Indiana Jones 4 – Ein strahlendes Comeback?

19 Jahre nach seinem letzten Auftritt kehrt am Donnerstag eine der wohl bekanntesten und beliebtesten Leinwandfiguren in die Lichtspielhäuser zurück. Die Erwartungen sind groß und die Befürchtungen noch größer. Denn nur ungern erinnert man sich an die letzten Wiederbelebungsversuche aus dem Lucas-Universum. Die Prequels zur “Star Wars”-Kultreihe gelten unter Kennern

indiana4.jpg19 Jahre nach seinem letzten Auftritt kehrt am Donnerstag eine der wohl bekanntesten und beliebtesten Leinwandfiguren in die Lichtspielhäuser zurück.

Die Erwartungen sind groß und die Befürchtungen noch größer. Denn nur ungern erinnert man sich an die letzten Wiederbelebungsversuche aus dem Lucas-Universum. Die Prequels zur “Star Wars”-Kultreihe gelten unter Kennern und Laien allesamt als enttäuschende, blutleere Special-Effect-Monstren. Lucas’ Technikpimping seines Erstlings “THX1138” ist sinnentstellende Überflüssigkeit und sein nachträgliches Feintuning der klassischen “Star Wars”-Reihe schwingt zwischen Blödsinn und für Insider skandalöser Verfälschung des Charakters der Serie. Die Zeichen stehen also eher ungünstig. Wie ergeht es nun dem Schätze suchenden Helden aus der Kindheit?

Um es vorweg zu nehmen: Es ist (zum Glück oder leider?) alles beim Alten! Dr. Henry Jones jr. hält es wie eh und je. Die Schuhe staubig, dafür die Peitsche gut gefettet. Ein trockener Spruch auf den Lippen, eine Frau an seiner Seite und um den Einsatz handfester Argumente nicht verlegen, schießt, rennt, boxt und rätselt sich der Akademiker wie erwartet durch eine Welt voller uralter Mysterien und klar abgegrenzter Feindbilder. Aber es hat sich seit seinem letzten Auftreten auch einiges getan. Der Zweite Weltkrieg ist vorbei, die Nazis besiegt. Elvis Presley und das atomare Wettrüsten der beiden Großmächte regieren die Welt. Technologischer Fortschritt und Jugendkultur sind die Leitmotive.

Ein wenig alterseinsam, von Mccarthys Bespitzelungen genervt und an den Rand eines Karriereverlustes getrieben, erwägt unser Held gerade den Umzug an die Leipziger Universität, als plötzlich der rebellische Mutt (Jungstar Shia LeBeouf), nebst Motorrad, Schmalzlocke und Lederjacke am Bahnhof auftaucht und ihm einen Brief mit kryptischen Zeichen und Symbolen übergibt.

Chaotische Reise zu Wasser und zu Land

Damit ist Indiana Jones’ Neugier geweckt und auf der Suche nach einem geheimnisvollen Kristallschädel, beginnt, verfolgt vom russischen Geheimdienst und der medial veranlagten Irina Spalko, eine turbulente, zuweilen chaotische Reise zu Wasser und zu Land – hier selbstverständlich rot eingezeichnet –, durch mit Rockabillys verstopfte Straßenzüge und Universitätshallen und staubige, Insektenverseuchte Höhlen und Katakomben in Südamerika.

Auf seinem Weg trifft er dabei auf alte Freunde, bekommt neue hinzu, wird geschlagen und getreten, gefangen genommen, dem Wahnsinn ausgesetzt, versinkt und stürzt ab, steigt empor und schwingt mit der Peitsche. Natürlich bewahrt er die Welt auch vor Stalins Schergen, bringt dabei eines der größten Geheimnisse der Menschheitsgeschichte ans Licht und findet am Ende auch noch sein persönliches Glück.

Dass das Drehbuch dabei gelegentlich ein wenig holpert und die Figuren manchmal zu stark überzeichnet rüberkommen, verzeiht man gern. Denn dem Erfolgsgespann aus Regisseur Spielberg, Produzent und Ideengeber Lucas, Hofkomponist Williams und Hauptdarsteller Ford ist letztlich ein guter, überzeugender Film gelungen. Dieser verzichtet zwar auf Experimente (leider und zum Glück!) und wird deshalb die Filmgeschichte nicht so wie der Erstling revolutionieren, aber doch wenigstens bereichern.

Perfekte Effekte und beeindruckende Bilder

Drei Dinge sind dabei besonders hervorzuheben: Spielberg, die Requisite und Lucas’ Effektschmiede ILM haben dem Film neben perfekten Effekten und beeindruckenden Bildern einen traumhaften Look gegeben, der in seiner leichten Überhöhung alleine schon einen Kinobesuch wert ist. Warme, sanfte Farbtöne, ein wenig Bloom auf Gegenständen und subtiler Weichzeichner tauchen die Bilder in ein wunderbares Licht. Audiovisuell ein großer Wurf!

Weiter gefällt das Feingefühl, mit welchem man den Helden ehrenhaft altern ließ. Sein Gesicht ist von Falten durchzogen, das Haar grau und der Gang behäbiger, seine Sinne aber sind scharf, seine Schläge haben noch immer die gleiche Wucht und eventuelle Zeichen des Alters macht er mit Weisheit wett.

Ein Gefühl von Film

Zum Dritten macht es großen Spaß, dem Schauspielerensemble bei der Arbeit zuzusehen. Die Freude, bei diesem Projekt dabei zu sein ist allen anzusehen, durchstößt die Leinwand und überträgt sich angenehm auf den Zuschauer. Der Film erreicht dabei etwas, was Filme dieses Genres – ob der klaren Trennung zwischen Zuschauer und Projektion – nur selten erreichen: ein Gefühl zu geben, was Film ist ohne dabei die Illusion zu zerstören.

Man kann also feststellen, dass der Versuch gelungen ist. Der Patient lebt, unterhält sein Publikum bestens und hält das Tempo hoch. Weiter so! Hier ist sicher noch nicht Schluss!

Photo Quelle/Copyright: daslive.blogspot.com, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr

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  1. Niedlich – ein alternder Hollywood-Star braucht nochmal Geld… Niedlich, wirklich niedlich – vielleicht bringt es auf SuperRTL gute Einschaltquoten bei der 300. Wiederholung in 10 Jahren. Ich werde es mir NICHT ansehen.