Die Polizei hat heute einen 30-Jährigen aus Rastede festgenommen. Er hat am Ostersonntag gegen 20 Uhr bei Oldenburg einen Holzklotz von einer Autobahnbrücke geworfen. Der sieben Kilogramm schwere Klotz durchschlug die Windschutzscheibe eines Autos und tötete eine 33-jährige Mutter.
Der 30-Jährige wurde zu Hause festgenommen. Der Drogenabhängige legte ein Geständnis ab. Als Motiv nannte er “Frust”. Das teilten Polizei und Staatsanwaltschaft soeben bei einer Pressekonferenz mit.
“Gute Zusammenarbeit”
Niedersachsens Justizminister Bernd Busemann sagte zu diesem Fahndungserfolg: “Ich freue mich, dass die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Staatsanwaltschaft und Polizei zur Ergreifung des mutmaßlichen Täters geführt hat. Dieser Fall beweist einmal mehr die hohe Effizienz der niedersächsischen Ermittlungsbehörden.”
Die Oldenburger Polizei hatte eine Sonderkommission gebildet, bei dieser Kommission gingen mehrere hundert Hinweise ein, ein Hinweis stammte von dem Täter, der kurz nach dem Tod der 33-Jährigen gegenüber den Fahndern behauptete, er habe auf der Brücke einen Holzklotz gesehen und sei vom Fahrrad gestiegen, um den Klotz beiseite zu räumen.
“Wir kriegen Euch”
Weniger erfolgreich als für Polizei und Staatsanwaltschaft verlief die Fahndung für die “Bild”-Zeitung. Als die Sonderkommission eine Phantomzeichnung von 16- bis 20-jährigen Jugendlichen veröffentlicht hatte, die in Tatortnähe gesehen worden waren, kündigte das Boulevardblatt an, dass man diese Bande erwischen werde. Vorher gebe es für die jungen Leute keine Ruhe mehr.
Später berichtete “Bild” sogar noch über einen geplanten Gen-Test, dem sich 1200 Jugendliche unterziehen müssten. Die Schlagzeile dieses Boulevardblattes müsste morgen also lauten: “Bild jagt die Falschen – Polizei erwischt den Richtigen”.
Lautet sie aber nicht: Aus den jungen Holzklotz-Teufeln wird ein Holzklotz-Teufel. Dazu vermerkt das Boulevardblatt: “Es war der erste Zeuge“.
Als ich das Bildphantombild sah, schlich mich Unbehagen an. Es erinnert mich an die junge Leute, die ich jeden Tag in der Stadt sehe und die auch so gekleidet sind, wie die Jungens die meinen Sohn besuchen. Ich empfand das als perfide in der Darstellung. Es hat gleich eine Gruppe verdächtigt. Das ist bisher einzigartig und leutet eine neue Form der Täterhatz ein. Eine widerliche Zeitung und genau das, was der Mob braucht.