Der Blaue Salon (III) – ein Plädoyer für den Rauchgenuss

In der aktuellen Ausgabe des „Blauen Salons“ möchte ich den Blick mal weg von der zu verteidigenden Rauchkultur auf ein anderes Thema lenken, welches meines Erachtens aber im direkten Zusammenhang mit der gegenwärtigen Tendenz zur Gängelung und Bevormundung freier Bürger steht. Die Rede ist vom aufkommenden Verbot des Alkoholkonsums in

rauch7.jpgIn der aktuellen Ausgabe des „Blauen Salons“ möchte ich den Blick mal weg von der zu verteidigenden Rauchkultur auf ein anderes Thema lenken, welches meines Erachtens aber im direkten Zusammenhang mit der gegenwärtigen Tendenz zur Gängelung und Bevormundung freier Bürger steht. Die Rede ist vom aufkommenden Verbot des Alkoholkonsums in der Öffentlichkeit. Dieser nächste Schlag des radikalen Gutmenschentums zeigt deutlich auf, dass die Debatte um den Nichtraucherschutz keineswegs übertrieben oder unnötig aufgebauscht ist.

Die Kampagne gegen das Rauchen war nur der erste Schritt. Zu verlockend ob der Einfachheit des Unternehmens. Hier konnte man mühelos latente Abneigungen von Nichtrauchern gegen irgendwann einmal erlebte Intoleranz von Rauchern ausspielen und mit zahlreichen Studien über die Gefährlichkeit des Tabakgenusses unterfüttern. So entstand schnell eine aufgeheizte Atmosphäre, welche nach Regeln, Gesetzen und Strafen gierte, obwohl dies vor kurzem noch durch Gewohnheitsrecht, unreglementierte Regeln der Höflichkeit und der Selbstverständlichkeit zwischenmenschlicher Kommunikation geregelt war.

Ähnliche Tendenzen offenbaren sich langsam in den Bestrebungen mehrerer Städte und Gemeinden in Deutschland, welche mit einem Verbot des öffentlichen Alkoholkonsums vorpreschen. Es sind unter anderem Freiburg, Hamburg, Marburg und Dresden, die sich vorerst in die Parade derer einreihen, welche vorhaben, die Erfüllung eines menschlichen Grundbedürfnisses zu verbieten: Trinken in der Öffentlichkeit. Die Gründe für die Neo-Prohibition klingen vertraut und gehören zum Basis-Arsenal eines jeden aufmerksamkeistsüchtigen Bürgerschutz-Tribuns: Randale, Verschmutzung, und, natürlich Jugendgewalt. Man traue sich, so hört man von den stets präsenten Tugendwächtern, kaum noch abends in die Innenstädte, ganze Viertel würden zu No-go-Areas wenn nichts gegen das Freilufttrinken unternommen wird.

Es ist die gleiche fadenscheinige und heuchlerische Argumentationsweise, welche von manchen Nichtraucherschützern nur sattsam bekannt ist. Man nehme einen gesellschaftlichen Missstand, der im Zusammenhang mit einem Genussmittel steht, verweise mit selbstlosem Habitus auf den notwendigen Schutz der zahlreichen Nichtgenießer aber umso mehr betroffenen hin und fordere ein striktes Verbot der vermeintlichen Ursache des Übels. Selbstverständlich steht dieses Mal nicht der gesundheitliche Aspekt im Vordergrund. Und doch ist es der selbe muffigen Duft kleinlicher Spießigkeit, die nun vorgibt, mit einem solchen Verbot der Jugendgewalt und dem Vandalismus zu Leibe rücken zu wollen. Nach einer Studie aus Baden-Württemberg, das Land, welches den nächtlichen Verkauf von Alkohol flächendeckend zu verbieten plant, wäre fast jeder dritte Jugendliche bei der Ausübung von Gewalt betrunken gewesen. Ja und?! Was sagen solche Studien aus? Geht man hier wirklich davon aus, dass dieser Jugendliche nicht zugeschlagen hätte wenn er nüchtern gewesen wäre wie die anderen zwei Drittel?! Und wie gedenkt man dem heimischen Alkoholgenuss, und dessen Folgen, bzw. dem klassischen Fall, Trinken in der Kneipe und dem möglicherweise folgenden gewalttätigen Heimgang zu begegnen? Auch verbieten?

Der Versuch, den öffentlichen Raum möglichst risikoarm und steril zu gestalten, folgt nicht nur dem fatalen Ansatz überbordender Fürsorgepflicht und einer Geringschätzung selbstregulierender Kräfte der Gemeinschaft. Hinter ihm steht auch die bedrohliche Geisteshaltung, alles irgendwie Anstößige aus dem öffentlichen Raum zu entfernen. Hierdurch werden Kleingeist und Denunziantentum Tür und Tor geöffnet. Die saufenden Punks in der Einkaufspassage waren dem einen oder anderen schon immer ein Dorn im Auge?! Verbieten wir es einfach anstatt den Dialog zu suchen und den Konflikt irgendwie anders zu beseitigen. Dass wir damit auch das Bier zum Grillen in schon zuvor extra eingerichteten Grillzonen oder den gemütlichen Weingenuss im Park zum Wochenendstart im Park verbieten?! Was soll’s, schließlich kann man dem doch immer noch im Privaten nachgehen. Die Tendenz einer zunehmenden Reglementierung des Öffentlichen würde höchstwahrscheinlich auch auf Meinungsfreiheit verzichten solange man hinter verschlossenen Türen noch sagen könne was man will.

Doch abgesehen davon, dass ein Verbot von Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit definitiv am Ziel vorbeischießt, ist es auch zutiefst unsozial. Jene, die es sich leisten können werden in Zukunft in den Genuss kommen zu trinken. Jene aber, denen die Preise der Gastronomie zu hoch sind, werden ausgegrenzt. Auch hier also wieder die Perspektive auf eine unnötige Spaltung der Gesellschaft: staatlich geschützte Bessertrinkende und kriminalisierte Low-Budget-Trinker. Ein Szenario, welches der bigotte amerikanischen Gesundheitswahn schon meisterhaft in die Realität umgesetzt hat, doch in europäischen Gefilden erst am Aufblühen ist. Also seid wachsam und wehret den Anfängen!

Aktuelle Splitternotizen:

Bei den aktuellen Meldungen zum Thema Nichtraucherschutz und Raucherverdrängung habe ich dieses Mal versucht, etwas über den eigenen Tellerrand zu lugen und zu schauen, was sich diesbezüglich im Ausland tut.

Niederlande:

Auch die holländischen Coffeeshops müssen ab dem ersten Juli 2008 auf eine strikte Einhaltung des geltenden Tabakrauchverbotes achten. Das geltende Gesetz schützt die Mitarbeiter der Shops vor Tabakrauch, nicht aber vor dem Duft der verbrennenden Marihuanapflanze. Die Rauchentwicklung von Cannabisprodukten sei im Gegensatz zum Tabak geringer und weniger gesundheitsschädlich.

Japan:

Bizarre Wendungen in Hinsicht Gängelung mündiger Bürger ist aus dem fernen Nippon zu vernehmen. Um die Jugend des Landes von der Droge Nikotin fernzuhalten, will man nun auf die faltenerzeugende Wirkung von Rauchen setzen. Der teuflische Plan der Behörden sieht folgendermaßen aus: Nur wer hinreichend Falten im Gesicht hat, soll künftig von den mit Gesichtserkennungs-Software ausgerüsteten Automaten Rauchwaren erhalten – die dürfen ab Juli ihre Produkte nur noch an Käufer ausspucken, die mindestens 20 sind. Die Software soll anhand von Gesichtsmerkmalen des potenziellen Käufers wie Augenfalten, Tränensäcken und Knochenstruktur mit einer Datenbank von 100.000 Musterexemplaren verhindern, dass man sich mit erschwindeltem Ausweis in den Besitz von Zigaretten bringt – angeblich funktioniert die Technologie mit 90%-iger Sicherheit.

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Eine andere bemerkenswerte Meldung kommt aus den den Randbereichen der Rauchwarenindustrie: Dass das Rauchverbot weite Kreise schlägt, dürfte mittlerweile angekommen sein. Doch dass nun auch das gute, alte Streichholz betroffen ist, war bislang noch nicht ins öffentliche Bewusstsein vorgedrungen. Allein bei Europas größtem Streichholz-Produzenten Europe Match sei der Umsatz in Deutschland nach Einführung der Nichtraucherschutzregeln in den Ländern um 30 Prozent zurückgegangen, zitierte die “Wirtschaftswoche” vorab Match-Firmenchef Rainer Thomas. Das niedersächsische Unternehmen will seinen Angaben zufolge nun verstärkt auf den osteuropäischen Markt ausweichen. Grund für die massiven Einbrüche ist vor allem der Rückgang von Aufträgen für Streichholz-Päckchen und -Heftchen als Werbeträger. Lagen diese bislang in großen Mengen in Bars und Restaurants aus, breche das Geschäft derzeit massiv ein.

Rauchertipps:

Und selbstverständlich wurden all diese Gedanken und Überlegungen auch diese Mal von Premieren und Kostproben umsäumt.

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Zunächst testeten wir, wie üblich gemütlich in unserem üblichen Lokal „Filmrisz“ platznehmend, ein paar verlockend daher kommende Zigarillos aus dem Hause Planta. Ein Tabakunternehmen, welches seinen Sitz tatsächlich in Berlin hat, umso stärker also unsere Erwartungen in die zu genießenden Produkte.

Besagte Zigarillos tragen den Namen FINKA (Länge ca. 9cm, Durchmesser ca. 0,9 cm) und sind in der Brasil- und Sumatraausführung erhältlich. In einer kleinen Holzkiste geliefert, präsentieren sich beide Sorten rein optisch in jedem Falle äußerst ansprechend. Vom Geschmack her sei gleich vorweg gesagt, dass sie speziell unsere Sinne nicht erobern konnte. Auch wenn das dezent-feinem Pfeifentabak-Aroma und das Brennverhalten überzeugten, weder das süßliche Vanille-Aroma der Sumatra-Variante noch der an Irish Coffee erinnernde Begleitduft, ließen uns vollends frohlocken.

Ganz anders dagegen ein Pfeifentabak namens „Petersen&Sørensen – 34th Mixture“. Hallelujah! Hier muss einfach mal geschwärmt werden dürfen. So muss ein Pfeifentabak sein, war die einhellige Meinung. Selbst diejenigen unter uns, die dem Pfeifenrauchen eher mit Distanz gegenüberstehen, zogen ob unseres frenetischen Jubelgeschreis interessiert an den gefüllten Rauchgeräten und stimmten sogleich in ide angestimmten Lobgesänge mit ein. Es handelt sich um eine mittelkräftige Mischung (ungewöhnlich breit geschnitten, aber dennoch gut brennbar), welche hauptsächlich aus dunklen Virginia-Tabaken besteht. Das Geheimnis des Geschmacks scheint das Verfahren zu sein, bei dem die dunklen Virginias und die hinzukommenden speziellen Latakia-Tabake im Cavendish-Verfahren aufbereitet werden. Worin aber auch das Geheimnis genau liegt, war uns schlussendlich egal, da wir einzig dem Genuss verpflichtet sind und daher selig schmauchend zufrieden waren.

Zum Abschluss noch zu etwas, was wir sorgsam für eventuellen Frauenbesuch unserer Runde zurückgelegt hatten. „Excellent Zigaretten Mango/ Lemon-Mint“. Hier liegt wahrlich keine tiefsitzende Respektlosigkeit vor dem weiblichen Geschlecht zu Grunde. Allein, an die farblich vor sich hin schreienden Zigarettenpackungen mit dem schon durchs Zellophan sickernden süßlichen Duft wollte sich von uns zunächst keiner rantrauen. Dafür brauchten wir starke Frauen. Und sie kamen, probierten und gingen wortlos wieder. Nein, bei allem Respekt, ich weiß über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten, aber eine vorsichtige Warnung sei zumindest erlaubt.

Mehr zum Thema:

- Der Blaue Salon (I)

- Der Blaue Salon (II)

Photo Quelle/ Copyright: DG Jones, cc creative commons Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung 2.0 (via flickr), welt.de, 20min.ch

Kommentare

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  1. Rauchverbote mögen Raucher “gängeln” aber so wie bisher, daß jeder gezwungen wird, in verqualmter Atmosphäre sein Bier zu trinken, gehts nicht mehr.

    Ein Raucher ist nicht per se ein “freier Bürger” sondern zuerst einmal ein Suchtkranker.

    Wir Nichtraucher “gieren” nicht nach Strafen, genauso wenig, wie bis jetzt die “Höflichkeit zwischenmenschliche Kommunikation regelt.”

    Wir haben es halt nur hingenommen, nach einem Kneipenbesuch zu husten und die Kleider zu waschen weil sie stanken.

    Die von Herrn Günter beschworene “selbstregulierende Kräfte der Gemeinschaft”
    hat es nie gegeben.
    Sonst gäbe es in Deutschland ja auch keine Knöllchen für Falschparker.

    Der gute Mann verschweigt auch, wie er vom Rauchverbot auf das Verbot der Meinungsfreiheit kommt.

    Es ist nicht nur legitim – der Staat ist (wäre) verpflichtet, das Rauchen einzudämmen, genauso wie die bestehenden Einschränkungen der Abgabe von Heroin, Kokain und Cannabisprodukten.

    Bevor jemand das Wort “Raucherverdrängung” in den Mund nimmt, sollter er sich in die Lage seiner Mitmenschen versetzen, z. B. ein Asthmakranker, der auch gern einmal draußen essen möchte.

    Zigarettenautomaten gehören abgeschafft! Vor allem in Deutschland bedienen sich Kinder immer noch – und trotz “Altersnachweis” – an den Automaten.

    Bestrebungen, Kinder vom Kauf von Zigaretten abzuhalten, sind nicht “Bizarr.”

    Abschliessende Frage: Mit wieviel wird so ein Plädoyer für das Rauchen so in der Regel von der Zigarettenindustrie vergütet?