Der frisch zum Arbeitsdirektor der Deutschen Bahn AG berufene, vormalige Transnet- Gewerkschaftsvorsitzende Norbert Hansen, nimmt gleich zu Beginn seiner neuen Tätigkeit ordentlich Fahrt auf, macht gleichsam Dampf. Und zwar den Bahnmitarbeitern, welche sich früher als Gewerkschafter von dem guten Mann noch bestens vertreten glaubten. Wohin die Reise gehen soll, wußte Hansen schon als Transnet-Mann: An die Börse. Dafür ackerte der Mann. Dafür machte der in die Jahre gekommene Beschäftigten-Vertreter schon als Gewerkschaftsboss gut Wind. Bahnchef “Prellbock” Mehdorn hat sich wirklich nicht getäuscht in ihm.
Was der Gerd konnte, kann der Norbert schon lange
Norbert Hansen verhält sich schon nach kurzer Zeit im Arbeitgeberlager wie ein Sozialdemokrat, der Kanzler geworden ist. Und zeigte, dass nicht mehr stimmt, was die “Schwarzen” immerfort über die (mal rot gewesenen) SPDler behaupten: Nämlich, dass die nichts von Wirtschaft verstünden. Gerhard Schröder bewies doch als “Genosse der Bosse” grandios das Gegenteil. Na also! Und was der Gerd konnte, glaubte der Transnet-Gewerkschaftsboss a.D. nun allen zeigen zu müssen, dass kann der Norbert schon lange! Altbundeskanzler Schröder berät den Schweizer Ringier-Verlag und wurde Türenöffner, “Gasmann”, für und bei GAZPROM; und tingelt in der Weltgeschichte herum, um Leuten, die das wollen, Vorträge – gegen gutes Geld, versteht sich – über Gott und die Welt zu halten.
Norbert kleckert nicht: er klotzt!
Norbert Hansen freilich muss richtig und hart arbeiten. Und er dachte sich wohl gleich zu Beginn seines neuen Jobs: Nicht kleckern, Norbert, sondern klotzen!
Gedacht, getan, Arbeitsdirektor Hansen verklickerte sogleich der Bild-Zeitung, was zu tun sei: Wenn die Bahn an die Börse fahren soll, müssen Arbeitsplätze ‘dranglauben. Natürlich – da kommt noch ein bisschen der Gewerkschafter im Norbert durch (na, das wird sich auch noch geben) – müsse dies ohne Kündigung gehen. Jedenfalls brauche die künftige Börsen-Bahn “mehr Effizienz”, um ordentlich Dampf machen zu können, beim Verschleudern des deutschen Volksvermögens (letzteres sagte er freilich nicht, dürfte aber wissen, dass es so ist). Vor allem müssten die Bahnmitarbeiter effizienter werden.
Lokführer sollen Züge aufräumen und auf Bahnhöfen “anpacken”
Hansen hat da erst einmal die Lokführer im Auge. Deren Zeiten als was Besseres sollen offenbar künftig der Vergangenheit angehören.
Lokführer, war ja mal was. Oberlokomotivführer erst recht. Sogar in Grabsteine ließ man einst diese Berufsbezeichnung beinahe gleichbedeutend mit einem Doktor-Titel meißeln. Und Kinder-Berufswunsch Nummer Eins lautete: Lokomotivführer. Doch welches Kind wird künftig noch diesem einst so hoch geachteten Beruf erlernen und ausführen wollen?
Arbeitsdirektor Hansen machte also sogleich ein paar Vorschläge, damit künftig die Kohle bei den Aktionären stimmt: Die Lokführer könnten nebenbei doch auch mal den Zug aufzuräumen, meint Hansen. Oder auf kleinen Bahnhöfen mit anpacken. Tolle Idee, nicht? Und damit in puncto Börsenbahn ja keine Mißverständnisse aufkommen, tat Norbert Hansen gleich weiter Butter bei die Fische, wie man im Ruhrpott sagt, wenn einer Tacheles redet: Er, Arbeitgeber-Norbert, kann sich eine weitere Privatisierung des Staatsunternehmens Bahn durchaus vorstellen. Hansen sieht die Obergrenze bei der Privatisierung bei 49,9 Prozent. Prima! Dass werden sich die Aktionäre was kosten lassen.
Lidl-Brötchen wird Hansen im Alter nicht essen müssen
In letzter Zeit hört man ja auffallend viel von Altersarmut. Ich vage einmal eine vorsichtige Prognose: Norbert Hansen wird wohl auch im Rentenalter bestens über die Runde kommen, und sich ohne weiteres bis ans Lebensende seine Frühstücksbrötchen leisten können. Es werden, da wette ich ‘drauf, nicht die Brötchen von Lidl sein. Die, wie Günther Wallraff incognito herausfand, unter unmenschlichen Bedingungen gebacken werden.
Grummeln an der Transnet-Basis – Mehdorn pfeift Hansen zurück
An der Transnet-Basis, hört man, grummelts. Es wird gar der Rücktritt des gesamten Vorstandes gefordert. Was für Leute, fragt man sich da offenbar, haben wir da an unserer Gewerkschafterbrust genährt? Das ist doch wohl eine verkehrte Welt: Die Nase läuft, die Füße riechen!
Bahn-Konzernchef Mehdorn gab diesmal den Guten: er pfiff Norbert Hansen erst einmal zurück. Nichts, von dem, was Hansen der Bild sagte, sei geplant. Naja…Gemach. Es hieß ja auch einst einmal: Niemand hat vor, eine Mauer zu bauen…
Unglaublich aber wahr!
Ein Gewerkschafter wechselt die Fronten und wird Arbeitgeber!!!!
Bricht da nicht die gesamte ehemalige Gesinnung zusammen???
Wie kann man eigentlich einen solchen inneren Bruch menschlich verkraften???
An diesem konkreten Beispiel „Hansen“ erkennt der interessierte Betrachter zu welchen biographischen Spaltungen einer Persönlichkeit ein ungezügeltes neoliberales Gedankengut führen kann.
Alles ist möglich, alles.
Da wird eine große Gewerkschaft, samt ihrer Mitglieder zur eigenen Bedürfnisbefriedigung
BENUTZT.
Da wird ein Arbeitskampf BEWUSST an den Bedürfnissen seiner Mitglieder vorbeigeführt.
Da wird OFFENSICHTLICH die Nähe zum Arbeitgeber (Mehdorn) gesucht und gefunden.
Da werden andere Gewerkschaften in aller Öffentlichkeit DENUNZIERT und als Arbeitsplatzvernichter abgestempelt.
Da werden Lohnabschlüsse BEWUSST klein gehalten um danach (jetzt) selbst abzukassieren.
Kann ein Spiel noch fieser sein???
Als Kenner seiner Gewerkschaft weiß er schließlich am besten, wie er in künftigen Tarifverhandlungen seine ehemaligen Gewerkschaftskollegen am geschicktesten „verladen“ kann. Und das alles lassen sich die Kolleginnen und Kollegen als im gewerkschaftlichen Interesse liegend verkaufen. Bei VW wurden den Arbeitnehmervertretern nur Huren zugeführt, bei der Bahn werden sie selbst als solche behandelt. Transnet war die einzige Gewerkschaft, die für die Privatisierung der Bahn eingetreten ist. Auf dem Hamburger Parteitag der SPD hat Hansen vehement für die Privatisierung geworben.
Wie schreibt der stern so richtig: „Es ist eine Form der deutschen Korruption – bezahlt wird hinterher.“
Hier ist schlicht und einfach ABRECHNUNG angesagt. Soll heißen, Kündigung der Mitgliedschaft bei TRANSNET durch seiner Mitglieder. Raus aus diesem Verein, deren Vertretung von Arbeitnehmerinteressen er/sie endgültig verloren haben.
Dies wäre gleichzeitig ein Wink an andere Gewerkschaften und Organisationen, in der Hoffnung auf schnelle Lernfähigkeit.
Transnet und die SPD haben deshalb ab sofort eine Gemeinsamkeit. Abstrafen durch zukünftige Ignoranz.