Africa Festival 2008: “Frieden ist Vorausetzung für jede Form von Entwicklung”

“Es ist ein guter Brauch auf dem Africa Festival nicht nur Kultur, sondern auch politische Themen zur Sprache zu bringen“, so Moderator Andreas Jungbauer, Journalist der Mainpost zu Beginn. Am Morgen des dritten Tages stand deshalb, in Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für politische Bildung, auch die Überwindung von Armut und

disk1.JPG“Es ist ein guter Brauch auf dem Africa Festival nicht nur Kultur, sondern auch politische Themen zur Sprache zu bringen“, so Moderator Andreas Jungbauer, Journalist der Mainpost zu Beginn. Am Morgen des dritten Tages stand deshalb, in Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für politische Bildung, auch die Überwindung von Armut und Konflikten in Afrika im Mittelpunkt der sehr gut besuchten Podiumsdiskussion im Havanna Club.

Gemäß dem Schwerpunkt des diesjährigen Festivals bildete Mali den Focus des fast zwei Stunden dauernden Gesprächs, zu dem Yehia Ag Mohammed Ali, nationaler Koordinator des Programms “Mali-Nord (GTZ/KfW)“, Nouhou Maiga aus Niafunké, Kalil Touré, Bürgermeister von Dire, Aliou Maouloud aus Kessou sowie Professor Dr. Mamadou Diawara, Ethnologe an der Universität Frankfurt erschienen sind. Darüber hinaus zu Gast, Barbara und Henner Papendieck, die das Projekt “Mali-Nord” von den ersten Tagen an begleiteten. Allen gemeinsam war an diesem Vormittag die Hoffnung, dass die zahlreichen Besucher mit einem Gewinn ins anschließende Festivalgeschehen gehen und natürlich die Gedanken, Probleme, aber auch die Erfolge Afrikas in die Welt tragen.

“Solange Armutskampf herrscht wird es keinen Frieden geben.”

15 Jahre ist es nun her, dass die deutsche Bundesregierung Mali substantielle Hilfe zur Überwindung der Tuareg-Rebellion zugesagt hatte. Diese entstand damals, weil auf Grund einer langen Dürreperiode die Herden der Tuareg-Nomaden starben und zugesagte Hilfeleistungen nicht ankamen. 1993 begannen in der Folge die GTZ und KfW das Programm “Mali-Nord” zu konzipieren.

Heute hat sich das Blatt gewendet – das Programm ist zu einer wahren Erfolgsgeschichte avanciert. Von der ersten Nothilfe ausgehend wurde systematisch Hilfe zur Selbsthilfe geschaffen. Rund 200.000 Menschen leben derzeit davon. Die Nahrungsmittelknappheit, die noch vor zehn Jahren herrschte, ist passé. 75 Millionen Euro sind bis dato in das Projekt geflossen und haben dafür gesorgt, dass den Menschen der Region nachhaltig geholfen wird. Tausende Hektar Reisfelder werden von Männern und Frauen inzwischen bewirtschaftet. Angesichts der gerade herrschenden Lebensmittelknappheit und der damit einhergehenden Preissteigerungen anscheinend genau die richtige Strategie. Denn die eigene Versorgung ist gesichert – autark von anderen Regionen sowie umliegenden Staaten.

Doch jede Sonnen- hat auch eine Schattenseite: derzeit brodelt der bewaffnete Konflikt im Nordosten des Landes, wie einst in den Jahren 1989/90 erneut und eines ist allen Diskussionsteilnehmern klar: “Solange Armutskampf herrscht wird es keinen Frieden geben. Frieden ist jedoch Voraussetzung für jede Form von Entwicklung.”
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Sobald sich die Unruhen ausweiten sei auch “Mali-Nord” in Gefahr, so die Befürchtung von Henner Papendieck und Ali, und damit ein Projekt, dass durch sein behutsames und gemeinsam mit den Leuten vor Ort entwickeltes Engagement für langfristige Perspektiven gesorgt hat. “Tagtäglich und locker hat man versucht den Weg zu finden. Jeden Tag wurden Fehler korrigiert”, erklärt Professor Dr. Diawara die Arbeit des Programms. Man versuche die Klüfte in der Gesellschaft zu verstehen und den Menschen Vertrauen zu schenken. Und hier insbesondere den Frauen, die eigene Reisfelder zur Bewirtschaftung bekämen. Denn, so Diawara weiter, Kontinuität wie sie hier über 15 Jahre vonstatten ging, verspräche auch Effizienz.

“Demokratie führt man nicht mit einem Schlage ein”

Kalil Touré geht sogar noch weiter. “Mali-Nord” habe zum Beispiel durch die Ausgestaltung der Rathäuser in der Region geholfen die derzeit stattfindende Dezentralisierung und die Entwicklung hin zur Selbstbestimmung der Kommunen mit voranzutreiben. Alle seien sich allerdings bewusst: “Demokratie führt man nicht mit einem Schlage ein”. Sie seien mittendrin in diesem Prozess. Insbesondere die Steuereinnahmen reichten noch nicht aus, um sich vollkommen selbstständig zu finanzieren, weshalb die Hilfe von außen noch immer nötig sei. “Mali-Nord war das einzige Projekt, das Mittel für Bewässerungsanlagen bereitstellte”, betont er entschieden. Heute verfüge man über 140 kleinbäuerliche Bewässerungsfelder und 42 Bodensenken am Flussrand für den Anbau von Tiefwasserreis. 4200 Hektar Feldfläche würden nun bewirtschaftet. Die Produktion belaufe sich derzeit auf 36.000 Tonnen Reis.

Seit fünf Jahren gehe darüber hinaus auch die Regierung Malis davon aus, dass diese Region keine Hilfe mehr benötigt. 70 Prozent dieser Leistung seien ganz sicher “Mali-Nord” zuzuschreiben. “Durch die Hilfe von außen werden die Kosten für die Entwicklung getragen.” Die Bauern jedoch würden selbst aktiv. Sie sparen für die nötigen Gerätschaften und hätten es so geschafft, die ersten bebauten Flächen bis heute ertragreich zu halten. Viele hätten seitdem sogar aus eigener Kraft reinvestiert. “Die Entwicklung ist heute über den Berg. Das Projekt läuft gut und es lohnt sich dies weiter zu stützen”, schließt Henner Papendieck die Runde. Ein Plädoyer nach Berlin, das in den Augen aller Beteiligten unbedingt aufgegriffen werden sollte.

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