BEST OF READERS EDITION – eine Wochenbilanz

Noch immer hingerissen von den vielfältigen Eindrücken des 20. Africa Festivals, das gestern in Würzburg begonnen hat, heißt es nun kurz zurück an den Schreibtisch. Die Woche neigt sich dem Ende entgegen. Und so bunt wie sich das Treiben auf den Mainwiesen gestaltete, so farbenfroh ging es auch dieser Tage

arri11.JPGNoch immer hingerissen von den vielfältigen Eindrücken des 20. Africa Festivals, das gestern in Würzburg begonnen hat, heißt es nun kurz zurück an den Schreibtisch. Die Woche neigt sich dem Ende entgegen. Und so bunt wie sich das Treiben auf den Mainwiesen gestaltete, so farbenfroh ging es auch dieser Tage auf der Readers Edition zu.

Von furchtlosen Schülern und kulturellen Verlusten

Abi im Alleingang“, titelte da etwa DSGE am vergangenen Samstag. Für viele Kollegstufenschüler hierzulande ist in diesen Wochen das Abitur bereits gelaufen oder zumindest so gut wie. Doch unser Autor berichtet von zehn “furchtlosen” Freiburgern, die mit der Schule schon vor einem Jahr abgeschlossen haben. “Zu eingeschränkt fühlten sich die jungen Leute in ihrer Waldorfschule. Dass das Schulsystem nichts tauge sei ja sowieso klar”, erklärt DSGE die Hintergründe. Eigenständig trafen sie sich zum lernen. Besorgten sich Lehrmaterial und die dazu passenden Lehrer. “Sollte sich hier eine individueller Sonderweg für die Pisa-geplagte Nation anbieten?”, scheint da die berechtigte Frage, die DSGE jedoch mit einem klaren Nein beantwortet. Unser Problem seien nicht jene Schüler, die sich Gedanken über die notwendigen Inhalte ihrer Schulausbildung machen würden. Es seien auch nicht jene Schüler, die von sich aus den ganzen Tag für ihre Bildung aufwenden. Die Problemfelder sind doch anderer Natur: Schüler mit Migrationshintergrund und Kinder aus bildungsfernen ALGII-Dynastien, darum müsse sich verstärkt gekümmert werden. Denn Erfolg brauche in seinen Augen Geld, Zeit und individuelles Engagement.

“Der Rundfunkrat des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) hat die angekündigte Einstellung der Hörfunkwelle Radio Multikulti bestätigt. Trotz öffentlicher Proteste und kontroverser Debatte beschloss das Aufsichtsgremium am Donnerstagabend in Potsdam einstimmig eine entsprechende Resolution.” Soweit die Meldung des Tages. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, da flog noch eine eingehende Mahnung durch die Lande. Claus-Dieter Stille erklärte zum Beispiel kürzlich: “Radio Multikulti abzuschalten, wäre von Übel“. Dass seine Warnungen und die vieler anderer nichts genützt haben, das ist jetzt klar. Dennoch regt sein Appell auch über diese Entscheidung hinaus zum Nachdenken an. “In unserem Land ist in den letzten Jahren viel von dringend notwendigen Verbesserungen in puncto Integration der hier lebenden Migrantinnen und Migranten in die deutsche Gesellschaft die Rede. Integration ist zweifelsohne von hoher Wichtigkeit. Sie ist allerdings weder ein Selbstläufer, noch darf sie nur als Einbahnstraße betrachtet werden”, beginnt er seine Ausführungen. Den Medien komme hier seines Erachtens eine entscheidende Rolle zu – Radio Multikulti insbesondere. Ist es doch eins von nur drei Radio-Programmen dieser Art – sein Verschwinden aus der Medienlandschaft ein herber Verlust. Mit seinen Worten: “ein Rückschlag in Sachen gelebter Integration”, der sich nun bewahrheitet hat.

Von Nutzen und Übel des Web 2.0

Dass der Mensch in den Weiten des Internets zuweilen “gläsern” wird, das erscheint nicht neu. Auch die Tatsache, dass potentielle Arbeitgeber gerne den ein oder anderen Klick nicht scheuen, um Näheres über ihren Kandidaten zu erfahren, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Doch für Marius Baumann steht fest: “Geheimdienstmethoden sind längst auch bei Personalern im Trend“. Es bleibt schon lange nicht mehr beim einfachen Googlen oder dem Durchforsten von StudiVZ und Co. Nein, die Damen und Herren Entscheidungsträger haben professionelle Maschinen für sich entdeckt. “Gruppenzugehörigkeit, Blogäußerungen und Pinnwandeinträge werden durch Profis dahingehend analysiert, ob und in welchem Maß sie mit Fleiß, Beständigkeit, Engagement, konservativen Wertvorstellungen – eben der Unternehmenskultur und den explizit formulierten Arbeitsanforderungen – übereinstimmen”, erklärt Baumann weiter. Als harmlos eingestufte Fotos oder Informationen können da schon mal zum echten Problem werden. Doch Baumann weiß Rat: “Verschleiern Sie Ihre Identität gegebenenfalls möglichst sorgfältig” und werden Sie selbst aktiv. Das Zauberwort der Stunde lautet schlicht: “Digitales Reputationsmanagement”. In seinen Augen zweifelsohne Bestrebungen, die sich lohnen können.

Was für die Einen zum Fluch werden kann, das ist für Andere ein Geschenk. Zumindest wenn man den Ausführungen von Hamid Tehrani und seinem Interview-Partner Arsham Parsi, Gründer und Leiter der Iranian Queer Organisation folgt. Denn was bei uns Gang und Gäbe ist, ist im Iran noch immer ein Problem. “Homosexualität ist im Iran verboten und kann mit Gefängnis oder Tod bestraft werden.” Betroffene Blogger bewegen sich deshalb anonym, nutzen Pseudonyme, um nicht erkannt zu werden. Das Netz ist dabei ihr wichtigstes Kommunikationsmittel geworden, um überhaupt auf ihre Lage aufmerksam zu machen. Und die Community wächst: Wurde vor einigen Jahren überhaupt noch nicht über diese Thema gesprochen, gibt es heute bereits Tausende Seiten, die sich damit auseinandersetzen. Parsi ist sich deshalb sicher, Homosexualität im Iran hat weitere Kreise gezogen: “Ich denke, die Probleme der iranischen Schwulen sind zu einem Menschenrechtsproblem geworden.” Doch weitere Unterstützung ist hier dringend notwendig.

Ein strahlendes Comeback

Kurzweiliger geht es nun bei Nico Haupt zu, der uns in Zukunft immer wieder über die neuesten Erscheinungen auf deutschen Kinoleinwänden informieren wird. Den Anfang macht nun “Indiana Jones 4“. Denn nach fast 20 Jahren Abstinenz ist eine der wohl bekanntesten und beliebtesten Helden in die Lichtspielhäuser zurückgekehrt. Fundiert, detailliert und vor allem mit großer Sachkenntnis ordnet Haupt den neuesten Streifen in das Schaffen von Lucas, Spielberg und Co. ein. Er verliert sich nicht in Einzelheiten, sondern schafft einen gelungenen Rundumschlag des langersehnten Films, auf dem große Hoffnungen, aber ebenso große Befürchtungen seitens der Fans lasteten. Zu welchem Schluss unser Autor kommt, das sei an dieser Stelle nicht verraten. Gesagt sei nur: “Der Patient lebt”… und hoffentlich noch lange.

Auch auf der Readers Edition geht das Leben nun weiter. Das Africa Festival lockt nun wieder an das Mainufer, wo heute Abend Youssou N’Dour samt Special Guest Julia Sarr aufspielen werden. Doch nicht nur darauf dürfen wir gespannt sein. Wir freuen uns auf viele weitere interessante Themen, die uns dieser Tage erreichen werden und wünschen Ihnen sonnige und erholsame Tage. Machen Sie’s gut. Bis nächsten Freitag.

Ihre Redaktion Readers Edition

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