passiert nichts!2 Jahre lang passiert nichts,bis das was in den letzten tagen angefangen hat!Und angefangen,hatte es die libanesische Regierung,weil sie das telefonnetzwerk der Hisbollah als Verrat der Regierung halten,aber selber verraten sie ihre eigene Bevölkerung an Israel!
noch ein wichtiger Punknt dafür,dass die Hisbollah ein demokratisches Land wollen:
Nach dem Krieg gegen israel im Jahr 2006,war es die Hibollah,die die Aufräumarbeiten erledigten,sie waren es,die unabhängig davon,ob man Hisbollah Symphatisant war oder nicht,jeder(christen,Sunniten,Drusen und Shiiten),dessen haus im krieg zerstört wurde,bekam zwischen 10000$ und 12000$ für einJahr Miete und Möblierung,und in der Zeit bauen von der Hisbollah beauftragte Baufirmen die zerstörten Häuser.Das alles ist die Pflicht der Regierung,nur wenn die Regierung Ihren Pflichten nicht nachkommt,dann kann die Hisbollah nicht zusehen,wie die libanesische Bevölkerung verhungert und obdachlos wird!
und wenn jetzt einige denken,schließlich war es die Hisbollah,die den Krieg angezettelt hatte,der soll seine augen öffnen!
Die Hisbollah entführt 2 israelische soldaten,auf immernoch von israelis besetzten libaneschen Territorium.Das war der offilzielle Kriegsgrund,dass israel sofort am nächsten tag,einen offenen krieg genen Libanon führte!Sie zerstörten die komplette Infrastruktur eines Landes,zerbombten den Flughafen,Lebensmittelläden,Stromwerke,Wasserresservoirs etc.,alles aber nichts was mit der Hisbollah zu tun hatte!
Eine weitere Sache ist,die libanesische Armee wird die Hisbollah nicht eingreifen,nicht nur weil sie militärisch unterlegen sind,sondern weil sie nicht die eigene Familie angreifen werden!Aus einer libanesischen Familie sind oft ein Sohn bei der libanesischen Armee und der andere Sohn bei der Hisbollah!
Man warte ab noch weitere 3 wochen,dann kristallisiert sich Hisbollah interesse immer weiter heraus.
Lukas Lehmann
ich möchte mich auch für Ihren konstruktiven Kommentar bedanken und bin sehr erfreut über ihre Haltung zu dieser Problematik.
Tatsächlich wurde die Hisbollah als Reaktion auf den israelischen Einmarsch in den Libanon 1983 gebildet. Dazu darf man aber auch nicht vergessen, dass es sich um einen Einmarsch handelte, der von den christlichen Milizen des später ermordeten Bachir Gemayel unterstützt und gefordert wurde. Mit Hilfe der Israelis wollte er den Libanon in die Unabhängigkeit führen. Für Ihn hieß dies, dass alle Palästinenser (damals auch die PLO unter Arafat), Syrer und Israelis das Land verlassen sollten.
Wie das heutige Problem zu lösen ist, was mich persönlich wieder an die Situation des Libanon vor 1983 erinnert, ist schwer zu sagen. Die libanesische Regierung ist militärisch und politisch schwach. Die Hisbollah hat einen Staat im Staat errichtet. Die unbewaffneten UN-Truppen schauen dem Treiben zu, bis es irgendwann wieder kracht - entweder im Libanon oder zwischen Hisbollah und Israelis.
Ich bin ein wenig verunsichert, ob es gut wär die Israelis wieder in den Libanon zu schicken, um der libanesischen Regierung zu helfen das Problem Hisbollah aus den Weg zu räumen. Ein Eingreifen unabhängiger Truppen wär sicher die beste Lösung. Ein militärisches Eingreifen der UN wär denkbar. Aber auch ein Eingreifen arabischer Staaten, wie Ägypten, Jordanien oder Saudi-Arabien. Die Türkei als Alliierter wär auch sehr gut vorstellbar, zudem sie die nötigen militärischen und logistischen Erfordernisse weitreichend erfüllen und sich auch politisch für die Unabhängigkeit des Libanon einsetzen.
Appeasement, so wie sie von der Friedensbewegung und einigen Staaten praktiziert wird ist sicher, wie sie es auch erwähnen, der falsche Weg. Ihr Vorschlag politische und militärische Vorkehrungen zu treffen ist ein sehr vernünftiger Lösungsansatz. Ich hoffe, dass die Notwendigkeit dieses Schrittes nun auch von der internationalen Gemeinschaft eingesehen wird und vor allem praktiziert wird. Taten sind im Hinblick der aktuellen Situation nötiger als je zuvor.
Andreas Bastelberger
@Lukas Lehmann
ja richtig, die christlichen Milizen riefen damals um Hilfe. Gerade deshalb bin ich mir nicht so ganz sicher, ob es sinnvoll ist, den Konflikt weiter zu internationalisieren.
Ich weiss, ich widerspreche mich jetzt ein wenig - scheinbar. Meine Haltung ist die, so lange es geht diplomatische Lösungen zu suchen und wenn dann wirklich nichts mehr geht - die militärischen Optionen. Aber dann bitteschön mit aller Konsequenz. Mich ärgert die Halbherzigkeit, mit der der wir uns von Terrordrohungen einschüchtern lassen. Dann sollten wir uns in Europa besser heraus halten (aber nicht jammern, wenn wir später bedroht werden). Man darf nicht vergessen, dass Syrien sich immer noch mit Israel formell im Krieg befindet, mit Iran verbündet ist und im Libanon eigene Interessen verfolgt. Das war 1982/83 nicht anders, mit dem Unterschied, dass Khomeini den islamistischen Terror begründete.
Damals hat Sharons Eingreifen zu einer Verschärfung der Situation geführt; ein internationales Eingreifen würde zu einer weiteren Verschärfung der Situation führen. Wenn eine militärische Option notwendig werden sollte, ggf. gemeinsam mit Israel, dann und nur dann als letztes Mittel, um etwa Nuklearwaffen am Mittelmeer zu verhindern.
Ich hoffe, es wird nicht so weit kommen. In dem Sinne - Shalom!
nour al najma
zunächst mal will ich mich dem autoren in einem punkt anschließen: die derzeitige kampagne gewaltsamer proteste im zentrum von beirut ist ein verbrechen gegen das libanesische volk. die hisbollah hat in kauf genommen, bürgerkriegsähnliche zustände im libanon auszulösen, nur um die rücknahme von politischen entscheidungen zu erzwingen. (besagte entscheidungen der regierung waren zwar eine unüberlegte, dümmliche provokation, und wer weiß, was für drogen jumblatt wieder genommen hat, bis er auf diese idee gekommen ist, aber das ist ein anderes thema und entschuldigt die aktionen der hisbollah nicht). woher der zweite kommentator in diesem forum die vorstellung hat, die hisb wäre auf die straße gegangen, um die gewerkschafter zu verteidigen, ist mir schleierhaft. (vielleicht von al manar? der username legt die vermutung nahe). ich war vor ort und kann sagen: die hisb hat an diesem tag so viele straßensperren errichtet, dass die gewerkschafter nicht einmal mehr zu ihrer eigenen demo erscheinen konnten: der streik wurde deswegen abgesagt.
andererseits finde ich es unzutreffend und simplizistisch, die hisbollah als terrororganisation zu bezeichnen. dieses wort ist ein rhetorischer kampfbegriff, der einer gruppe durch sprache jegliche legitimität entzieht. da die hisb jedoch die überwiegende mehrheit der größten konfessionellen bevölkerungsgruppe vertritt, hat sie in meinen augen legitimität - auch und erst recht nach demokratischen maßstäben. sicher sind sie militant und es gibt mit sicherheit sympathischere organisationen auf der welt, aber ist immer noch kein grund, sie mit dem begriff zu betiteln, den ich für gruppen wie al qaida und sinnesverwandte reservieren würde. durch ihre brutale, rücksichtslose gewaltkampagne nimmt sich die hisbollah zwar genau diese rechtfertigung, die ich gerade so mühevoll versuche herauszuarbeiten, aber das ist nun denen ihr problem, das haben sie nun wirklich selber verschuldet.
die hisbollah ist meiner ansicht nach ein absolut libanesisches problem: wenn die schiiten nicht über jahrzehnte hinweg völlig marginalisiert gewesen wären, hätte sich eine solche gruppe mit diesem massiven rückhalt nie entwickeln können. noch heute werden die schiiten durch das system der konfessionellen machtverteilung deutlich benachteiligt. aber der libanon ist keine demokratie im westlichen sinne sondern ein system des religiösen proporzes, der, wie gesagt, dummerweise noch nicht einmal richtig funktioniert. die regierung ist ein haufen korrupter feudalherren und früherer warlords, die nichts gemeinsam haben als ihre ablehnung von syrien (und das auch erst, seitdem es opportun ist). soviel zum thema der tollen demokratischen strukturen, die da untergraben werden.
was das thema entwaffnung angeht: jeder experte im libanon wird euch sagen, dass das schlicht und ergreifend nicht möglich ist. die hisb ist ja nicht eine gruppe leute, die irgendwo in der bekaa-ebene hockt und von der vernichtung israels träumt. die hisbollah, das ist die schiitische bevölkerung, und zwar vom kleinkind bis zur großmutter. wer der gruppe ihre waffen nehmen will, der muss sich darauf einstellen, dass sich der gesamte süden erheben wird. das wäre ein hässlicher, abartiger, blutiger krieg, der letztendlich doch zu gunsten der hisb ausgehen würde. die gruppe funktioniert nämlich wie eine hydra: je mehr man drauf rumhaut, umso stärker sind sie danach. fragt mal die idf. und welches land sollte überhaupt die truppen für ein solches un-mandat stellen und das leben seiner soldaten riskieren?
die einzige lösung ist, die hisb als politische kraft in den politischen prozess einzubinden, und als militante kraft in die libanesische armee. ja, ich weiß, die ereignisse der letzten tage stärken meine argumentation nicht gerade. dennoch ist es die einzige möglichkeit, die gefährlichkeit der gruppe (und ich halte sie für extrem gefährlich) langfristig zu binden.
Lukas Lehmann
@ Andreas Bastelberger: ich finde nicht, dass Sie sich widersprechen und stimme Ihnen in vollster Hinsicht zu. Der Streitpunkt für mich ist nur die Frage, ob Israel in einer militärischen Aktion gegen die Hisbollah mitmischen sollte. Sharon und Israel hat damals auf Grund des Massakers in Sabra und Shatila großes Ansehen in der libanesischen Bevölkerung verlohren. Zum Anderen ist Israel selbst mit Bedrohungen aus Gaza und Syrien beschäftigt. Kann sich Israel einen 3 Frontenkrieg leisten? Alleine sicher nicht. Eine weitaus bessere Variante wär das sich die Verbündeten der libanesischen Regierung (Türkei, Saudi Arabien, Ägypten und Jordanien) sich um die “Drecksarbeit” kümmern sollten unter Beobachtung und Hilfe eines internationalen Mandats der Vereinten Nationen. Inwieweit dies praktisch durchzuführen ist, bin ich mir allerdings noch nicht sicher.
@Hisbollah: Die soziale Leistung des Systems Hisbollah, sowie des Systems Hamas, in ihren Gebieten ist unumstritten. Die Frage ist allerdings, was ist der Grund für diese Leistungen? Hier arbeiten meines Erachtens sozialer Strang und terroristischer Strang von Terrororganisationen (und dies ist die Hisbolla; selbst die EU hat ihr terroristische Aktivitäten vorgeworfen) miteinander. Ziel ist es in Krankenhäusern und Schulen Sympathie für die eigene islamistische ideologie bei der Bevölkerung zu gewinnen. Dies geht soweit, dass die Opfer dieser perfiden Indoktrination selbst zum Terroristen werden.
Ihre Schönfärberei dieser Terrororganisation, die mit Syrien und dem Iran, die Unabhängigkeit des Libanons zerstören will, zeigt die Zynik der Hisbollah und ihrer Anhänger. Jeder kann sich im arabischen Fernsehen aufklären lassen, was die Hisbollah wirklich mit dem Libanon machen will. Schon der Druzenführer Jumblat sprach 2006 von der Hisbollah als Gefahr für den Libanon und für den Frieden mit den Palästinensern. Hisbollah will den Staat Israel ausradieren und dafür einen islamistischen Gottesstaat auf dem ehemaligen britischen Mandatsgebiet errichten. Fördert dies dem Frieden der Region und den Frieden der Religionen? Nasrallah missachtet die Christen des Libanon und in der palästinensischen Bevölkerung. Die Druzen missachtet er auch.
Druze Leader about causes of 2006 crises: http://www.youtube.com/watch?v=5f0nktMjWjA#
Ihre Annahme, dass die Hisbollah israelische Soldaten “rechtmässig” gefangen genommen habe, weil sie auf “besetztem Gebiet” sich befanden, ist auch falsch. Die Rede Nasrallahs 1 Tag vor der Geiselnahme der israelischen Soldaten zeigt deutlich, dass Nasrallah, egal wo sich israelische Soldaten befinden, eine Geiselnahme dieser rechtfertigen tut. Die Ansprache selbst ist ein Zeichen dafür, wie kaltblütig dieser Mann seine perfiden Aktionen plant und ausführt - nicht zuletzt um den Libanon in einen Krieg und Bürgerkrieg zu verwickeln.
Nasrallah-Rede: http://www.youtube.com/watch?v=O6kPVamg2hs
Was die Hisbollah zur Demokratie hält zeigt nicht zu Letzt die Besetzung und ausser Kraft setzens des libanesischen Fernsehsenders “Future TV” durch Milizen Nasrallahs. Pressefreiheit und Meinungsfreiheit scheinen Herrn Nasrallah genauso wenig zu interessieren, wie das Wohl des libanesischen Volkes. Der ganze Zorn auf Nasrallah, der das libanesische Volk belogen hat, kommt auch im Auftritt der Journalistin Sahar Al-Khatib (Future TV) zu tragen, die die libanesische Opposition für ihre heuchlerische Politik verurteilt.
http://www.memritv.org/clip/en/1765.htm
Der Fund israelischer Waffen scheint allerdings ihrer fantasie entsprungen zu sein bzw. ihrem Glauben an die “Protokolle von Zion”. Im shiitischen Fernsehen scheint ja genau diese schon vor 100 Jahren als Fälschung aufgedeckte und von Diktatoren wie Hitler und Stalin wieder benutzte Hetzschrift für Popularität zu sorgen. Im folgenden Beitrag wird im shiitischen Fernsehsender NBN die ganze Tragweite dieses in der arabischen Welt verbreiteten Antisemitismus wieder deutlich. Juden würden Drogen und Waffen verbreiten, um die Araber zu unterdrücken…
http://www.youtube.com/watch?v=7ljQugwaYFk
Andreas Bastelberger
@Lukas Lehmann
Das Angela Merkel sich an die arabische Liga wandte war ein kluger politischer Schachzug und geht in diese Richtung. Ich wage nur zu bezweifeln, dass die Verbündeten Libanons auch nur einen Finger rühren werden. Der Libanon ist für diese Länder nicht interessant genug.
Mit tun nur die Libanesen leid, auf deren Rücken diese Konflikte ausgetragen werden.
@nour al najma
Einverstanden: diese Anzettelung eines neuen Bürgerkriegs der Hisbollah ist ein Verbrechen gegen das libanesische Volk. Da stimme ich Ihnen zu. Allerdings widerspreche ich Ihnen was Ihre Beurteilung der Hisbollah angeht. Diese selbsternannte “Partei Gottes” ist eine shiitische Fraktion, die den Anspruch erhebt, für alle Shiiten zu sprechen bzw. diese zu vertreten. Weder der Beschuss Israels, noch die Tötung unschuldiger Libanesen ist mit dem Koran vereinbar, weil die Tötung von Menschen im Namen der Religion der Religion widerspricht. Iran und Syrien sollen sich endlich aus dem Libanon heraus halten, damit ein Wiederaufbau Libanons und ein Frieden mit Israel möglich wird. Nasrallah aht immer sehr klar gemacht, dass er die alleinige Macht im Libanon will. Und was den Libanesen blüht, wenn ihm das gelingt - nicht auszudenken.
@Hisbollah
Hisbollah als friedliche, demokratische Macht? Das war der Witz des Tages. Man halte uns nicht für blöd. Alles was dazu zu sagen ist ist hat Lukas Lehmann schon gesagt; dem ist von meiner Seite nichts mehr hinzuzufügen.
Lukas Lehmann
nour al najma: vielen dank für Ihren sehr differenzierten Beitrag. Die politische Ungleichheit zwischen den einzelnen Gruppierungen ist sicher ein Ausdruck nichtdemokratischer Staaten. Die Unterdrückung bzw. Nichtbeachtung der Shiiten im Libanon ist mir allerdings neu. Es wäre schön, wenn Sie dazu uns mehr erklären könnten.
Ihren Vorschlag die Hisbollah mehr ins politische Rampenlicht des Libanons finde ich zwar makaber, aber auch recht interessant. Sollte dies allerdings eintreffen, müsste aber auch das Milizentum der einzelnen Gruppen aufhören. Ein Staat, der Milizen im eigenen Staat hat kann längerfristig m.E. keine effektive Politik machen, die zum Frieden der verschiedensten Ethnien beitragen und zur Befriedung der angespannten Situation in der Region insgesammt beitragen könnte. In dem Sinne sollte auch die Hisbollah ihre Waffen niederlegen, so wie es alle anderen Milizen und Privatarmeen im Land tun sollten.
Lukas Lehmann
Ergänzung: http://blacksmithsoflebanon.blogspot.com/2008/05/hizballah-returns-lebanon-to-age-of.html
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Blood stains covers a bullet riddled wall where Druze supporters of Walid Jumblatt were [unconfirmed] executed in cold blood by Hezbollah militiamen in Choueifat - YaLibnan.
While analogies between the violence witnessed in our capital [and its surroundings] over the past six days and the country’s fifteen-year civil war have become commonplace in the consciousness of the Lebanese and the media reports that have accompanied the fighting, it is with a dark realization that the Lebanese are slowly turning to face the true meaning of Hizballah’s precipitation of sectarian violence. This, as rumours and reports of sectarian-based massacres begin to permeate the country:
Saturday May 10th – Day 4: A local Shiite shop owner opens fire on a Sunni funeral procession in the mixed [Sunni-Shiite] Tareeq Jdeedeh neighbourhood of Beirut. Two people are reported killed, and six wounded.
Saturday May 10th – Day 4: Following news of the Tareeq Jdeedeh massacre, gun battles erupt between Sunni militants and gunmen loyal to the Hizballah-allied SSNP party in the pre-dominantly Sunni rural district of Akkar. In the town of Halba, an SSNP office is raided resulting in the murder of ten SSNP partisans. Rumours of attempts by Sunni gunmen to enter a hospital [in search of wounded SSNP gunmen] in the district circulate.
Saturday May 10th – Day 4: Following an attempted raid on the pre-dominantly Druze mountain town of Aley by Hizballah militiamen the night before, rumours circulate of the dismemberment of the bodies of at least one Hizballah militant killed in the fighting.
Monday May 12th – Day 6: After a day of intense clashes throughout the Chouf and Aley mountains [including the use of mortar and artillery fire by attacking Hizballah-led militants] rumors emerge of summary executions by the group in the town of Choueifat.
Speaking in a news conference today Hussein Khalil, political assistant to Hizballah chief Hassan Nasrallah, attempted to elicit sympathy for his group and its actions; portraying his militia’s takeover of the capital, bombardment of the mountain, and inciting of an inter-sectarian war between the country’s Sunnis and Shiites as a ‘just’ reaction to the Lebanese government’s shifting of a General from a post and its ordering of an investigation into a communications network.
His words were disgusting. Hizballah’s violent attack on Lebanon, and the humiliating murders, massacres, kidnappings and atrocities that attack has precipitated across all its sects, will be a stain of blood on the group forever. As of today, May 12th 2008, Hizballah’s attack on Lebanon has left at least 200 wounded and over 60 dead … God rest their souls.