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Wissenschaft

“Kommissar Zufall” in der Wissenschaft

Sonntag, den 8. Juni 2008 um 16:04 Uhr von Rolf Froböse

Die größten Errungenschaften der Menschheit werden oft durch Zufall entdeckt. Eine der beliebtesten Geschichten ist die Entdeckung des Gravitationsgesetzes. Es heißt, Newton wäre im Jahre 1665 ein Apfel auf den Kopf gefallen. Dieser Vorgang habe ihm die Kraft der Erdanziehung schmerzlich in Erinnerung gerufen und ihn schließlich zum Aufstellen des Gravitationsgesetzes inspiriert.

Auch die Entdeckung des Penicillins wäre ohne die entscheidende Mitwirkung des Zufalls kaum denkbar gewesen. Der Arzt Alexander Fleming ließ im September 1928 seine Petrischalen mit Streptokokken-Kulturen offen in seinem Labor herumstehen und fuhr in Urlaub. Bei seiner Rückkehr bemerkte er, dass ein Schimmelpilz Teile seiner Bakterienkulturen abgetötet hatte. Der Pilz hieß Penicillium notatum.

Noch spektakulärer war die Entdeckung der Benzolformel. Im Jahre 1865 löste Kekulé das Benzolproblem mit seiner berühmten “Sechseckregel”. Ihr zufolge besaß Benzol die einfache Formel C6H6 und die Struktur entsprach einem regelmäßigen Sechseck mit je einer CH-Gruppe in den Enden. Mit einem Schlage konnte Kekulé alle bis dahin bekannten “Familienmitglieder” charakterisieren und weitere Reaktionen vorhersagen. Von dieser Erkenntnis profitierten sowohl die chemische als auch die pharmazeutische Industrie im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts beträchtlich.

“Mein Geist war bei anderen Dingen…”

Im Rahmen der Feier zur Entdeckung der Benzolformel hielt Kekulé eine bemerkenswerte Rede, in der er erwähnte, dass ein Traum ihn zur Aufstellung der Benzolformel inspiriert habe. Wörtlich äußerte er: “Während meines Aufenthaltes in Gent in Belgien bewohnte ich elegante Junggesellenzimmer in der Hauptstrasse. Mein Arbeitszimmer aber lag nach einer engen Seitengasse und hatte während des Tages kein Licht. Für den Chemiker, der die Tagesstunden im Laboratorium verbringt, war dies kein Nachteil. Da saß ich und schrieb an meinem Lehrbuch; aber es ging nicht recht; mein Geist war bei anderen Dingen. Ich drehte den Stuhl nach dem Kamin und versank in Halbschlaf. Wieder gaukelten die Atome vor meinen Augen. Kleinere Gruppen hielten sich diesmal bescheiden im Hintergrund. Mein geistiges Auge, durch wiederholte Gesichte ähnlicher Art geschärft, unterschied jetzt größere Gebilde von mannigfacher Gestaltung. Lange Reihen, vielfach dichter zusammengefügt; Alles in Bewegung, schlangenartig sich windend und drehend. Und siehe, was war das? Eine der Schlangen erfasste den eigenen Schwanz und höhnisch wirbelte das Gebilde vor meinen Augen. Wie durch einen Blitzstrahl erwachte ich; auch diesmal verbrachte ich den Rest der Nacht um die Konsequenzen der Hypothese auszuarbeiten.”

Carl Gustav Jung, ein Schüler Sigmund Freuds, glaubte nicht an Zufälle. Vielmehr sah er hinter dem Phänomen des Zufalls eine höhere Ordnung, die unser Leben steuert. Das von ihm entwickelte Synchronizitätsprinzip beschreibt, in welcher Weise so genannte Zufälle unser Leben beeinflussen können. Dabei sind synchronistische Ereignisse akausal miteinander verknüpft – also nicht durch eine Kette von Ursache und Wirkung.

Ein zugrunde liegendes Ordnungsprinzip im Universum

Die Erweiterung der Synchronizitätsforschung wurde von dem Los Angeles lebenden Forscher Alan Vaughan fortgesetzt. In seinem Buch “Incredible Coincidence. The Baffling World of Synchronicity” in dem er 152 mit Quellenangabe dokumentierte Fälle ausbreitet, entwirft er eine vierfach gestufte Klassifikation synchronistischer Ereignisse, die von trivialen Gleichzeitigkeiten bis zu tief greifenden Erlebnissen reicht. Er betont die Häufigkeit synchronistischer Ereignisse und sieht sie als Hinweis auf ein zugrunde liegendes Ordnungsprinzip im Universum. Er glaubt, dass Synchronizität durch das menschliche Bewusstsein miterschaffen wird. “Jedes Element hat Kenntnis vom Ganzen. So wie jede Zelle unseres Körpers Informationen über den ganzen Körper hat… so hat jeder Mensch Informationen über das ganze Universum”, so seine These.

Der Text ist ein Exklusivauszug aus dem neuesten Buch des Autors “Die geheime Physik des Zufalls. Quantenphänomene und Schicksal“.
Verlag BoD Norderstedt, ISBN 3833474203

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6 Reaktionen zu ““Kommissar Zufall” in der Wissenschaft”

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  1. Seika

    am 9. Juni 2008 um 07:01 Uhr | Link | Kommentar melden

    Und wieder missbraucht Herr Froböse diese Plattform für seine Zwecke, um für sein Buch zu werben.

  2. Rolf Froböse

    am 9. Juni 2008 um 11:20 Uhr | Link | Kommentar melden

    @ Seika: Jetzt halten Sie aber mal die Luft an! Wieso mißbrauche ich diese Plattform, wenn ich Readers Edition interessante Auszüge aus meinem Buch zur Veröffentlichung anbiete. Ich schlage vor, Sie schreiben selber mal ein Buch, dann dürfen Sie mitreden!

  3. Seika

    am 9. Juni 2008 um 19:46 Uhr | Link | Kommentar melden

    @Herrn Froböse: Ja, Sie mißbrauchen diese Plattform, weil Sie lediglich ihr Buch promoten wollen. Punkt!

    Haben Sie sich mal den Artikel über Jung auf der Wikipedia durchgelesen, den Sie ja auch verlinken? Jung ist umstritten, anders als Sie hier mit Verweis auf Freud darstellen wollen. Genauso sein Synchronizitätsprinzip.

    Den diversen Diskussion über Ihre Bücher und Sie als Person, zeigen mir allerdings, dass man Sie nicht ernst nehmen kann. Sie versuchen dem Esoterisch/Religiösem Sachlichkeit und somit Glaubhaftigkeit anzudichten.

    Und kommen Sie mir hier nicht mit dem “Mach mir das erstmal nach, bevor du dich mit mir unterhalten kannst”. Fange Sie mal an Beweise und Belege zu bringen, statt irgendwelcher leerer Anekdoten.

  4. Rolf Froböse

    am 9. Juni 2008 um 20:10 Uhr | Link | Kommentar melden

    @seika:
    Bevor Sie hier weiter leere Phrasen dreschen: Was haben Sie konkret an dem vorliegenden Artikel außer Ihrer persönlichen Abneigung gegenüber C. G. Jung zu beanstanden? Und wer sind SIE eigentlich? Stellen Sie sich doch den Lesern einfach mal vor, wie ich es unter www.froboese.com wiederholt gemacht habe.

  5. ÊMEW

    am 10. Juni 2008 um 20:13 Uhr | Link | Kommentar melden

    Thomas Alva Edison wird der Spruch nachgesagt, Erfindergeist sei zu 10 Prozent
    Inspiration und zu 90 Prozent Transpiration.
    (Er war ja auch ein regelrechter Erfindungs-Unternehmer und Betreiber einer
    Erfindungsfabrik mit etlichen Mitarbeitern.)

    Der grosse Mathematiker David Hilbert sagte einmal trocken: Genie ist Fleiss.
    Er war fleissig. Und hatte viele geniale Ideen.

    Will sagen: Ja, der Zufall spielt sicher bei schoepferischen Wissenschaftlern
    oder Erfindern eine Rolle. Aber man muss dem Zufall durch intensive, anstrengende
    Beschaeftigung mit den Problemen Gelegenheit geben, einzutreten…

    Aber die Apfel-Anekdote (Newton und das Gravitationsgesetz) ist einfach
    laecherlich. Die (1/r^2)-Gesetzmaessigkeit haben auch andere schon vor und
    neben Newton formuliert. Es ist gar nicht das Gravitiationsgesetz selbst die
    besondere Leistung Newtons. Daraus mathematisch die Keplerschen
    Gesetze der Planetenbahnen herzuleiten, DAS war die Leistung eines Giganten!

    Und natuerlich spielte die mechanisch-begriffliche Grundlage, das “zweite Newtonsche Axiom” dabei eine entscheidende Rolle.

    Das hat aber weniger mit mysterioesen Zufaellen als mit Newtons ungeheurer
    Geistesschaerfe zu tun…

    Und Geistesschaerfe und aussergwoehnliche Denkschnelligkeit spielt sicher
    bei grossen Geistern eine eher noch wichtigere Rolle als der Zufall.

    So gut wie jeder, der Erfahrung hat mit wissenschaftlicher Arbeit, kennt das:

    Man wacht morgens auf und hat wie aus heiterem Himmel einen entscheidenden
    Einfall hinsichtlich der Loesung eines Problems, mit dem man sich seit laengerem
    beschaeftigt.

    Es gilt als ziemlich gesichert, dass das Gehirn auch unbewusst und auch nachts
    im Schlaf “irgendwie” gedankliche Verknuepfungsarbeit leistet.

    Freuds “Traumdeutung” muss heute als weitgehend spekulative Phantasterei
    eingestuft werden. Es ist alles viel banaler. Und auch Kekule von Stradonitzens
    vielzitierter Benzolring-Schlangentraum ist viel banaler, als es seine eigene
    (angesichts der Bedeutung der Entdeckung verstaendlicherweise etwas
    pathetische) Schilderung erscheinen lassen mag.

    Also: Niedriger haengen!

  6. Die geheime PR des Zufalls - eine Chronologie und Nachlese « Kritisch Gedacht - Der Wissensblog

    am 19. Juni 2008 um 12:45 Uhr | Link | Kommentar melden

    […] Die jüngste Buchauszugswerbung von Froböse steht bei Readers Edition unter dem Titel „Kommissar Zufall“ in der Wissenschaft. In den Kommentaren dazu kritisiert Froböse wie üblich seine Kritiker. Es dürfte nicht der letzte Buchauszug gewesen sein, den uns Herr Froböse serviert, auch wenn der Neuigkeitswert der Zufallsesoterik rapide abnimmt. […]

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