Nun also ein Einschreiben per Rückschein: Dr. Peter Neher ist seit dem 14. Mai 2003 Präsident des Deutschen Caritas-Verbandes. Ehemalige Heimkinder horchten auf, als die katholische “Tagespost” am 16. Februar 2006 meldete: “Nach dem Zweiten Weltkrieg in kirchlichen Einrichtungen misshandelte Kinder können auf Unterstützung durch den Deutschen Caritasverband (DCV) hoffen.” Weiter hieß es, Neher habe sich für Entschuldigungen, Entschädigungen, Anerkennung von Rentenansprüchen und für die Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels ausgesprochen.
In Schweigen hüllte sich der Caritas-Präsident jedoch, als ich ihn am 28. März 2008 fragte, wie viele Heimkinder inzwischen entschädigt worden sind. Auch mehrfaches Nachhaken änderte daran nichts. Die “Tagespost” reagierte ebenfalls nicht.
Zwei Leidensgeschichten
Deshalb hat Dr. Peter Neher heute von mir ein Einschreiben per Rückschein bekommen. Eingetütet wurden von mir die Leidensgeschichten von Johann Lambert Beckers aus Mönchengladbach, der 18 Jahre lang in katholischen Heimen lebte, und von Hermine Schneider aus Aachen, die auf 15 Jahre Heimerfahrung zurück blickt.
Johann Lambert Beckers wuchs seinen Schilderungen zufolge mit Schlägen auf, wurde manchmal tagelang eingesperrt und arbeitete kostenlos für kirchliche Einrichtungen. Von einem ähnlichen Schicksal berichtete Hermine Schneider, auch sie sei misshandelt und in dunklen Räumen gefangen gehalten worden.
Wie hoch die Entschädigungen für erlittenes Leid sein müssten, können beide nicht sagen. Johann Lambert Beckers: “Beziffern kann ich den Schaden nicht. Dafür braucht es Opferanwälte für Menschenrechte.” Hermine Schneider: “Herr Neher, helfen Sie mir doch bald, da ich schwer krank bin und ein Lösung für gequälte Heimkinder noch erleben möchte.”
Bruder hängt tot an Baum
Der Bruder des Mönchengladbachers erlebt das nicht mehr. In einem Schreiben des Rechtsanwaltes von Johann Lambert Beckers vom 28. April 2008 an das Düsseldorfer Oberlandesgerichtes heißt es dazu: “Der am 9. Oktober 1956 geborene Antragsteller hatte einen Bruder namens Raymund Beckers, geboren am 25.12.1957. Dieser wurde in der Nacht vom 3. zum 4. 9.1995 am Baum erhängt im Park des Kinderheimes Sankt Josef in Dalheim-Röttgen aufgefunden. Die näheren Umstände seines Todes sind völlig ungeklärt.”
Fest stehe aber, dass Raymund Beckers in dieser Nacht betrunken gewesen sei, er habe sich ein Taxi zu dem Heim genommen, in dem er nach der Geburt einige Jahre gelebt hat, und habe sich eine Zeitlang im Kinderdorf und auf dem angrenzenden Friedhof herumgetrieben. Weiter schrieb der Anwalt: “Später, wann genau ist ebenfalls nicht bekannt, wurde er an einem Baum im Park erhängt aufgefunden. In seiner Brieftasche befanden sich nur noch 0,50 DM.”
Bis heute ist Johann Lambert Beckers sicher: “Mein Bruder hat sich nicht selbst umgebracht.” Die Heimleitung jedoch geht von Selbstmord aus und schließt in einem Brief an den Mönchengladbacher eigene Fehler aus: “Ihrem Bruder wurde hier im Kinderdorf nicht die Tür vor der Nase zugeschlagen. Er hat auch keine Selbsttötungsabsicht geäußert. Andernfalls hätten wir sicherlich versucht, diesen Freitod zu verhindern. Natürlich ist es entsetzlich, im Nachhinein festzustellen, dass der Verstorbene Raymund Beckers zum Todeszeitpunkt nur noch 50 Pfennig in der Tasche hatte.”
Entsetzlich ist es zwar nicht, dass Dr. Peter Neher bislang meine Emails nicht beantwortet hat, unverständlich ist es aber schon. Wie reagiert der Caritas-Präsident auf ein Einschreiben per Rückschein?
Es ist nicht verwunderlich,dass Menschen an den Orten SUIZID begehen,der im Gedächtnis als besonders schmerzlich in Erinnerung ist!!!
Vergleichbar mit dem “Werther-Effekt(Fieber)”…..
Warum steigt jemand 20 Jahre nach der Heimentlassung in ein Taxi,nicht ohne sich vorher Mut anzutrinken,es sei denn das Alkoholproblem bestand schon vorher,und fährt an den”Ort des Grauens”…die Provokation und die medienwirksame Ausschlachtung des SUIZID wird der Grund sein…wenn es sich nicht um psychische Störungen in der Gesamtfamilie handelt!!!