Langsam wird es ernst für die türkischen Raucherinnen (20%) und Raucher (60%): Am Montag trat das erst im Januar 2008 vom türkischen Parlament verabschiedete Rauchverbot für alle öffentlichen Gebäude, für Arbeitsplätze, Einkaufszentren, Sportstadien und Krankenhäuser in Kraft. Ausnahmeregelungen sind für Sport- und Konzertveranstaltungen vorgesehen. Für Restaurants und Cafés gilt indes noch eine einjährige Übergangsfrist. Ab Juli 2009 wird auch dort ein striktes Rauchverbot aktiv. Türkei-Touristen aber können aufatmen. Es gibt Ausnahmeregelungen.
Auch deutsche Urlauber können somit fleißig weiterpaffen, so sie es denn wollen. Spezielle Hotelzimmer für Raucher können gebucht werden. Das türkische Nichtraucherschutzgesetz ist aber trotzdem vergleichsweise hart und unerbittlich. Jedenfalls für die Normalbürger. Freilich war, am Rande bemerkt, auch das bayerische Gegenpart, nicht von Pappe. Doch inzwischen machten die völlig konturlosen CSU-Herren Beckstein und Huber einen exorbitanten Rückzieher in Sachen Nichtraucherschutz, weil ihnen die Wählerstimmen für ihre CSU flöten zu gehen drohten. – Den in der Regel viel rauchenden Türken jedenfalls wird das Gesetz im Alltag ordentlich zu schaffen machen. Zwar gelten in den öffentlichen Verkehrsmitteln der Türkei schon des längeren Rauchverbote; nun aber werden Ayse und Ali Muster-Türke schon um ein Vielfaches mehr auf die Probe gestellt. Wie z.B. allerdings das Verhalten des gemeinen türkischen Verkehrsteilnehmers zeigt, weiß das türkischen Volk schon, wie mit Verboten umzugehen ist: man weiß diese so gut es eben geht zu ignorieren.
Bei Verstößen gegen das Nichtrauchergesetz werden empfindliche Strafen fällig
Dessen ungeachtet gibt sich das neue Nichtrauchergesetz hart: bei Verstößen dagegen sind von privaten Einrichtungen laut Strafkatalog umgerechnet 2700 Euro und bei Einzelpersonen 28 Euro an die Staatskasse fällig. In den letzten Tagen waren in diversen Sendungen zum Thema auf unterschiedlichen TV-Kanälen Ratschläge etwa von Psychologen hoch gefragt. Sie rieten in der Regel zur Toleranz im Umgang mit gereizten Rauchern, welche über Rauchverbote in Harnisch geraten sollten, weil diese gezwungen seien, ihre Sucht zu unterdrücken. In der Türkei hat man in der Regel Erfahrung im Umgang mit Gestressten und Ausgerasteten. Etwa, wenn Autofahrer von der Sommerhitze drangsaliert in ihren Blechkisten im Stau festsitzen und sich beispielsweise vom Hintermann genötigt fühlen. Sollte allerdings – trotz fachärztlicher Beratung via TV – nun doch einmal ein Raucher im öffentlichen Raum durchdrehen und auch noch gegen die Staatsgewalt tätlich werden…
Patienten, Heiminsassen und Häftlinge dürfen weiter paffen
Das neue Gesetz hat auch dafür Vorsorge getroffen: Psychiatrische Kliniken und Gefängnisse stellen ihren Insassen Raucherräume zur Verfügung. Dort können die jeweiligen Patienten bzw. Delinquenten dann weiter dampfen bis zum Abwinken. Gleiches gilt im Übrigen für Bewohner von Altenheimen. Verwunderung löste übrigens folgendes Paradoxon aus: Parlamentsabgeordnete, welche in der Großen Türkischen Volksversammlung für das Nichtraucherschutzgesetz gestimmt hatten, kündigten trotzig an, in den Räumlichkeiten des Parlaments in Ankara dennoch weiter rauchen zu wollen. Na ja, was soll’s. Rom ist ja bekanntlich auch nicht an einem Tag erbaut worden…
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