Aufhören!!! Anne Will entzaubert.

“Man merkt die Absicht, und man ist verstimmt.” Goethe lässt seinen Helden im “Torquato Tasso” sagen : “(…) und wenn sie auch die Absicht hat, den Freunden wohlzutun, so fühlt man Absicht und man ist verstimmt.” Daher stammt der heute viel verwendete Spruch. Mit ihm kritisieren wir im Gegensatz zu

anwilk.jpgMan merkt die Absicht, und man ist verstimmt.”

Goethe lässt seinen Helden im “Torquato Tasso” sagen : “(…) und wenn sie auch die Absicht hat, den Freunden wohlzutun, so fühlt man Absicht und man ist verstimmt.”

Daher stammt der heute viel verwendete Spruch. Mit ihm kritisieren wir im Gegensatz zu Tasso nicht eine als ärgerlich empfundene Einmischung trotz angenommenen guten Willens des Handelnden. Wir sind ob erkennbarer Absicht verstimmt wegen eines allzu durchsichtiges Tuns, in dem wir sehr deutlich persönliche und meist auch uns schädliche Interessen erkennen.

Es war nicht immer so, dass man bei Anne Will an das abgewandelte Tasso-Zitat denken musste.

Anfänglich suchte und förderte sie offene Gespräche mit und unter ihren Gästen. Sie war im Vergleich zu Sabine Christiansen auffallend freundlich, geduldig, entgegenkommend. Kurz gesagt war sie fair gegenüber jedem Gast.

Nach ein paar Ausstrahlungen kam dann aber der Bruch. Jedem aufmerksamen Beobachter wird schnell klar, dass Anne Will heute knallhart politische Ziele verfolgt und in diesem Interesse ihre Gäste manipuliert. Je weniger sie ihre vorgestecktes Ziel verfeht, desto nervöser wird sie. Vorläufiger Höhepunkt war die Sendung von Sonntag, dem 1.6.2008. Sie hatte ihre Teilnehmer zur Gesprächsrunde wie üblich so zusammengestellt, dass es unterschiedliche Lager gab, auch bei den weniger prominenten Gästen am “Katzentisch”. Sie zeigte dann aber in der Sendung mit aufdringlicher Mimik und extrem unterschiedlicher Verteilung der Redezeit, wer von den Geladenen ihr in der Verfolgung ihrer Absichten genehm war und wer nicht. Die einen konnten sich frei ausmähren, die anderen unterbrach sie ohne Unterlass und ohne Rücksicht auf den Wert und den Stand der Aussage. Da kriegte am 1.6. ein nach eigenem Eingeständnis politisch unbedarfter Unternehmer, der Chef von Villeroy & Boch aus dem Saarland, ihr offen gezeigtes Wohlwollen und wurde bei dem teils recht eitlen Unsinn, den er verzapfte , auch nicht ein einziges Mal unterbrochen. Ganz und gar unerträglich war dann aber die Ausbreitung der Lebensgeschichte einer wenig bekannten Buchautorin über das Unrecht, das ihr in der DDR widerfahren war und das ihr heute Anlass gibt, alles anzugreifen, was sich aus der Zeit der DDR herüber gerettet hat. Dazu gehört allen voran die PDS, aber auch die LINKE, in der die PDS aufgegangen ist. Seltsamerweise hat sie die kommunistischen Blockparteien, die von CDU und FDP nach der Wende gnädig aufgenommen worden waren, nicht im Visier. Sie hatte auch nicht die Kanzlerin Angela Merkel im Blick, die – worauf Lafontaine genüsslich hinwies – doch als überzeugte FDJ-Aktivistin sogar auf Kosten der DDR in Moskau studieren konnte.

Anne Will gab ihrer Besucherin jede Zeit der Welt, ihre schlichten Gedanken zur Politik und mehr noch ihre persönlichen Befindlichkeiten auszubreiten. Leider habe ich die Zeit nicht gestoppt, die diese Episode kostete. Mir kam es vor, als ob sie mehr als die Hälfte der Sendezeit ausmachte.

Wowereit und Lafontaine unterbrach Anne Will fast in jedem Satz.

Sie merkte aber bald, dass sie diesen alten Hasen nicht gewachsen war. So wurde sie fortschreitend aggressiver, bis sie schließlich im regelrechten Schlagabtausch nur noch falsch lächeln konnte wie ein angeschlagener Boxer. Sie schaffte es nicht einmal, den simplen Beckstein davor zu schützen, dass er von Wowereit und Lafontaine regelrecht vorgeführt wurde. Beckstein selber geriet darüber in Rage, haspelte herum und vergriff sich im Ton mit Worten wie “Blödsinn” und “saudumm”. Auf einmal fühlte ich mich ganz deutlich an starke Szenen des großartigen Schauspielers Heinz Schubert in Wolfgang Menges einmaliger Serie “Ekel Alfred” erinnert.

Schließlich musste sich Anne Will auch noch gegenüber Wowereit “outen”. Er hielt ihr vor, dass ihre Filmeinblendung doch tendenziös und lächerlich zugleich war, in der sie mit erhobenem Zeigefinger die Landespolitik des rot-roten Berlin wegen der angeblichen systematischen Schließung von Freibädern rügte. Wowereit hielt ihr vor, dass von insgesamt 70 Freibädern in Berlin gerade mal die sechs wirklich maroden geschlossen wurden. Schließlich ist bekannt, dass in der DDR aufgrund politischer Präferenz die Freibaddichte viel höher war als im Westen. Wie um sich zu entschuldigen sagte Anne Will ganz offen zu Wowereit:

“Es ging mir doch nur um die Entzauberung der Politik in Berlin!”

Zweifelt jemand daran, dass das alles nicht allein auf dem Mist von Anne Will gewachsen ist? Dass sie vielmehr von den Fernsehgewaltigen hart in die Pflicht genommen und zur Linientreue gezwungen wurde? Bestimmt hat Ulrich Tilgner solche Zweifel nicht. Er hat Deutschland verlassen, weil hier die Journalisten durchweg in die Verfolgung fremder politischer Ziele eingespannt oder gleich mundtot gemacht werden.

Und wann sind wir Blogger dran?

Kommentare

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  1. Lieber Herr Ehlers,

    vorletzen Sonntag gab es zur Sendung von Anne Will den RE Artikel:
    MEHR STAMMTISCH GEHT NICHT !
    http://www.readers-edition.de/2008/05/27/anne-will-und-die-armut-mehr-stammtisch-geht-nicht-ein-kommentar/#comments

    Wir wurden gestern eines bessern belehrt: ES GEHT NOCH TIEFER !

    Herr Albrecht Müller hat das dieser Tage auch einmal in einem Beitrag zusammengefasst:
    Revolutionäre Situation? Oder die beruhigende Macht der Propaganda-Maschine!

    http://www.nachdenkseiten.de/?p=3246#more-3246