“Ein afrikanisches Sprichwort sagt: Ein Boot kommt nicht voran, wenn jeder auf seine Art rudert – Hier sieht man, wie weit man kommt, wenn man gemeinsam rudert. Das Boot der Verständigung ist weit gekommen.” Mit diesen Worten fasste der politische Schirmherr, Außenminister Dr. Frank-Walter Steinmeier am gestrigen Donnerstag das 20-jährige Bestreben des mittlerweile größten Africa Festivals Europas zusammen. Kaum einer hätte sich wohl träumen lassen, dass die zarten Anfänge, die das Event auf Initiative von Dr. Stefan Oschmann im Jahr 1988 im Würzburger Stadtteil Grombühl vor etwa 200 Zuschauern genommen hatte, zu einer derart herausragenden Institution für Menschen aus allen Erdteilen werden würde. Darin waren sich alle Redner während der feierlichen Eröffnungszeremonie auf den Mainwiesen einig.
Von Texas bis Madagaskar
Erneut wurde eine logistische Mammut-Aufgabe reibungslos bewältigt, um auch diesmal die 50.000 Quadratmeter große Fläche standesgemäß für eine viertägige Geburtstagsfeier mit vielen Größen der afrikanischen Musik herzurichten. Insgesamt 850, teils ehrenamtliche Menschen im Hintergrund, sorgten schon im Vorfeld dafür, dass das Africa Festival 2008 seinem erklärten Ziel, “ein Spiegel der Völkerverständigung” zu sein, auch heuer wieder gerecht wird. Rund 1,4 Millionen Besucher haben in den letzten zwei Dekaden den Weg in die unterfränkische Universitätsstadt gefunden. Viele sind gar seit den ersten Tagen dabei und halten sich den Termin jedes Jahr aufs Neue frei. Und ob aus Texas, New York, Norwegen oder gar Madagaskar – kein Weg scheint den Fans des Kultur-Spektakels zu weit.

Und so erschienen auch zur Eröffnung rund 35 Botschaftsangehörige aus 20 Ländern von Benin bis Mauritius, um gemeinsam mit den Initiatoren, Vertretern der Stadt Würzburg, zahlreichen Ehrengästen und zuletzt dem musikalischen Schirmherrn Manu Dibango und eben Dr. Frank-Walter Steinmeier das bisher geschaffte zu würdigen. “Das 20. Festival hat viele Freunde nach Würzburg gebracht und das tut Würzburg gut”, stellte der neue Oberbürgermeister der Universitätsstadt, Georg Rosenthal denn auch einleitend fest. Würzburg schlage mit diesem Fest eine Brücke nach Afrika und stelle sich, bei aller Lebensfreude, auch den kritischen Themen des Schwarzen Kontinents. “Für die Würzburger ist Unbekanntes nicht fremd, sondern anders. Wir nehmen Anteil am Streben afrikanischer Länder und deren Bestreben Lösungen zu erarbeiten.” Manu Dibango, der schon vor zehn Jahren die Schirmherrschaft inne hatte, konnte sich dem nur anschließen: “Das Festival ist die Gelegenheit, sich die Hände zu reichen.”
Besser und dauerhafter ins Gespräch kommen
“Feiern mit Freunden”, das mit viel Bedacht gewählte Motto des diesjährigen Festivals spiegelt sich in jeder Faser der Veranstaltung wider. Langjährige Wegbegleiter und Freunde haben sich eingefunden. Erneut wurde ein Raum für Begegnungen, den am frühen Abend bereits an die 20.000 Besucher bevölkerten, geschaffen. Zahlreiche Aktionen, wie etwa eine Fotoausstellung Jürgen Schadebergs, neben der Stadt Würzburg weiterer Preisträger des Africa Festival Awards 2008, im nicht weit entfernten Kulturspeicher begleiten das Fest. Steinmeier war sich deshalb auch sicher: “Die schöpferische Kraft und das Entwicklungspotential Afrikas wird hier greifbar.” Denn eines sei klar, die Grenzen der Verständigungsschwierigkeiten würden immer noch am besten mit Kultur überwunden werden. Dem schließt sich auch die Bundesregierung an, die sich in diesem Jahr besonders für Afrika engagieren würde. Es gelte noch besser und dauerhafter ins Gespräch zu kommen. Dazu gehöre zum einen die Unterstützung der Schulbildung mit dem Aufbau neuer Goetheinstitute und der Förderung von Professuren an den Universitäten. Zum anderen sind das aber auch ganz spezielle Projekte wie etwa “Learning by Ear” in Kooperation mit der Deutschen Welle. “Afrika wird bei uns immer noch als der Kontinent der Krisen und Konflikte beschrieben”, stellte der Außenminister fest. “Viele Regionen sind jedoch im Aufbruch.” Und auch wenn viele von ihnen in Zukunft weiterhin unsere Hilfe benötigen werden – unser Bild von Afrika müsse sich gehörig wandeln.

Den Würzburgern jedenfalls liege das Schicksal Afrikas am Herzen, denn: “Wer einmal vom Honig gekostet hat, der kehrt immer wieder zum Honigtopf zurück.”
Und so kamen sie am Abend auch zahlreich, um den ersten rauschenden Tag mit den Klängen von Lokua Kanza, der zusammen mit seiner Tochter Maleika Lokua den Weg ins Unterfränkische fand, und Manu Dibango nebst seiner 16 Mann starken Big Band, gebührend unter der beeindruckenden Kuppel des Zirkuszeltes enden zu lassen.
Impressionen des ersten Tages finden sich hier.
- “Wir feiern mit Freunden” – Das 20. Africa Festival lockt mit Staraufgebot
- African Connection: Das Africa Festival verbindet Franken mit dem Schwarzen Kontinent
- Africa Festival 2008: Der Countdown beginnt
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