Abi im Alleingang

Während andernorts Schülerinnen und Schüler gerade das Ende ihrer Schulzeit mit dem bestandenen Abitur abschließen, haben zehn Freiburger Schüler schon ein Jahr zuvor mit der Schule abgeschlossen. Zu eingeschränkt fühlten sich die jungen Leute in ihrer Waldorfschule. Dass das Schulsystem nichts tauge sei ja sowieso klar. Ein Jahr lang lernten

diefue.jpgWährend andernorts Schülerinnen und Schüler gerade das Ende ihrer Schulzeit mit dem bestandenen Abitur abschließen, haben zehn Freiburger Schüler schon ein Jahr zuvor mit der Schule abgeschlossen. Zu eingeschränkt fühlten sich die jungen Leute in ihrer Waldorfschule. Dass das Schulsystem nichts tauge sei ja sowieso klar.

Ein Jahr lang lernten sie nun jeden Morgen eigenständig, suchten nach den besten Büchern und Lehrern. Lehrer waren nötig, um nachmittags das Gelernte zu überprüfen und um beratend zur Seite zu stehen.

Süddeutsche Zeitung und Spiegel beobachteten dieses Projekt, ca. 50.000 Euro soll es übrigens gekostet haben, mit Begeisterung. Sollte sich hier eine individueller Sonderweg für die Pisa-geplagte Nation anbieten? Sollten selbst Teenager das Schulsystem düpieren? Nun, dem aufmerksamen Leser mag in Erinnerung geblieben sein, dass die jungen Leute aus einer Ersatzschule ausgestiegen sind und nicht aus dem staatlichen System, dennoch lautet meine klare Antwort: Nein.

Unser Schulsystem mag Probleme haben, aber diese Menschen gehören nicht gerade einer Risikogruppe an. Unser Problem sind nicht jene Schüler, die sich Gedanken über die notwendigen Inhalte ihrer Schulausbildung machen. Es sind auch nicht jene Schüler, die von sich aus den ganzen Tag für ihre Bildung aufwenden. Es sind auch ganz sicher nicht jene Schüler die ein 50.000 Euro-Projekt für ihre Bildung stemmen können. Solche Menschen gehören sowieso fast unweigerlich zu den Gewinnern der Gesellschaft, da sie mit diesem Engagement und den vermutlich gegebenen Voraussetzungen wohl an allen Schulen erfolgreich wären.

Die bewegenden Bildungsfragen unserer Gesellschaft sind doch eher anderer Art.

Wie integriert man Schüler mit Migrationshintergrund, wenn in ihrer Klasse nur noch eine Hand voll deutscher Schüler lernen? Wie geht man mit bildungsfernen ALGII-Dynastien um, deren Familienoberhäupter nur müde abwinken, wenn ihnen ein Ordnungsgeld wegen des notorischen Schwänzens ihrer Sprösslinge angedroht wird, wo man doch einem Nackten bekanntlich nicht in die Tasche greifen kann?

Bisher hat man hier nur zentrale Prüfungen auf niedrigem Niveau eingeführt und den Schulstress im Rahmen des G8 zum Anlass genommen in Zukunft noch mehr Unterricht zu kürzen. Sollte irgendjemand ernsthaft an diese Modelle glauben? Wenn die Einzelkämpfer aus Freiburg etwas bewiesen haben, dann ist dies doch die alte Erkenntnis, dass Erfolg Geld, Zeit und individuelles Engagement braucht. Sie gehen also gegen den Trend des Kürzens und Sparens.

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