Die Frankfurter Rundschau hat am 9. Mai 2008 in einem Beitrag über den Seitenwechsel des Transnet-Gewerkschaftschefs Hansen noch weitere Fälle aufgelistet, für die vom stern so richtig beschriebene politische Korruption durch die Bahn AG: “Bezahlt wird später.”
So sind die früheren Verkehrsminister von Brandenburg, Hartmut Meyer und von Sachsen-Anhalt, Jürgen Heyer, der einstige Bundesverkehrsminister Reinhard Klimmt, der frühere Bremer Bürgermeister Klaus Wedemeier, der einstige Finanzminister Bayerns, Georg von Waldenfels oder der frühere bayerische Wirtschafts- und Verkehrsminister Otto Wiesheu auf lukrativen Posten bei der Deutschen Bahn gelandet. Diese Beispiele sind aber nur die Spitze des Eisbergs. Die Bahn hat mit ehemaligen Politikern oder früheren Spitzenbeamten noch eine unüberschaubare Zahl von Beratern auf ihrer Pay-roll.
Man braucht sich also nicht zu wundern, wenn die Bahn mit solchen mafiösen Strukturen die Politik steuert und Politiker marionettenhaft die Konzernziele des Bahn-Chefs umzusetzen versuchen. Ein Musterbeispiel für das Rollenverhältnis von Koch und Kellner ist das Verhältnis von Mehdorn und dem Bundesverkehrsminister Tiefensee.
Diese Ämterpatronage hat schon eine lange Tradition
Mit dem Kanzlervertrauten Johannes Ludewig machte die CDU zu Zeiten der Regierung Kohl sogar einen eigenen Mann zum Bahnchef. Für den gewählten CDU-Regierungschef Sachsen-Anhalts, Werner Münch, wurde eine eigene Konzernstelle in Brüssel geschaffen. Und sein Parteikollege Axel Nawrocki, ehemals Büroleiter von Kurz Biedenkopf und Chef der skandalgeschüttelten Berliner Olympia GmbH, brachte es bis zum Fernverkehrvorstand der Bahn.
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So laufen eben die Geschäfte: Der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bahn AG Werner Müller, wurde als Dankeschön für seine freundliche Politik als Bundeswirtschaftsminister gegenüber den Energiekonzernen zunächst zum Chef der Ruhrkohle AG gemacht und ist heute Vorsitzender des Vorstandes von Evonik Industries AG. Norbert Hansen wird für seine privatisierungsfreundliche Politik in der Eisenbahnergewerkschaft zum Arbeitsdirektor der privatisierten Bahn gemacht.
Als Kenner seiner Gewerkschaft weiß er schließlich am besten, wie er in künftigen Tarifverhandlungen seine ehemaligen Gewerkschaftskollegen am geschicktesten „verladen“ kann. Und das alles lassen sich die Kolleginnen und Kollegen als im gewerkschaftlichen Interesse liegend verkaufen. Bei VW wurden den Arbeitnehmervertretern nur Huren zugeführt, bei der Bahn werden sie selbst als solche behandelt. Transnet war die einzige Gewerkschaft, die für die Privatisierung der Bahn eingetreten ist. Auf dem Hamburger Parteitag der SPD hat Hansen vehement für die Privatisierung geworben.
Wie schreibt der stern so richtig: „Es ist eine Form der deutschen Korruption – bezahlt wird hinterher.“