Auf der Suche nach Austausch: Uni Zürich untersucht Weblogs

“Was für ein Weblog betreiben Sie? Welchem Themenbereich ordnen Sie Ihr Weblog zu?” oder “Zu welchem Zweck betreiben Sie Ihr Weblog hauptsächlich?” Mit solchen und ähnlichen Fragen zum eigenen Schaffen sah sich Anfang des Jahres nicht nur die Readers Edition konfrontiert. Neben der eigenen Bürgerjournalismusseite wurden noch etwa 200 andere

chatro.jpg“Was für ein Weblog betreiben Sie? Welchem Themenbereich ordnen Sie Ihr Weblog zu?” oder “Zu welchem Zweck betreiben Sie Ihr Weblog hauptsächlich?” Mit solchen und ähnlichen Fragen zum eigenen Schaffen sah sich Anfang des Jahres nicht nur die Readers Edition konfrontiert. Neben der eigenen Bürgerjournalismusseite wurden noch etwa 200 andere ausgewählte Weblog-Autorinnen und -Autoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz per Onlinebefragung des Instituts für Publizistikwissenschaften und Medienforschung der Universität Zurück (IPMZ) um ihre Einschätzung gebeten. Nun liegen die Ergebnisse von 327 Personen, die den Fragebogen gültig ausgefüllt haben, vor.

Das Ziel der “Forschungsgruppe Onlinekommunikation” rund um Studienleiterin lic. phil. Ursina Mögerle war es herauszufinden, aus welchen Gründen ein Weblog betrieben wird und wie die konkreten Nutzungsweisen des Einzelnen aussehen. Zudem interessierte die Wissenschaftler natürlich auch die Selbstdarstellung, die Authentizität sowie die Community-Wahrnehmung der Autoren. Von 9. Januar bis zum 11. April 2008 wurden deshalb entsprechende Fragebögen an ausgewählte User via Email versandt.

Doch wie sieht er nun aus, der “Durchschnitts-Weblog-Autor”?

Für Mögerle und ihre Mitarbeiter zumindest ist er um die 32,5 Jahre alt. Zu 79 Prozent männlich und zu 73,8 Prozent mit Hochschulabschluss, Matura oder Abitur versehen. 62,3 Prozent der Befragten leben zudem in einer festen Partnerschaft.

Weiterhin interessant: Rund 73 Prozent betreiben ihr Weblog zu rein privaten Zwecken, gerade einmal knapp 18 Prozent unter ihnen haben berufliche, fast sieben Prozent ehrenamtliche Motivationen.

Ihre Themenauswahl ist dabei allerdings so vielfältig wie das Leben selbst. Ob aber nun Konzentration auf eines oder gar mehrere spezifische Gebiete, beliebt sind vor allem Politik/Zeitgeschehen, Technik, Forschung/Bildung/Wissen, aber auch Medien und Journalismus. Gerade mal ein Drittel der Weblog-AutorInnen schreibt da in erster Linie lieber über sich selbst.

Allen gemeinsam ist ihnen jedoch: Sie tun so Einiges, um ihre Inhalte attraktiv aufzubereiten. “Die Mehrheit der Weblog-AutorInnen bieten Bilder, Kommentare, ein Archiv und eine Suchfunktion an. Etwas mehr als die Hälfte der Weblogs (…) verfügt über Video-Dateien oder einen Link mit E-Mailkontakt”, erklären die Wissenschaftler in ihrem Ergebnisbericht. Seltener seien dagegen Widgets, Audio-Dateien und Werbung bzw. Sponsoring zu finden. Was die Betreiber jedoch offenherzig an Inhalten in die Welt hinausjagen, das gilt nicht unbedingt für ihre eigene Identität, mussten die Untersuchenden feststellen. “Im eigenen Weblog wird am ehesten der Vorname preisgegeben, gefolgt von der E-Mailadresse, dem Geschlecht und dem Namen.” Wenn es um weiterführende Daten geht, zeigen sich die Autorinnen und Autoren eher zurückhaltend. Der Zivilstand, die Telefonnummer oder gar intime Erlebnisse werden die Leser eher selten auf den angebotenen Seiten finden. Ob sich das noch ändern wird? Wer weiß. Immerhin sind etwa die Hälfte der Befragten seit mehr als zwei Jahren aktiv. Ein Viertel betreibt ihr Weblog seit einem Jahr und nur wenige haben weniger als ein Jahr Erfahrung in diesem Metier.

Aber ganz gleich, ob viel oder wenig Erfahrung – umtriebig sind sie alle: “Die meisten Weblog-AutorInnen schreiben mehrmals pro Woche einen Beitrag und benötigen pro Beitrag weniger als eine halbe Stunde. Über zwei Drittel der Teilnehmenden besuchen zudem mehrmals pro Tag andere Weblogs, wobei in der Regel einmal pro Woche Beiträge/Kommentare auf anderen Weblogs verfasst werden”, erklären die Forscher das Nutzungsverhalten der Probanden. Und ergänzen später: “Allgemein geben die Teilnehmenden erwartungsgemäß an, meist authentisch zu bloggen. Während die Häufigkeit des Bloggens keinen Einfluss auf die Authentizität hat, wirkt sich die Suche nach Weblog-Kontakten tatsächlich positiv auf die Authentizität beim Bloggen aus: Je stärker das Interesse der Befragten an neuen Kontakten ist, desto authentischer stellen sie sich dar. Gleichzeitig fühlen sie sich auch mehr mit der Weblog-Community verbunden.”

Austausch von Information im Zentrum allen Strebens

Was sie antreibt kanalisiert das Institut in vier zentrale Motivgruppen, die beim Bloggen eine Rolle zu spielen scheinen. Der Austausch von Informationen scheint dabei im Zentrum allen Strebens zu stehen. Man möchte mit Personen, die ähnliche Interessen haben, diskutieren und Ideen austauschen. Durch das Berichten über eigene Erfahrungen solle zudem eigenes Wissen auch anderen zugänglich gemacht werden. Da ergeben sich die angestrebten Kontakte beim Bloggen doch fast wie von selbst. Geht es dabei aber nur um das Miteinander? Mitnichten, denn laut Angaben der Befragten stehe die eigene Person immer noch im Zentrum. „Man will seine Kompetenz zeigen und die eigene Meinung oder auch Gefühle publik machen. Außerdem will man von anderen Personen wahrgenommen werden und wissen, wie man auf sie wirkt,“ bringen die Wissenschaftler eine weitere Intention der User auf den Punkt.

Alles kann das jedoch nicht gewesen sein, wie ein jeder sicherlich auch an sich selbst beobachten kann. Und so kristallisiert sich neben dem „Entfliehen“ aus dem Alltag, und der Kontaktsuche zu Freunden, Verwandten, aber auch Fremden, was allerdings eher selten genannt wird, ein weiterer dominierender Aspekt heraus: „Die Tätigkeit des Bloggens selbst wird als wichtig empfunden. Man schreibt gerne und bloggt in erster Linie, um einfach Spaß zu haben.“ Tatsächlich scheint es so zu sein, dass gerade extrovertierte Personen eher bloggen, um ihre eigene Meinung publik zu machen als introvertierte. „Hinsichtlich der sozial-integrativen Motive unterscheiden sich extrovertierte und introvertierte WeblogautorInnen jedoch nicht wesentlich voneinander“, fügen die Forscher hinzu.

Egal ob Sie nun extrovertiert oder introvertiert sind. Hinsichtlich des Community-Gedankens kommen die Wissenschaftler zu einem Ergebnis, das auch hier auf der Readers Edition voll und ganz unterschrieben werden kann. „Community-Theorien gehen davon aus, dass ein stärkeres persönliches Engagement und ein starker sozialer Austausch zu einem höheren Gemeinschaftsgefühl in einer Community führen. Diese Vermutungen können bezüglich der Weblog-Community bestätigt werden.“ Je mehr sich ein Autor engagiere, indem er ein reichhaltiges, aktualisiertes Inhaltsangebot präsentiert und auch etwas über sich selbst preis gibt, desto mehr fühle er oder sie sich in der Community integriert. Ein intensiverer Austausch führe dabei zu einem stärkeren Gemeinschaftsgefühl. Sehen Sie, liebe Leserinnen und Leser, das anders?

Kommentare

Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*