Karriere-Tipps: Karrierekiller Web 2.0 – und wie Sie das Web für sich arbeiten lassen

Sie sind dabei ihr Studium mit guten Noten abzuschließen oder haben es unlängst abgeschlossen und schreiben nun brav Ihren (selbstverständlich leicht optimierten) Lebenslauf, den Sie an interessante potentielle Arbeitgeber schicken. Trotz Zusatzqualifikationen und Super-Praktika werden Sie nicht eingeladen? Nun, das liegt vielleicht an Ihrem Foto. Nein, nicht das Passfoto auf

rfhr.jpgSie sind dabei ihr Studium mit guten Noten abzuschließen oder haben es unlängst abgeschlossen und schreiben nun brav Ihren (selbstverständlich leicht optimierten) Lebenslauf, den Sie an interessante potentielle Arbeitgeber schicken. Trotz Zusatzqualifikationen und Super-Praktika werden Sie nicht eingeladen? Nun, das liegt vielleicht an Ihrem Foto. Nein, nicht das Passfoto auf dem Lebenslauf, sondern das, auf welchem Ihr Kumpel Andi Sie bei Ihrer Lieblings-Community verlinkt hat – und das Sie mit einer zweifelhaften Zigarette im Mund inmitten von Bierflaschen und Kommilitonen mit freiem Oberkörper beim Flaschendrehen zeigt…

Geheimdienstmethoden längst auch bei Personalern im Trend

Es ist inzwischen hinlänglich bekannt, dass der allgemeine Trend zu mehr Überwachung und Datennutzung seitens potentieller und aktueller Arbeitgeber einerseits und die durch das Mitmachnetz bedingte, vermehrte Selbstoffenbarung andererseits sich hinsichtlich der eigenen Karriere ungünstig mischen können. So ist es inzwischen logischerweise für jeden Personaler Standart, den Namen potentieller Bewerber zu googlen und in diversen Web-Communities zu suchen – und zwar gerade dann, wenn diese nach ihren Abschlussnoten und der Vita interessant für einen höheren Posten (eben eine Akademikerstelle) im Unternehmen sein könnten. Bequemerweise gibt es für solche Zwecke inzwischen auch eine bunte Mischung von Seiten, die über Google hinausgehend die Ergebnisse verschiedener Suchanfragen schön übersichtlich zusammenstellen (etwa Stalkerati oder Yasni).

Das sind doch harmlose Daten! Wirklich?

Gravierender für die eigene berufliche Entwicklung ist es aber, dass eine solche Recherche beim schlichten surfen nicht stehen bleibt. So gibt es inzwischen spezielle Personal-Dienstleister, die unter Nutzung verschiedener Software das, was sie im Netz über Sie finden mit den Anforderungen des Unternehmens in Beziehung setzen. Gruppenzugehörigkeit, Blogäußerungen und Pinnwandeinträge werden durch Profis dahingehend analysiert, ob und in welchem Maß sie mit Fleiß, Beständigkeit, Engagement, konservativen Wertvorstellungen – eben der Unternehmenskultur und den explizit formulierten Arbeitsanforderungen – übereinstimmen. Bereits aufgrund einer bezeugten Zugehörigkeit zu einem bestimmten Musikstil (Gothik, Punk) können weitreichende Schlüsse auf Ihr soziales Umfeld, Ihre Freizeitgestaltung und grundlegende Werte gezogen werden. Diese Analysen sind umso zuverlässiger, je mehr Informationen herangezogen und miteinander verknüpft werden können (einige Beispiele für StudiVZ). Auf diese Weise können auch die durch einen selbst als völlig harmlos eingeschätzten Daten zu einem echten Problem werden.

Aber ich habe extra meinen Namen geändert…

Dies gilt leider auch dann, wenn Sie aufgrund der unlängst erfolgten Debatte um den Datenschutz bei StudiVZ brav Ihren Klarnamen in ein Pseudonym umgeändert und Ihre Profilseite nicht mehr öffentlich ist. Spezielle, nicht sehr aufwändig zu programmierende Scripte bringen dennoch Kontaktdaten, Gruppenzugehörigkeit und Fotos zu Tage, die gleich noch bequem in einer Datenbank gespeichert werden können. Ein lascher oder aus Unkenntnis zu offener Umgang mit den Daten (ehemaliger) Studenten seitens der Universitäten bietet ebenfalls eine reichhaltige Quelle von Material. Darüber hinaus bekommt das WEB zunehmend ein Elefantengedächtnis verpasst: Anbieter wie Webarchiv.org haben es sich zur Aufgabe gemacht, ältere Versionen von Millionen von Webseiten für die Zukunft zu speichern.

Was tun? Verschleiern Sie Ihre Identität gegebenenfalls möglichst sorgfältig

Auf der Hand liegt zunächst wohl die Empfehlung, bereits bei der Anmeldung in einer Community, einem Blog oder einem Forum sorgfältig zu überlegen, ob Sie dort wirklich unter Ihrem Klarnamen auftreten wollen und müssen. Hier ist mit einzubeziehen, dass Sie auf den Verlauf bestimmter Diskussionen (und auch auf die Einträge anderer dort) kaum Einfluss nehmen können. Auch wenn z.B. ein Forum zu einem bestimmten Zeitpunkt als recht seriös gilt, heißt das nicht, dass das so bleibt. Im Zweifellsfall sollten Sie immer einem (jeweils anderen) Pseudonym dem Vorrang geben – und zwar einem, aus dem Ihr wirklicher Name auch nicht ohne Weiteres abzulesen ist. Bedenken Sie also, dass MüllersSabineausHamburg oder KretschmarsIhrer für einen Rechercheprofi keine wirklichen Herausforderungen darstellen – vor allem dann nicht, wenn Ihre Einträge Rückschlüsse auf Ihren Beruf oder Links zu Ihrem Sportverein enthalten. Auch email-Adressen (z.B. solche, die unter ansonsten vollkommen anonymen Kontaktanzeigen stehen) können im Übrigen ein erstaunliches Ausmaß an Informationen – bis hin zum Klarnamen einer Person und ihrer Telefonnummer – zu Tage fördern.

Digitales Reputationsmanagement

Ein gelungenes Reputationsmanagement bezieht viele Perspektiven mit ein. Bei Informationen, die Sie im Internet hinterlassen, sollten Sie nicht danach gehen, was Sie (Ihnen wohl gesonnenen Freunden) auch mündlich mitteilen würden. Sondern was Institutionen, Arbeitgeber und Behörden für einen Eindruck bekommen sollen und welche Informationen über Sie andererseits leicht zugänglich sind. Dazu gibt es inzwischen spezielle Anbieter, die kostenfrei oder recht preisgünstig für die Entfernung zweifelhafter Inhalte die im Internet über Sie kursieren, sorgen (z.B. my-ON-ID). Sie können allerdings auch selbst um die Entfernung von Einträgen, Fotos oder Videos bitten, welche Sie in einem zweifelhaften Licht erscheinen lassen könnten. Die andere Seite der eigenen Imagepflege ist das gezielte Erzeugen seriöser Informationen, die Ihre Kompetenzen (auch die sozialen) hervorheben. So lohnt es sich, bei „unzweifelhaften“ Aktivitäten (wie etwa der ehrenamtlichen Mitgliedschaft in einem Verein, Fördermitgliedschaften, Spenden) durchaus einmal mehr den eigenen Namen oder die eigene email-Adresse zu posten. Auch Einträge, die Sie mit angesehenen Fach-Blogs oder kompetenten Personen in Verbindung bringen, können für einen Personaler die Entscheidung zur Einstellung (oder Beförderung) erleichtern. Wie ein ausführlicher Beitrag zum Thema von Jochen Mai für WiWo.de hervorhebt, geht es hierbei auch um das gezielte Streuen subtiler Informationen. Freundliche Familienfotos, Einträge als Kogressbesucher oder seriöse Artikel in Hobby-Magazinen runden ein Bild ab, dass Ihrer Karriere zweifellos eher dienlich ist als die Fotos vom letzten Mallorca-Urlaub, die Ihre einzige Gedächtnisstütze an die dortigen Ereignisse sind.

Bildquelle: pixelio.de

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