Die Armut in der Kunst

Zur Kunst in der Gesellschaft Die Armut in der Kunst in der Gesellschaft findet nicht im Handel mit der Kunst statt. Längst ist das ein beinharter Markt geworden, diktiert von nahezu maffiotischen Seilschaften. Da kommt kein Fuß eines Künstlers in die Tür, der nicht gewollt und auserkoren wurde. Wer von

dieki.jpgZur Kunst in der Gesellschaft

Die Armut in der Kunst in der Gesellschaft findet nicht im Handel mit der Kunst statt. Längst ist das ein beinharter Markt geworden, diktiert von nahezu maffiotischen Seilschaften. Da kommt kein Fuß eines Künstlers in die Tür, der nicht gewollt und auserkoren wurde. Wer von den Künstlern nicht auf den Seilschaftshochzeiten tanzt, bleibt für immer außen vor.

Wenige deutsche Künstler werden hoch gehandelt.

Und über den Preis stellt sich die Frage nach dem Inhalt der Kunst schon gar nicht mehr. Der deutsche Kulissenmaler Richter etwa definiert sich fast nur über den Preis. Fällt sein Name, dann auch der Handelspreis. Das will sagen: Der hat Bedeutung.

Lösten die Impressionisten noch den religiösen Mief ab, unter großen persönlichen Opfern, wurden die Abstrakten unter den Nazis noch verfolgt, ist der Umgang mit der Kunst heute demokratisch und an die Kunstwissenschaftler und Galeristen verpachtet. Dem Künstler ist längst das Heft aus der Hand genommen. Die Moderne ist so ziemlich in eine Sackgasse geraten. Sie werkelt individualistisch, weil sie keine Syntax mehr hat. Es ist nicht schlüssig, was die Kunst abzulösen hätte. Aus dem Eisenzeitalter sind wir heraus, Glasfaserkabel und digitale Geschwindigkeit ist erreicht, für wenig Geld können sich die Individualisten/Künstler im Netz präsentieren und spielen so das Geld für den Provider ein, während die Agenten der Kunst für den Milliardär Würth, den König der Schrauben, ganze Pakete der Kunst verkaufen, um seine Millionengewinne steuerlich abzuschreiben.

Diejenigen Künstler, die keinen Agenten haben Pech gehabt.

Seit 18 Jahren sitzt der Maler Bernd Michael Momber in seinem Atelier auf 6000 Zeichnungen und Ölbildern. Noch nie kam ein Kultur-Agent der Documentastadt Kassel auf ihn zu.

“Es ist so, als ob es mich nicht gibt.”

Uninteressant ist der Maler nicht, sind seine Themen doch Mikro- und Makrokosmos. Und warum sollte die Documentastadt Kassel auch auf ihre Künstler zugehen, sie verfügt kaum über Mittel für die Freie Kunstszene und schon gar nicht über Raum, sieht man einmal von der Karl Branner Halle ab, die eher an eine Pommes Bude für Kunst erinnert und von der die Präsidentin der HBK sagt:

“Das ist eine Zumutung.”

Nun hat die Stadt Kassel gar keinen Raum mehr für die Freie Kunstszene.

Braucht sie auch nicht im Zuge der allgemeinen Privatisierung. Was heißt, die Künstler sollen für ihre Selbstdarstellung erst mal in Vorleistung gehen. Wenn die sich dann nicht durchsetzen, ist eben ihre Kunst schlecht.

Eben: Angebot und Nachfrage.

Da könnte man leicht auf die Freiheit in der Kunst pfeiffen, wenn es nicht mal zum Überleben reicht… Ich sollte mich mit meinen ganzen Arbeiten in die Luft sprengen und meine Kinder sollten die Reste als Kunstpuzzle verkaufen – mit Fleischeinlage.

Mombers Lebenswerk ist beachtlich. Er malt weiter, doch die Enttäuschung über den Zeitgeist ist ihm anzumerken. Er arbeitet zurückgezogen, unterstützt nur von seiner Frau, die fleißig in der Mensa der Universität Kassel arbeitet.

“Obwohl ich weiß, dass nichts mehr kommen wird, habe ich doch immer noch Hoffnung wenn’s am Atelier mal klingelt.”

Doch die Klingel geht gar nicht…

Kommentare

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  1. Selten etwas traurigeres oder wahreres über die deutsche Kunstszene gelesen.

    Aber diese Situation betrifft ja nicht nur die bildenden Künstler, es betrifft auch die schreibende Zunft. Wer nicht bereit ist, Tantiemen seines Erstlingswerk zu verschenken (hier vornehmlich an den Verlag), kommt in der Literaturszene nicht hoch. Dabei spielt die Qualität letztendlich keine Rolle.

    Als Autorin muß man bereit sein, mit dem Lektor zu schlafen, der das eigene Buch in der Lektorenversammlung präsentiert und durchboxt, weil er davon überzeugt ist (meistens tut es auch ein fünfstelliger Spendenscheck an den Lektor)!!!

    Kunst ist in Deutschland kein Kulturgut mehr. In Städten, wie Darmstadt, Kassel, Gießen (nur als Beispiele), lebt die Kultur eigentlich nur noch deshalb, weil die Künstler nicht auf ewig in ihren Löchern sitzen bleiben wollen. Aber an den Markt gehen, schaffen dennoch die wenigsten, da die großen Entdecker in der Kunstszene (und dies betrifft auch Literatur) entweder heute zu alt oder bereits tot sind.

    Einen reichen Mäzen zu finden, der einen fordert und fördert, ist nahezu unmöglich. Auftragsarbeiten wie Biographien werden heute von Journalisten erledigt und nicht mehr von denjenigen, die wirklich das Schreiben von der Pike auf beherrschen.

    Das, liebe Freunde, das ist Kunst: Wenn man als Künstler (auch Literatur) immer noch lebt, obwohl einen das System nach wie vor absichtlich übersieht!

    MfG