“Haste mal nen Rheingold?” – In Düsseldorf ist diese freundliche Aufforderung zur Spende gar nicht so abwegig. Seit September 2006 existiert hier das Zahlungsmittel zusätzlich zum Euro. Obwohl… andererseits müsste obige Frage fast gleichzeitig mit ihrem Auftauchen schon bald wieder im Aussterben begriffen sein. Denn das Zahlungsmittel schafft Wohlstand, so zumindest der Kurator des Rheingold-Kunstprojektes Jost Reinert. Die Rückseite der Scheine können Bürger selbst gestalten und so für eigene Unternehmungen werben.
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RE: Im “Ring des Nibelungen” von R. Wagner verhilft das Rheingold demjenigen zu grenzenloser Macht, der als Besitzer des selbigen einen Ring daraus schmiedet und der Liebe abschwört*. Abgesehen vom Schmieden des Ringes, haben Sie nicht Angst, dass den Düsseldorfern das selbe Schicksal widerfahren könnte?
Reinert: Das alte Geld wie das Rheingold ist in erster Linie Informationsträger. Das alte Geld informiert uns mit Neid und Gier. Rheingold mit Vertrauen und Überfluss. Auch Alberich wird mit unserem Rheingold der Liebe nicht mehr abschwören.
RE: Auch in anderen Gebieten Deutschlands gibt es bereits Regiogeld, so den Roland in Bremen, der Chiemgauer im Chiemgau, den Urstromtaler in Sachsen-Anhalt und den Volmetaler in Hagen. Was ist denn der Vorteil von Rheingold gegenüber dem Euro – was ist die Idee dahinter und vor allem wie steht eigentlich die Deutsche Bundesbank dazu?
Reinert: Rheingold ist kein Regionalgeld, da es weder regional, noch Geld ist. Der Vorteil des additiven Tauschmittels Rheingold ist der, daß Rheingold Wohlstand schafft. Die Bundesbank hat in einer 72-seitigen Analyse ausführlich zum Rheingold Stellung genommen. Ein Auszug ist auf der Rheingold Webseite zu finden.
RE: War es nicht zu Beginn 2006 schwierig, bei den Bürgern der Region überhaupt erst einmal Vertrauen für die neue Währung zu wecken?
Reinert: Ja, denn Rheingold ist ein Projekt der Bewußtseinsveränderung. Verstanden werden muß, daß man sich selber (und damit seinem eigenen Rheingold) Vertrauen schenkt. Das ist in der heutigen Zeit leider nicht mehr selbstverständlich.
RE: Ganz praktisch – Wie kommt man an das Rheingold, wo erfolgt der Druck, wer gibt es aus?
Reinert: Der einzelne Rheingolder gibt es aus. Er beauftragt den Drucker, ihm seine eigenen Rheingold-Gutscheine zu drucken und macht es durch Einkaufen lebendig.
RE: Der Wert bzw. die Gültigkeit des Geldes ist befristet – wie ist das zu verstehen und was ist Sinn dieser Frist?
Reinert: Die Gültigkeit ist befristet, nicht jedoch sein Wert, den man besser Kaufkraft nennt. Der Sinn ist, durch den Ausgabeanreiz das Rheingold in Umlauf zu halten, damit viele Aufträge wohlstandserhöhend wirken.
RE: Sie sagen, das Rheingold schaffe Wohlstand. Wie funktioniert das Prinzip und wie steht es mit den Erfahrungen der Nutzer?
Reinert: Zusätzliche Liquidität schafft zusätzliche Aufträge. Zusätzliche Aufträge schaffen zusätzlichen Umsatz. Zusätzlicher Umsatz führt zu höherem Wohlstand. Das ist der Kurzfristvorteil. Langfristig führt Rheingold zu einer Verstetigung der Auftragslage, da die Rheingold-Liquidität nachfragend am Markt bleibt.
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RE: Besteht nicht wie bei jeder anderen Währung auch die Gefahr, dass das Rheingold durch ungünstige äußere Umstände an Wert verliert?
Reinert: Da wir über den Ausgabeanreiz die Goldmenge steuern können, ist immer genauso viel Rheingold da, wie wir brauchen, um uns in Wohlstand zu schwingen bzw. diesen zu halten.
RE: Ist das Ziel, den Euro in der Region ganz abzuschaffen? Oder gehen wir noch weiter: Soll so der fortschreitenden Globalisierung entgegengewirkt werden?
Reinert: Nein. Rheingold ist additiv zum alten Euro. Liebhaber des Euro können Euro weiterhin verwenden. Es wird allerdings der fortschreitenden Verarmung entgegengewirkt.
RE: Kann jeder Rheingolder werden?
Reinert: Jeder, der Rheingold auch wieder an Zahlung statt akzeptiert, kann Rheingolder werden. Aus organisatorischen Gründen sind wir derzeit ein B to B Projekt.
RE: Wie viele Geschäfte akzeptieren bereits Regionalgeld?
Reinert: Es gibt mittlerweile über 700 Akzeptanten des Rheingolds. (http://www.rheingoldregio.de)
Interview: Felix Kubach
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Jost Reinert ist Kurator des Rheingold-Projektes und ist zuständig für die Auswahl der beteiligten Künstler. Für NRW hat er Ausstellungsprojekte zeitgenössischer Künstler in den Nationalmuseen Ostasiens verwirklicht. Quelle: www.rheingoldregio.de (Die Gründer)
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*„Nur wer der Minne Macht entsagt, nur wer der Liebe Lust verjagt, nur der erzielt sich den Zauber, zum Reif zu zwingen das Gold“
Jens gibt Thomas und Thomas gibt Klara und Klare gibt Emil und Emil gibt Stefan und Stefan gibt Margit und Margit gibt dem Frieder und Frieder gibt dem Jens.
Der Jens gibt dem …
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