
Auch wenn noch fünf Bundesstaaten bis zum Entscheid Anfang Juni ausstehen: Kaum jemand räumt Hillary Clinton noch eine reelle Chance auf die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten ein – außer sie selbst. These: Sie will es als Frau einfach den Männern – und vor allem ihrem eigenen – weiterhin zeigen, Schwäche kommt da nicht in Frage. Dr. Kai Arzheimer, Wahlforscher an der University of Essex, im Kurzinterview:
RE: Würden Sie das auch so analysieren, dass ihre Beweggründe gar nicht so politisch als vielmehr rein egoistisch sind. Oder warum macht sie trotzdem weiter?
Arzheimer: Frau Clinton ist davon überzeugt, daß sie die richtige Person für diesen Job ist, und natürlich will sie gewinnen. Menschen, denen dieser Antrieb fehlt, gehen nicht in die Politik bzw. sind dort nicht erfolgreich.
RE: Gesetzt den Fall, sie schafft es nicht ins weiße Haus, wie steht es dann um ihr Selbstbild?
Arzheimer: Das weiß sie allein. Alle Aussagen von ihr oder aus ihrem Umfeld sind mit Blick auf die öffentliche Wahrnehmung gefiltert.
RE: Taugt sie als Unterlegene noch zur Vizepräsidentin, bzw. ist dies nach ihrem zum Teil aggressiv geführten Wahlkampf überhaupt vorstellbar?
Arzheimer: Generell kann man sich schwer vorstellen, daß sich einer der beiden Kandidaten mit der Rolle des Vizepräsidenten zufrieden geben würde. Darüber hinaus dürfte sich nach dem sehr harten Vorwahlkampf eine Zusammenarbeit beider Kontrahenten schwierig gestalten. Drittens schließlich spielen bei der Selektion des Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten vor allem wahlstrategische Überlegungen eine Rolle, die nicht notwendigerweise auf die Kombination Obama/Clinton oder Clinton/Obama hinauslaufen müssen.
RE: Kann man vielleicht sogar Parallelen und Vergleiche von Clinton zu Kanzlerin Merkel herstellen, also nicht politisch, sondern vom Wesen her?
Arzheimer: Spitzenpolitiker sind öffentliche Personen, die ihr Image selbst zu gestalten versuchen und sehr genau abwägen, welche Teile ihrer Persönlichkeit sie wie präsentieren. Ein hohes Maß an Ehrgeiz ist für diesen Beruf unabdingbar. Weitergehende Versuche, per Ferndiagnose Aussagen über das Seelenleben dieser Menschen zu machen, halte ich für vermessen.
RE: In letzten Umfragen, wer am Ende auch die größeren Chancen gegen Republikaner McCain haben würde, dominierte die derzeit Unterlegene. Wäre Clinton hier jedoch tatsächlich im Vorteil?
Arzheimer: Das ist eine sehr hypothetische Frage. Wahlkämpfe werden ganz wesentlich von unvorhergesehenen Ereignissen beeinflußt. Zu Beginn des Vorwahlkampfes war Obama ein Nobody, dem niemand eine Chance gegen die haushohe Favoritin Clinton zugetraut hätte.
RE: Glauben Sie, dass der längste Vorwahlkampf in der Geschichte der USA den Demokraten bereits geschadet hat, wie viele Experten sagen?
Arzheimer: Mit Sicherheit. Der Vorwahlkampf hat sehr viel Geld und Energie gekostet, die Partei ist gespalten und wird auch so wahrgenommen, und nicht zuletzt sind beide Kandidaten durch die gegenseitigen Angriffe angeschlagen.
Interview: Felix Kubach
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Kai Arzheimer arbeitet als Wahlforscher am Institut für Politikwissenschaft der Universität Mainz und an der University of Essex.
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Nachdem nun Edwards sich gestern hinter Obama gestellt hat, ist zum einen dieses Interview schon wieder veraltet (so schnell ändert sich die politische Lage) und zum anderen bleibt nun die Frage offen, wie lange Clinton noch brauch, um sich der Realität zu stellen, der bitteren Realität, dass nun auch sie aus dem Rennen ist. “Die Wähler haben sich entschieden, und ich habe mich entschieden. Barack Obama kann Amerika vereinen.”, so Edwards.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,553363,00.html