Verdienen Totalverweigerer Respekt ?

Die Liste derjenigen Männer, die sich dem Wehrdienst entzogen haben, ist lang und umfasst einige der moralisch untadeligsten und einige der erfolgreichsten und intelligentesten Männer, die je gelebt haben: Albert Einstein entzog sich dem Wehrdienst in Baden-Württemberg, indem er die schweizerische Staatsbürgerschaft annahm, der Physiknobelpreisträger Richard Feynman wurde aus psychiatrischen

Die Liste derjenigen Männer, die sich dem Wehrdienst entzogen haben, ist lang und umfasst einige der moralisch untadeligsten und einige der erfolgreichsten und intelligentesten Männer, die je gelebt haben:

Albert Einstein entzog sich dem Wehrdienst in Baden-Württemberg, indem er die schweizerische Staatsbürgerschaft annahm, der Physiknobelpreisträger Richard Feynman wurde aus psychiatrischen Gründen ausgemustert und der Träger des Wirtschaftsnobelpreises John Nash wurde unabkömmlich gestellt, weil er bei der Rand-Corporation, einer Denkfabrik unter anderem für das Militär arbeitete. (Seine Geisteskrankheit brach erst in späterem Alter aus, siehe den Kinofilm “A beautiful mind” ). Der berühmte bayerische Schriftsteller und Nazi-Gegner Oskar-Maria Graf entzog sich dem Wehrdienst, indem er Schizophrenie simulierte, so überlebte er den Ersten Weltkrieg in der königlich-bayerischen Irrenanstalt Haar bei München (Heute Isar-Amper-Klinik für Psychiatrie ). Der Literaturnobelpreisträger Thomas Mann schildert in seinem Roman “Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull”, wie sich ein junger Mann, Felix Krull, dem Kriegsdienst entzieht, indem er Epilepsie simuliert.

Der Zufall entscheidet

Das Thema ist heute, im Jahr 2008, wieder hochaktuell. Wie das Magazin “Der Spiegel” im Artikel “groteske Massenausmusterung” (siehe: http://www.spiegel.de/) berichtet, entscheidet heute mehr denn je der Zufall und nicht das psychische und physische Potential junger Wehrpflichtiger darüber, ob sie Wehrdienst oder Zivildienst leisten müssen oder nicht.

Jeder kennt wohl aus seinem Bekanntenkreis Beispiele von topfitten Sportlern, die ausgemustert wurden und ebenso von psychisch oder körperlich angeschlagenen jungen Männern, die zum Wehrdienst gezwungen wurden und dort Selbstmordversuche unternahmen oder deren körperliche Krankheiten bei der – zugegebenermaßen äußerst oberflächlichen Musterungsuntersuchung unentdeckt blieben und erst während oder nach abgeleistetem Wehr- oder Zivildienst korrekt diagnostiziert wurden.

Auch heute noch gibt es junge Männer, die, sei es, weil sie Pech haben oder weil sie zu ehrlich sind, es nicht schaffen, untauglich geschrieben zu werden und die dann, aus Idealismus und aus innerer Überzeugung heraus, Totalverweigerer werden. Auf der Internetseite der “Kampagne gegen Wehrpflicht” (siehe: http://www.kampagne.de/) werden die Beispiele zweier junger Männer, Mathias Schirmer und Silvio Walter, aufgegriffen, die seit April 2008 im Gefängnis sitzen, weil sie ihrem Gewissen gefolgt sind und totalverweigert haben. Auf der Internetseite ist auch die Postadresse der beiden jungen Männer angegeben, falls sie jemand unterstützen oder aufmuntern will.

Wie steht es mit der Gleichbehandlung?

Abschließend stellt sich noch die Frage, ob man gegen geltendes Recht verstößt, indem man diesen Artikel publiziert. Denn es gibt den Straftatbestand “Störpropaganda gegen die Bundeswehr”, den Nachfolgeparagraphen des Paragraphen zur “Wehrkraftzersetzung”, der im Dritten Reich und davor galt. (siehe Wikipediaartikel “Wehrkraftzersetzung”). Wenn man juristisch argumentiert, könnte man auch anführen, dass eine Wehrpflicht, die nur für Männer und nicht für Frauen gilt, gegen das Grundgesetz der Bubdesrepublik Deutschland verstößt, und zwar gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz. Lediglich die lange Tradition, dass nur Männer Wehrdienst leisten und in den Krieg ziehen und Frauen nicht, hat eine “normative Kraft des Faktischen” geschaffen, so dass heute die meisten deutschen Gerichte bis hin zum Bundesverfassungsgericht die Wehrpflicht nur für Männer für rechtens halten.

Kommentare

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  1. Auf jeden Fall!

    Totalverweigerer verdienen den höchstes Respekt. Menschen die persönlich die Konsequenzen (so hard sie auch sind) für ihre Entscheidungen tragen, sind, im Gegensatz zu denen, die auf den Befehl eines Anderen töten, wahre Helden. Zigtausend jugen Männer fühlen, sich zurecht, benachteiligt, wenn sie Dienste leisten müssen, während andere Bundesbürger machen können was sie wollen. Aber wer tut was dagegen?
    Auf rechtlichem Weg hat man keine Chance, weil eine Obrigkeit, die, die Wehrpflicht will, entscheidet, was recht ist und was nicht. Gäbe es keine Totalferweigerer würde niemand wahrnehmen, dass es ein Problem gibt, weil jeder brav “seine Pflicht” erfüllt.

    Menschlich würde ich jeden Totalverweigerer vorziehen, gegeüber einem Menschen der die Benachteiligung die man vor, während und nach dem Dienst erfährt, ausblendet und mit überzogenem Pflichtbewusstsein und Patriotismuss auffüllt und so gar nicht merkt wie er, gegenüber Nichtwehrpflichtigen, einen Tritt in den Hintern bekommt.