Blogger aus dem Libanon (III): “Es ist nur eine kurze Gnadenfrist”

Riemer Brouwer (->Interview) und Jeha (->Interview) konnten mit ihren Aussagen bereits einen anderen, vielleicht nicht alltäglichen Blickwinkel auf die Situation im Libanon liefern. Nun durfte ich Bob von Bob´s blog interviewen, der kommentierend auf die vorangegangen Aussagen Bezug nimmt. Auch er blickt sorgenvoll in die Zukunft – nach der ersten

ydhgfj.jpgRiemer Brouwer (->Interview) und Jeha (->Interview) konnten mit ihren Aussagen bereits einen anderen, vielleicht nicht alltäglichen Blickwinkel auf die Situation im Libanon liefern. Nun durfte ich Bob von Bob´s blog interviewen, der kommentierend auf die vorangegangen Aussagen Bezug nimmt. Auch er blickt sorgenvoll in die Zukunft – nach der ersten Euphorie herrsche im Land vorrangig Apathie, so Bob, insbesondere unter der Jugend.

RE: Beim Vorbereiten der vorhergehenden Interviews hatte ich erwartet, auf große Euphorie ob des ausgehandelten Doha-Abkommens sowie der Wahl des neuen Präsidenten Suleiman zu treffen. Stattdessen erfuhr ich extreme Skepsis, verknüpft mit der festen Annahme, das Abkommen würde nur eine kurze Atempause im Kampf zwischen den verschiedenen Fraktionen im Libanon garantieren können. Gehen auch Sie mit dieser traurigen Einschätzung konform?

Bob: Ja, ich stimme dem zu, was Jeha und Riemer Brouwer sagen. Die Doha-Vereinbarung ist nur eine vorübergehende Waffenruhe, die zu jedem Zeitpunkt zusammenbrechen kann. Es ist nur eine kurze Gnadenfrist, welche die relative regionale Entspannung im Anschluss an die syrisch-israelischen Friedensverhandlungen widerspiegelt.
Aber dieser neue Status quo kann in der bevorstehende Krise nicht Bestand haben, mit der der Libanon rechnen muss, sowohl im lokalen als auch im regionalen Zusammenhang. Beispielsweise die Entscheidung über einen neuen Armee-Chef wird sich als problematisch erweisen, zusätzlich zu den regionalen Auswirkungen eines gerüchteweise weit verbreiteten amerikanisch-israelischen Angriffs auf den Iran.
Letztendlich ist dieser Mythos eines Abkommens, bei dem niemand gewinnt und niemand verliert, zum Scheitern verurteilt, da sich beide örtlichen Parteien (US-moderate Araber gegen den Iran und Syrien) auf weitere Konfrontationen vorbereiteten.

RE: Können Sie uns einen Eindruck der Atmosphäre in Libanon nach dem Doha-Abkommen und der Wahl Michel Suleimans zum Präsidenten geben?

Bob: Nach den ersten paar Tagen der Euphorie ist die hässliche Realität der libanesischen Politik wieder aufgetaucht, und Apathie herrscht unangefochten an erster Stelle unter großen Teilen der Bevölkerung, insbesondere der Jugend. Zumindest können wir wieder in Down Town feiern, wo die Besetzer der Hisbollah uns endlich die Gunst erwiesen, ihre Zelte zu beseitigten.

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“In der Tat leben wir in zwei verschiedenen Ländern”

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RE: Die Bilder von Milizionären, verwickelt in Straßenkämpfe in Beirut, sind um die Welt gegangen. Welches Bild libanesischer Menschen würden Sie gern hinzufügen in Gegenwart dieser turbulenten Ereignisse?

Bob: Die Libanesen wollen ein Bild ähnlich dem Dubai´s entwerfen, dem eines wohlhabenden, reichen und opulenten Landes der Freude. Leider, und damit hat Jeha Recht, überwiegt heute das Bild der Abwanderung junger Männer und Frauen aus ihrem Land für ein besseres, sichereres Leben anderswo. Von 30 Schülern meiner ehemaligen Klasse sind gerade einmal noch drei im Libanon. Und das Bild wird weiter beschädigt durch die tiefe Kluft, die Hezbollah-Anhänger vom Rest der Libanesen trennt. Mit ihrem Totenkult des endlosen Jihad und dem blinden Festhalten an „wilayat al fakih“, der Herrschaft durch die politisch-religiöse Obrigkeit, leben wir in der Tat in zwei verschiedenen Ländern…
Aber unter all dieser Finsternis haben diese Ereignisse die libanesische legendäre Widerstandskraft und Immunität gegen die Verzweiflung gestärkt, von der auch Brouwer gesprochen hat.

RE: Was denken Sie über Michel Suleiman, einem früheren Armeechef – ist er der richtige Mann für diesen Job?

Bob: Obwohl ich Männer des Militärs in politischen Positionen nicht favorisiere, hat sich Suleiman doch bis jetzt als ehrlicher, gemäßigt sprechender und vernünftiger Führer erwiesen. Aber wir brauchen noch Zeit, um über seine Ansichten und Positionen wirklich Bescheid zu wissen. Wie Jeha scharfsinnig sagte, niemand kennt ihn wirklich… Nur die Zukunft kann uns das sagen.

Interview: Felix Kubach

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Bob (30), Blog: http://ibosblog.blogspot.com

ist männlich, lebt und arbeitet im Libanon (Telekommunikationsbranche) und ist Blogger seit August 2004. Sein Sternzeichen ist Wassermann.

Mehr möchte Jeha nicht von sich preisgeben, da er Angst haben muss, wegen seiner zum Teil sehr kritischen Äußerungen verfolgt und bedroht zu werden.

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