Africa Festival 2008: “7 Seconds war eine magische Chance” – Youssou N’Dour live in concert

Menschen fielen sich um den Hals. Es wurde viel getanzt, gelacht und gesungen. Eine geradezu zauberhafte Atmosphäre verbreitete sich im großen Zirkuszelt des Africa Festivals. Der zweite Abend war angebrochen. Und nach der beeindruckenden Show von Habib Koité aus Mali erlebte das Publikum in der restlos ausverkauften Arena einen weiteren,

Ndour.JPGMenschen fielen sich um den Hals. Es wurde viel getanzt, gelacht und gesungen. Eine geradezu zauberhafte Atmosphäre verbreitete sich im großen Zirkuszelt des Africa Festivals. Der zweite Abend war angebrochen. Und nach der beeindruckenden Show von Habib Koité aus Mali erlebte das Publikum in der restlos ausverkauften Arena einen weiteren, wenn nicht gar den Höhepunkt des Festivals. The golden voice of Senegal – Mr. Youssou N’Dour himself betrat die Bühne und zog Jung und Alt sofort in seinen Bann.

Er “ist ganz unbestritten der afrikanische Superstar schlechthin”, war schon in der Programmankündigung zu lesen. Immerhin hatten ihn auch die Besucher im Online-Voting, das im Vorfeld des Festivals stattfand, auf Platz eins gewählt, um ihn so ein weiteres Mal in der Weinstadt erleben zu dürfen. Die Verehrung, die der Grand Segnieur in seiner Heimat Senegal genießt, ist also auch hier im unterfränkischen Würzburg zu spüren. Die Erwartungen an sein Konzert waren dementsprechend hoch und schon vorweg – sie wurden nicht enttäuscht. Von der ersten Sekunde an überzeugte der Musiker und engagierte Kämpfer für die Rechte Afrikas durch vollste Bühnenpräsenz, die nur wenige Künstler in dieser Ausprägung zu beherrschen scheinen. Er tritt engagiert für Frieden, Freiheit und Demokratie ein, eine Energie, die er mit seiner faszinierenden und ausdrucksstarken Stimme fast zwei Stunden auch auf die Menge im Zelt zu übertragen wusste.

Gemeinsam auf den Spuren seiner musikalischen Wurzeln

Da ist es wenig verwunderlich, dass sich während des gesamten Konzerts nur wenige beherrschen konnten. Selbst auf den Rängen standen die Zuhörer, wippten im Takt und gaben sich der puren Lebensfreude hin, die Youssou N’Dour wie selbstverständlich allen Seiten einzeln zugewandt würdigte. Schon die ersten Klänge von “4-4-44″ ließen erahnen, wohin die Reise an diesem Abend gehen würde. Nichts hatte er in all den Jahren von seiner Stimmgewalt eingebüßt. Sein fesselndes Charisma gepaart mit nahezu unwiderstehlichem Charme hypnotisierte die Massen.

Mit seiner neuen CD entführte der “7 Seconds“-Star in den Norden Senegals, wo er gemeinsam mit dem Publikum seinen eigenen musikalischen Wurzeln nachspürte. “Rokku Mi Rokka“, so der Name des Albums, der frei übersetzt so viel wie “Geben und Nehmen” bedeutet, versucht Einblick in den Ursprung seiner Musik zu geben. Mit Leidenschaft singt er, unterstützt von seiner zehnköpfigen Band, von seiner “brotherhood” und fordert – ganz Entertainer – immer wieder zum Tanz auf. Spätestens jetzt wurde auch dem Letzten klar: Sein Duett mit Neneh Cherry, welches ihn vor mehr als zehn Jahren auch hierzulande bekannt machte, und damit auch er als Musiker, sind kein One-Hit-Wonder. Er selbst hat diesen Song als seine “magische Chance”, seine Musik einem breiten Publikum zugänglich zu machen, bezeichnet. Und es lohnt sich ihm zu folgen: Youssou N’Dour besticht durch einzigartige Vielfalt. Ob traditionelle Percussion, moderne Rap-Elemente, schnelle Up-Tempo-Nummern oder ruhige Stücke mit zurückgenommener Begleitung – seine Musik geht ins Ohr und in die Beine.
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An Stillstand war nicht zu denken

Doch der sympathische N’Dour wäre eben nicht N’Dour, wenn er sein Publikum nicht auch auf extravagante Weise unterhalten würde. Kaum ertönten die ersten Takte von “Yonu Deugeu”, schon erklomm ein farbenfroh gekleideter Tänzer die Bühne, der mit seinen atemberaubend akrobatischen Einlagen durchaus in jeder Artistentruppe hätte anheuern können. Aber auch das wusste Youssou durchaus noch zu steigern. Von “Bardiene” bis “New Africa”, die Songs wurden stetig schneller – die geballte Energie entlud sich in jeder Faser seines Körpers. An Stillstand war nicht zu denken. Selbst mit fast 50 Jahren schwang der Grammy-Gewinner wie ein junger Tänzer das Bein und spielte in kurzerhand arrangierten Sprechchören mit dem Publikum.

“Special Relation to Würzburg”

Und dann kam SIE. Erst am selben Abend hatte sie vom gemeinsamen Auftritt erfahren. Der angekündigte Special Guest Julia Sarr war leider verhindert und so wurde schnell noch einmal der Text von “Set” gepaukt: Angelique Kidjo betrat die Bühne. Im Duett mit Youssou N’Dour vereinten sich nun Senegal und Benin zu einer perfekten Symbiose – bis zur Ekstase. Das Zirkuszelt glich mittlerweile einem wahren Hexenkessel, die “Special Relation to Würzburg”, die N’Dour immer wieder betonte, fand ihren krönenden Höhepunkt. Hunderte Hände schossen gen Himmel, der Pegel erreichte unerhörte Lautstärken, der nur noch durch das Anstimmen von “7 Seconds” gesteigert wurde.

Am Ende des Abends stand fest: Das Erfolgsrezept des Africa Festivals, “real African Music” nach Deutschland zu holen, ging auch im 20. Jahr vollends auf.

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Kommentare

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  1. Die schiere Freude. die hier von Nicole Oppelt rüber kommt, ist beeindruckend. Man sollte eigentlich neidisch werden.

    Wie schön wäre es, wenn Goethe hätte dichten können: “Edel IST der Mensch, hilfreich und gut.” Aber gerade ein Schöngeist wie er fabulierte realistisch: “Edel SEI der Mensch, hilfreich und gut”.

    Eigentlich ist alles einfach. Einfach schön. Leider kann man immer alles ganz anders machen. Leider. Und leider ist dieser “Leider” fast jeder von uns.

    Vielleicht sollte jeder “Leider”, also fast jeder von uns, den Artikel von Nicole Oppelt nur oft genug mit dem Herzen lesen.

    Ich jedenfalls sage danke, Nicole!